Donnerstag, 18. April 2024

Krieg gegen die Ukraine
Erste Überflutungen nach Zerstörung von Kachowka-Staudamm

In der Ukraine ist der Kachowka-Staudamm am Dnipro-Fluss in der teils von russischen Truppen besetzten Region Cherson gebrochen. Unklar ist nach wie vor, ob eine Sprengung, ein Beschuss während der Kriegshandlungen oder eine andere Ursache dafür verantwortlich ist.

06.06.2023
    Ukraine: Dieses von Maxar Technologies über AP zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt den zerstörten Kachowka-Staudamm. Im von Russland besetzten Teil der südukrainischen Region Cherson ist nach Angaben der Kriegsparteien ein wichtiger Staudamm nahe der Front schwer beschädigt worden.
    Der zerstörte Kachowka-Staudamm in Cherson, Ukraine. (Uncredited/Maxar Technologies/AP/dpa)
    In der von Russland kontrollierten Region ist der Notstand ausgerufen worden. Das Wasser stieg demnach um zwölf Meter an. Mehrere Inseln im Fluss Dnipro seien vollständig überflutet. Rund 600 Häuser stünden bereits unter Wasser. Der ukrainische Militärkommandeur des Gebiets, Produkin, teilte mit, auf der linken Seite des Flusses Dnipro sei mit Evakuierungen begonnen worden. Der ukrainische Ministerpräsident Schmyhal sprach von einer Überschwemmungsgefahr für bis zu 80 Ortschaften. Die Zerstörung werde zu einer Umweltkatastrophe führen.
    Der Kachowka-Staudamm ist 30 Meter hoch und mehr als drei Kilometer lang. Ein angeschlossenes Wasserkraftwerk versorgt große Teile der Region mit Energie.

    Moskau und Kiew werfen sich die Tat gegenseitig vor

    Kiew und Moskau machten sich am Morgen gegenseitig für den Vorfall verantwortlich. Das ukrainische Einsatzkommando teilte mit, die russischen Besatzer der Region hätten den Damm in der Stadt Nowa Kachowka selbst gesprengt. Die russischen Besatzer hingegen machten ukrainischen Beschuss für die Schäden am Staudamm verantwortlich.
    Der ukrainische Präsident Selenskyj berief eine Dringlichkeitssitzung ein. Sonderbotschafter Korynevych nannte die Explosion vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag einen gezielten Anschlag Russlands und ein Kriegsverbrechen. EU-Ratspräsident Michel gab ebenfalls Russland die Schuld. Er teilte mit, die Zerstörung ziviler Infrastruktur gelte als Kriegsverbrechen. NATO-Generalsekretär Stoltenberg sagte, es handle sich um eine ungeheuerliche Tat, die einmal mehr die Brutalität des russischen Krieges in der Ukraine zeige. Bundeskanzler Scholz sprach von einer neuen Dimension des Ukraine-Kriegs. Zudem äußerte er sich besorgt über die Lage am Atomkraftwerk Saporischschja.

    Sorge um AKW

    Für das Atomkraftwerk Saporischschja besteht nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde zunächst keine direkte Gefahr. Experten beobachteten die Lage, teilte die IAEA via Twitter mit. Das AKW Saporischschja ist das größte in Europa und seit längerem unter Kontrolle des russischen Militärs. Es wird mit Wasser aus dem Stausee gekühlt.

    Weiterführende Informationen

    In unserem Newsblog zum Krieg in der Ukraine und seinen Auswirkungen finden Sie einen Überblick über die jüngsten Entwicklungen.
    Diese Nachricht wurde am 06.06.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.