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StartseiteKalenderblattErstes U-Boot für die Marine der Bundeswehr20.03.2012

Erstes U-Boot für die Marine der Bundeswehr

Vor 50 Jahren stellte die Bundesrepublik die U1 in Dienst

Das erste nach dem Zweiten Weltkrieg gebaute U-Boot der Bundesrepublik wurde am 20. März 1962 in Dienst gestellt. Das U 1 bedeutete für die damalige Bundesmarine einen wichtigen Schritt und spielte eine große Rolle in der maritimen NATO-Strategie während des Kalten Krieges.

Von Bernd Ulrich

U-Boot U 1 der Deutschen Bundesmarine 1962 (heute: Deutsche Marine) (picture alliance / dpa)
U-Boot U 1 der Deutschen Bundesmarine 1962 (heute: Deutsche Marine) (picture alliance / dpa)

Der "Spiegel" wusste wieder mal bestens Bescheid, auch über diesen trüben Oktobertag 1961:

"An der Reling ihres Fischereifabrikschiffes auf der Werft der bundeseigenen Howaldtswerke in Kiel vergnügten sich blau-uniformierte Sowjetmenschen. Aus nächster Nähe beobachteten sie, wie das erste von zwölf für die Bundesmarine bestimmten Unterseebooten, das 350 Tonnen große U 1, aus dem Dock an den Werftkai glitt."

Die Howaldtswerke bauten in jenen Tagen Fischtrawler für die sowjetische Handelsmarine. Deshalb nutzte auch alle Geheimhaltung nichts. Es sollte zwar noch fünf Monate, bis zum 20. März 1962 dauern, bis U 1 in Dienst gestellt werden konnte, aber der Russe – so der damalige Terminus ideologicus – wusste bereits alles über das neue Boot, seine Maße, die Tauchleistung, die Bewaffnung und den Preis: bis zu 12 Millionen DM pro Einheit.
So löchrig die Geheimhaltung, so wasserfest bewiesen schien die Wichtigkeit des neuen U-Bootes, wie sie 1962 der Ministerialdirektor im Verteidigungsministerium Dr. Fischer formulierte:

"Das U-Boot hat heute eine Bedeutung wie nie zuvor gewonnen. Wir sind mit derselben Begeisterung wie im Kriege wieder an die Aufgabe gegangen."

Nicht nur mit derselben Begeisterung, - auch mit einem ähnlichen Selbstverständnis. Denn niemand anderes als die Ehefrau Otto Kretschmers hatte den Taufakt vollzogen. Kretschmer – damals bereits wieder höherer Offizier in der Bundesmarine – war der erfolgreichste U-Boot Kommandant des Zweiten Weltkriegs. Das Wappen seines Bootes U 99, mit dem er bis zum eigenen Untergang im März 1941 über 40 Schiffe versenkt hatte, sollte auch den Turm von U 1 schmücken. Dessen Wappen stellte ein nach oben offenes Hufeisen dar, damit, so Frau Kretschmer in ihrer konzisen Erklärung, das Glück nicht herausfallen könne – wie noch bei U 99, wo das Hufeisen nach unten hin, dort wo der nasse Seemannstod drohte, offen war. Angebracht wurde das Wappen bei U 1 am Tag seiner Indienststellung, am 20. März 1962.

Bei so viel Traditionsbewusstsein verwundert es kaum, dass auch die ersten Boote der jungen Bundesmarine dem Weltkrieg entstammten, und zwar in einem ganz sprichwörtlichen Sinne. In den letzten Kriegstagen versenkt von den eigenen Besatzungen, um sie nicht als Beute den Siegern zu überlassen, wurden zwei von ihnen kurz nach der Gründung der Bundeswehr wieder gehoben, um sie für die Ausbildung künftiger Besatzungen zu nutzen. Die aber brauchte die junge Marine, weil von Anfang an der Aufbau einer neuen U-Bootflotte geplant war. Von der wiederum bildete U 1 das Typschiff als erstes Boot der Klasse 201.

Den Auftrag der U-Boote im Rahmen der NATO-Strategie im Kalten Krieg erklärte der Kommandant von U 27, Korvettenkapitän von Müller, 1984 während einer Tauchfahrt so:

"Die U-Boote haben im Wesentlichen den Auftrag, im Rahmen der Vorneverteidigung in der Ostsee ihre Aufgabe zu erfüllen - in einem Einsatzgebiet, in dem sonst keine anderen Seestreitkräfte operieren können."

Oder in den wenig seemännisch klingenden Worten des kürzlich verstorbenen Marinehistorikers Michael Salewski, es war das Konzept …

"… des Kampfes 'vor der Tür', 'in der Tür' und 'hinter der Tür'. Die Tür, das waren die dänischen Engen, also die Belte, der Sund, Kattegat und Skagerrak. Der Angriff auf Dänemark und Norddeutschland sollte von See her möglichst so lange verhindert werden, bis über die Nordsee genügend NATO-Reserven zur Unterstützung herangeführt wären."

Ein schlichtes Konzept, in dem das komplexe Waffensystem "U-Boot" eine entscheidende Rolle spielte. Was U 1 betraf, dauerte diese Rolle indessen zunächst nur bis Ende 1962. Dann nämlich - wie der "Spiegel" zu berichten wusste …

" … wurde bei U 1 ein Riss an der hinteren Tauchzelle festgestellt. Die Materialprüfer des Verteidigungsministeriums identifizierten die Risse als Spannungskorrosionsrisse, die nahe bei den Schweißnähten des erstmalig im Schiffbau verwendeten antimagnetischen Stahles auftraten."

Es kostete den Steuerzahler nochmals Millionen, U 1 und sein Schwesterboot U 2 zu modernisieren und vor allem mit einer konventionellen Stahlhaut zu umkleiden. So ausgerüstet blieb es bis Anfang der 1990er-Jahre im Dienst und Teil der 24 Tauchschiffe umfassenden Flotte.

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