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StartseiteDeutschland heuteEngel-Energie und planetarische Frequenzen04.04.2016

Esoterikmesse "Lebensfreunde"Engel-Energie und planetarische Frequenzen

In Hamburg hat am Wochenende die "Lebensfreude"-Messe stattgefunden. Auf der Esoterik-Schau wurde alles Erdenkliche, aber auch vieles schwer zu Verstehende angeboten: Von Aura-Reinigung über Engel-Energie bis zu Planetenklängen und neurechter Verschwörungsliteratur war alles dabei.

Von Axel Schröder

Die Tarot Karte für Kraft. Legen und lesen aus Tarot-Karten nach Arthur Edward Waite, aufgenommen am 24.08.2005. (picture-alliance / dpa / Heiko Wolfraum)
Die Tarot Karte für Kraft. Legen und lesen aus Tarot-Karten nach Arthur Edward Waite, aufgenommen am 24.08.2005. (picture-alliance / dpa / Heiko Wolfraum)
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Es gab eine Menge zum Staunen: Auf der diesjährigen "Lebensfreude"-Messe im Hamburger Congress-Centrum, im CCH, wurden Steine mit der Kraft der Planeten besungen und geweiht. Präsentiert wurden Aura-Fotografie oder sogenannte "Erlebnisvorträge" zum Thema "Was hilft mir die Erleuchtung". Und natürlich können auch Klänge helfen, das innere Gleichgewicht zu finden: "Das sind planetarisch gestimmte Frequenz-Töne. Das ist Titan! Und die richten unser Zellsystem nach der natürlichen Ordnung aus."

Ein paar Stände weiter zeigt die Lübeckerin Tila ihre "Intuitive Malerei". Und verkauft daneben auch noch kleine Acrylharz-Pyramiden, gefüllt mit Metallspänen und besonderen Kristallen. Zum Beispiel, Tila zeigt ein Exemplar, mit einem besonders starken Bergkristall. Dieser sogenannte Organit soll – 135 Euro das Stück - gegen die Strahlungen eines Wireless-LANs oder von Handymasten helfen: "Unten wird negativ geladene Energie aufgenommen. Und dann wird die negative Energie wieder umgewandelt in positive Lebensenergie. Und das ist – vereinfacht gesagt – das, was Organits machen."

Mit kleinen Pyramiden gegen Elektro-Smog

Unterwegs auf der Messe sind auch Ursula Caberta und Julia Offe. Sozusagen undercover. Die eine war 18 Jahre lang Leiterin der "Arbeitsgruppe Scientology" und Sekten-Expertin in der Hamburger Innenbehörde, die andere gehört zur GWUP, zur Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Ursula Caberta hat schon zig dieser Messen besucht, aber auch dieses Mal macht ihr der Rundgang sichtlich Spaß. Eine Ketzerin unter lauter Gläubigen. "Es gibt nicht viel Neues. Es ist immer dasselbe in neuen Tüchern und gefährlich wird es immer dann, wenn die Leute sich abhängig machen, wenn sie verunsichert sind. Und der Weg von einem an sich erst mal harmlosen Eso-Angebot hin zu einer klassischen Sektengefährdung – die ist da!"

Natürlich könnten sich die Leute gerne kleine Pyramiden gegen Elektro-Smog ins Wohnzimmer stellen. An sich sei das kein Problem. Aber allzu oft, so Ursula Caberta, würden sich die suchenden, hilfesuchenden Menschen, dann eben doch in eine Abhängigkeit von Ideen begeben sich, die an den Haaren herbeigezogen seien, die nur entwickelt würden, um suchende, hilfesuchende Menschen um ihr Geld zu bringen. "Wenn da Kinder mit Glückssteinen in die Schule geschickt werden und sagen: "Du schreibst eine Mathearbeit, Du hast deinen Glücksstein, da kann Dir gar nichts passieren!" Dann wird es, finde ich, gefährlich. Da geben die Eltern praktisch ihre Verantwortung für ihre Kinder an irgendwelche Glückssteine oder Channel-Link-Tanten oder was auch immer ab, weil sie selber überfordert sind vielleicht oder meinen, überfordert zu sein. Und da hört es auf! Solange die sich selber irgendwas reinschmeißen – meinetwegen. Aber die sind nicht allein! Es gibt Familien, es gibt das Umfeld. Und insofern verbreitet sich das und da wird es kritisch!"

Verschwörungstheorien und neurechtes Denken verkaufen sich offenbar gut

Ursula Caberta und Julia Offe, die skeptische Wissenschaftlerin, ziehen weiter durch die zwei Messehallen. Julia Offe kann sich ab und zu ein Grinsen nicht verkneifen. - "Fohat-Engel-Energie" – mit der "harmonisierenden Wirkung auf Körperzellen, Chakren und Aurakörper". Weniger komisch findet sie einen Bücherstand, ganz am Ende der Halle. "Manche Sachen sind dann halt richtig ekelhaft. Diese braune Esoterik. Wenn es in die "Jüdische Weltverschwörung" reingeht. Wenn Leute Therapien anpreisen, bei denen man weiß: wenn Leute dem gefolgt sind und daran gestorben sind. Dann wird’s eklig!"

Auf dem Büchertisch wird sie gleich fündig: Auf dem Cover von "Die Rothschilds – Eine Familie beherrscht die Welt" umklammern die blutbespritzten Hände einer dunklen Gestalt einen Dolch, richten ihn auf die Weltkugel. Daneben liegt der schmale Band von Ryke Geerd Hamer. Er hat die "Germanische Heilkunde" entwickelt. "AIDS – die Krankheit, die es gar nicht gibt" heißt sein Buch und Julia Offe ist angriffslustig. Zu spüren bekommt es der junge Mann hinter dem Bücherstand: "Hier steht: "AIDS – die Krankheit, die es gar nicht gibt"! Und damit verhindert er eine Aufklärung zu AIDS. Und er erreicht vielleicht leider auch ein paar Leute, die sich deshalb nicht behandeln lassen! Mit den wirksamen Medikamenten, die wir inzwischen haben!"

Man muss nur dran glauben

Vor dem Mikrofon möchte sich der Buch-Präsentator nicht äußern. Nicht gegenüber dem Deutschlandfunk. Nur gegenüber seriösen Medien, erklärt er. "Ich habe absolut kein Vertrauen in GEZ-Medien!" Kein Wunder: Vor ihm liegen gleich zwei unterschiedliche Bücher mit dem Titel: "Lügenpresse", daneben Udo Ulfkottes "Gekaufte Journalisten" und Jan van Helsings "Politisch unkorrekt". Esoterik, Verschwörungstheorien und neurechtes Denken verkaufen sich offenbar zusammen gut. – Ursula Caberta und Julia Offe verabschieden sich. Sie haben genug gesehen.

Ich lasse mir an den Ständen noch weitere wundersame Dinge zeigen und erklären und lande am Ende in kleinen, dunkelblauen Zelt. Bei der Hellseherin und Handleserin Röslein Rosenberg, lange, schwarze Haare. Unterm Tisch sitzt ihr kleiner Hund Krümel. "Hier ist meine Hand." – "Das ist die linke Hand." – "Und Sie haben eine wunderbare, schöne, lange Lebenslinie."

Röslein Rosenberg prophezeit mir ein langes Leben, vielleicht werde ich noch einmal Vater, sagt sie, bestimmt aber eines Tages Opa. Eine tolle Nachricht. Man muss nur dran glauben.

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