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StartseiteUmwelt und VerbraucherEssen, das es in sich hat15.03.2013

Essen, das es in sich hat

Antibiotikabelastete Putenbrust in Kantinen entdeckt

Mit Medikamenten belastetes Putenfleisch ist aus Rumänien auch nach Deutschland geliefert und hier verarbeitet worden. Abnehmer waren mehrere Kantinen. Dieser neue Fall von belasteten Nahrungsmitteln wurde auch beim Deutschen Lebensmittelrechtstag in Wiesbaden kontrovers diskutiert.

Von Anke Petermann

Antibiotika im Putenfleisch - akute Gesundheitsgefahr besteht laut Behörden jedoch trotzdem nicht.  (picture alliance / dpa -  Stefan Puchner)
Antibiotika im Putenfleisch - akute Gesundheitsgefahr besteht laut Behörden jedoch trotzdem nicht. (picture alliance / dpa - Stefan Puchner)

So lange keine gesicherten Daten vorliegen, will kein Experte für Lebensmittelkontrolle oder Risikobewertung in Wiesbaden etwas sagen zu den 19 Tonnen antibiotikabelasteter Putenbrust aus Rumänien. Der Großteil des kontaminierten Fleischs war laut ARD-Recherchen über einen rumänischen Zwischenhändler an einen Münsteraner Importeur gelangt. Der verkaufte es einem westfälischen Fleischbetrieb, der es wiederum als marinierte Putenbruststreifen an 15 Großküchen in Deutschland, Österreich und Großbritannien lieferte. 500 Kilogramm unverarbeitetes Putenfleisch gingen laut Recherche von Radio Bremen an den Bremerhavener Lebensmittelhersteller "Deutsche See". Der Konzern wollte die Pute zu Feinkostsalaten verarbeiten und stieß bei einer Stichprobe im Rahmen der Eigenkontrolle auf die Rückstände, die 27 Mal höher lagen als nach EU-Gesetz erlaubt. Das allerdings ist noch keine von Bundesinstituten bestätigte Angabe. Statt das Fleisch zu verarbeiten, alarmierte der Konzern die Behörden. Die Eigenkontrolle funktioniert - ein gutes Zeichen, meint Martin Müller, Chef des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure:

"Weil sämtliche Verantwortung nach der Neuordnung des Lebensmittelrechts beim Unternehmer liegt. Jeder in der Lebensmittelkette hat in voller Verantwortung das abzuarbeiten, was er an Lebensmittelsicherheit in das Produkt hineinbringt, und er hat das durch Probenahme zu machen, und das hat in diesem Fall hervorragend funktioniert. Das ist das Gute."

Das Schlechte ist, dass die Rückstände wie beim krebserregenden Schimmelgift Aflatoxin im importierten serbischen Futtermais nicht vom Importeur, sondern erst vom Weiterverarbeiter, und auch nur von einem, entdeckt wurden. Versagt hat beim antibiotikabelasteten Putenfleisch neben dem Münsteraner Importeur wohl auch der Weiterverarbeiter in Drensteinfurt, der den Kantinen die Putenstreifen indischer Art lieferte. Rund sechs Tonnen davon haben Kantinenkunden schon verzehrt. 13 Tonnen konnten sichergestellt werden, nachdem die "Deutschen See" die Behörden verständigt hatte. Birgit Rehländer von Stiftung Warentest sieht allerdings keinen Anlass, den Konzern dafür besonders zu loben – er habe getan, was das Gesetz vorschreibt.

"Aus meiner Sicht ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der so etwas entdeckt, das auch öffentlich macht. Denn wir kennen ja Fälle, dass ein Hersteller sagt, ich möchte die Ware nicht, lässt sie zurückgehen, und dann findet sich aber ein unbedarfter Konkurrent, der nichtahnend diese Ware zu einem günstigen Preis kauft, und letztendlich hat der Verbraucher dann das Nachsehen."

Und möglicherweise auch den gesundheitlichen Schaden? Eine akute Gesundheitsgefahr bestehe den Behörden zufolge nicht, meldet die ARD. Doch eine Entwarnung halten Experten für Risikobewertung auf dem Lebensmitterechtstag in Wiesbaden für verfrüht. Inzwischen soll zwar feststehen, um welches Antibiotikum es sich handelt. Doch was die Mengen und Grenzwertüberschreitung angehe, brauche man weitere Proben, um Genaueres sagen zu können. Beim Kantinenessen handele es sich ja um einmaligen Verzehr, meint ein Experte, stuft es deshalb als eher unkritisch ein.

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