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StartseiteUmwelt und VerbraucherGegen den Wegwerfwahn17.11.2017

Europäische AbfallwocheGegen den Wegwerfwahn

Oft ist es billiger, Elektrogeräte neu zu kaufen, statt das Alte reparieren zu lassen. Nicht nur die Europäische Woche der Abfallvermeidung 2017, die am 18. November beginnt, will auf dieses Problem aufmerksam machen. Auch immer mehr Handwerker kämpfen gegen dem Wegwerfwahn.

Von Kai Rüsberg

Elektroschrott (dpa / Maja Hitij)
Der Berg an Elektroschrott wächst jährlich an (dpa / Maja Hitij)
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"Staubsauger, Industriestaubsauger. Feinstaub und der ist leider kaputt."- "Reparieren wäre nicht mehr drin gewesen?" – "Nein, Preisleistungsverhältnis stimmt nicht."

Zu billig, um es zu reparieren. Das sei einer der Hauptgründe, warum immer mehr Elektrogeräte weggeworfen werden, sagt Detlef Vangerow. Der Handwerker führt in Reutlingen ein Netzwerk von Servicewerkstätten für Elektrogeräte im Haushalt.

"Wenn die Dinge immer billiger produziert werden sollen, dann geht es natürlich auf Kosten der Mindest-Lebens­erwartung. Wenn es dann eben so ist, dass der Hersteller sagt: "Ich verklebe jetzt meine Geräte aus konstruktiven Gründen, aus Schutzgründen, Wasserschutz, Staubschutz, dann können Sie es ihm letztendlich nicht verbieten.

Aber es muss natürlich Möglichkeiten geben, dass jemand mit einer Mindestausstattung halt eben so ein Gerät auch öffnen kann."

Detlef Vangerow vertritt ein Netzwerk von etwa 1.300 Handwerksbetrieben mit Servicewerkstatt. Doch selbst wenn die Verbraucher ihre Produkte zum Reparieren bringen, können die Handwerker nicht mehr in jedem Fall helfen.

"Der größte größte Reparaturverhinderer überhaupt ist der Ersatzteilpreis."

 Ersatzteile oft genauso teuer wie Neugeräte

Nicht selten liege der für relativ einfache Ersatzteile ähnlich hoch wie für günstige Neugeräte, sagt Vangerow. Oder die Werkstätten werden einfach gar nicht beliefert.

Ein gesplitterter, defekter Touchscreen eines Smartphones, fotografiert am 18.02.2016 in Berlin. (dpa / Jens Kalaena)Defektes Smartphone (dpa / Jens Kalaena)

"Wenn ich dann an den Hersteller schreibe und um Ersatzteile bitte, dann bekomme ich beispielsweise eine Antwort, wo drin steht: Wir liefern Ersatzteile nur an zertifizierte Betriebe. Aber Sie erhalten keine Zertifizierung und dann kriege ich oft auch keine Ersatzteile oder aber nur zu wesentlich schlechteren Preisen."

Deswegen hat er das Kartellamt aufgefordert, gegen solche Marktdiskriminierung vorzugehen..

 "Wir haben gegen Apple und Samsung einen Antrag ans Kartellamt einge­reicht, in dem fordern wir das Kartellamt auf, auf die unserer Meinung nach diskriminierende Ersatzteilversorgung durch diese beiden Firmen hinzuweisen. Hier werden Unterschiede ge­macht, in Preisen oder auch in Belieferung durch Ersatzteilen oder auch in Belieferung mit Reparaturinformationen zwischen vertragsgebundenen Werkstätten und freien Werkstätten."

Elektronik-Müllberg wächst jedes Jahr

Die Kosten für kurzlebige Produkte zahlen am Ende nicht nur die Käufer, sagt Reparatur-Experte Matthias Huisken:

"Das Aufkommen an Elektronikschrott in Deutschland und in ganz Europa wächst jedes Jahr, das ist einer der am stärksten wachsenden Abfallströme. Der kostet uns auch sehr viel Geld. Deswegen ist eine längere Nutzung etwas ganz wichtiges, denke ich."

Huisken ist Geschäftsführer von iFixit.com, einer Internetplattform für Nutzer, die austüfteln, wie schwierig zu öffnende Geräte repariert werden können und davon Videos und Anleitungen ins Netz stellen. Dreimillionen Mal wurde seine Webseite im vergangenen Jahr aufgerufen. Die Zahl steige stetig, sagt Huisken.

"Es gibt viele Menschen, die sich nicht vorschreiben lassen möchten, wie lange die Technik, die sie jeden Tag benutzen, ihnen dann auch zur Verfügung steht. Man tut dabei auch was Gutes für die Umwelt. Man darf nicht vergessen: Elektronik ist sehr ressourcenintensiv in der Herstellung und am Ende des Lebenszyklus auch gefährlich und teilweise auch sehr giftig in der Entsorgung, das kostet auch sehr viel Geld. Reparieren verlängert die Lebensdauer von Geräten und trägt natürlich auch zur Verringerung des Aufkommens von Elektroschrott bei."

Gerätereparaturen befördern den Klimaschutz

Das Ökoinstitut Freiburg hat dies am Energiebedarf für Fernseher, Laptops und Waschmaschinen über zehn, zwölf und 20 Jahre Nutzungszeit untersucht. Einbezogen wurde der laufende Verbrauch ebenso wie der für Transporte und zur Hers­tellung der Geräte. Neukauf statt Reparatur verursachte bislang einen Mehrverbrauch bei Fernsehern von einem Viertel. Bei Waschmaschinen und Laptops beträgt der Mehr­verbrauch sogar ein Drittel. Reparieren und länger Nutzen dagegen befördert damit auch den Klimaschutz.

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