Donnerstag, 29. September 2022

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Europäische Musik-Kulturgeschichte
Kontinuität, Wandel, Widersprüchlichkeit

Europäische Musikgeschichte schreibt sich heute nicht mehr aus einzelnen Schlüsselwerken. Ins Blickfeld gerät vielmehr ein komplexes Zusammenspiel politischer und sozialer Ereignisse, vor deren Hintergrund sich individuelle musikalische Mitteilungen zu ästhetischen Entwicklungen fügen.

Von Yvonne Petitpierre | 01.06.2021

    Eine Abbildung von einem Holzrelief mit musizierenden Engel im Stil der Ikonen Malerei.
    Sinnbild für die Entstehung der europäischen Kunstmusik aus dem sakralen Kontext heraus. (imago / Ann Ronan Picture Library)
    In seiner neuen, fundamentalen 800-seitigen Publikation begibt sich der österreichische Musikhistoriker Gernot Gruber auf die Suche nach einer europäischen Identität in der ernsten wie in der Unterhaltungsmusik. Sein Blick richtet sich dabei vor allem auf Mitteleuropa mit seinen jeweiligen musikalischen und geistesgeschichtlichen Protagonisten.

    Musik als Ausdruck von Kultur und Gesellschaftsgeschichte

    Gruber betrachtet musikalische Entwicklungen als Teil einer kontinentalen Kulturgeschichte. Da es aus Grubers Sicht dazu keine einheitliche und verbindliche Darstellung geben kann, entscheidet sich der 1939 geborene Historiker für ein Darstellen aus persönlicher Wahrnehmung. Vertraute Allgemeinplätze will er dabei nicht zementieren; viel interessanter sind Widersprüchlichkeiten.
    Grubers Aufmerksamkeit gilt Traditionen und Aufbrüchen, gesellschaftlichen Veränderungen sowie ideengeschichtlichen Hintergründen. Zudem fragt er auch nach Identität stiftenden Einzelaspekten aus geographischen, religiösen und ästhetischen Randbereichen. Autorin Yvonne Petitpierre schlägt verschiedene Schneisen durch die Publikation und bat die Komponistin Violeta Dinescu und den Avantgarde-Musiker Wolfgang Rüdiger um Statements dazu.