Samstag, 28. Mai 2022

Europaspiele
Menschenrechtler in Baku unerwünscht

In Aserbaidschans Hauptstadt Baku werden am Freitag die ersten Europaspiele eröffnet. Die Sportwettkämpfe sind äußerst umstritten: In Aserbaidschan regiert ein autoritäres Regime. Amnesty International wollte anlässlich der Spiele auf die verheerende Menschenrechtslage im Land aufmerksam machen - doch die aserbaidschanische Regierung machte der Menschenrechtsorganisation einen Strich durch die Rechnung.

10.06.2015

Ein Polizist im Athletendorf der Europaspiele in Baku (10.06.2015).
Amnesty International kritisiert die Menschenrechtslage in Aserbaidschan - Gastgeberland der ersten Europaspiele. (dpa / picture-alliance / Mikhail Japaridze)
Amnesty International ist nach eigenen Angaben an der Einreise zu den Europaspielen nach Aserbaidschan gehindert worden. "Aserbaidschan sieht sich nicht in der Lage, Amnesty zum gegenwärtigen Zeitpunkt in Baku willkommen zu heißen", hieß es nach Amnesty-Angaben in einem Schreiben der aserbaidschanischen Botschaft in London. Die Menschenrechtsorganisation wollte während der Spiele auf Verstöße gegen Menschenrechte und Pressefreiheit in Aserbaidschan aufmerksam machen und hatte eine Pressekonferenz dazu geplant.
Die aserbaidschanische Regierung habe Amnesty aufgefordert, den Besuch auf einen Zeitpunkt nach den Spielen zu verschieben, teilte die Organisation mit. "Doch anstatt unsere Mission damit zu begraben, haben die Verantwortlichen damit nur ihren verzweifelten Versuch unterstrichen, eine kritikfreie Zone rund um die Spiele zu errichten", sagte Amnesty-Direktor Denis Krivosheev.
98 politische Häftlinge
Die Regierung von Staatspräsident Ilham Aliyev wird von Menschenrechtlern für ihr hartes Vorgehen gegen kritische Journalisten und Oppositionelle kritisiert. Schätzungen zufolge sind in Aserbaidschan mindestens 98 politische Häftlinge im Gefängnis.
Bei den ersten Europaspielen, organisiert von den Europäischen Olympischen Komitees, streiten 6.000 Sportler um Medaillen. In elf Sportarten können sie sich für die Olympischen Sommerspiele 2016 qualifizieren. In der vergangenen Woche hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der für Sport zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (beide CDU) angekündigt, nicht zu den Spielen nach Baku zu reisen. Die Wettkämpfe beginnen an diesem Freitag und finden bis 28. Juni statt.
(tzi/nin)