Donnerstag, 01. Dezember 2022

Archiv

Eurozone
Die Inflation meldet sich zurück

Die Inflation in der Eurozone: knapp über zwei Prozent. Die Gefahr einer Deflation ist damit vorerst gebannt, doch damit steigen die Preise – für Energiekosten, Lebensmittel, Tabak und Alkohol. Angesichts der neuen Entwicklung fordern einige ein Ende der Niedrigzinspolitik der EZB.

Von Thomas Otto | 02.03.2017

    Die Zentrale der Europäischen Zentralbank
    Die Zentrale der EZB in Frankfurt am Main: Mit den neuen Zahlen mehren sich die Stimmen derer, die von der Europäischen Zentralbank ein Ende der Niedrigzinspolitik verlangen. (picture-alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
    Zum ersten Mal seit gut vier Jahren übersteigt die Inflation in der Eurozone wieder den von der Europäischen Zentralbank angestrebten Wert von knapp unter zwei Prozent. Dieser Wert gilt als ideal für die Wirtschaft. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Inflation nach der Schätzung der EU-Statistikbehörde Eurostat im Februar auf 2,0 Prozent in der gesamten Eurozone und 2,2 Prozent in Deutschland gestiegen. Die Gefahr einer Deflation gilt vorerst als gebannt.
    Preistreiber sind besonders die Energiekosten, die im Vergleich zum Vorjahresmonat um 9,2 Prozent gestiegen sind. Lebensmittel, Tabak und Alkohol verteuerten sich um 2,5 Prozent, wohingegen Dienstleistungen nur 1,3 Prozent mehr kosteten. Auch in Deutschland haben vor allem die gestiegenen Energiepreise für die Verteuerung gesorgt, nachdem das Ölkartell OPEC sich Ende vergangenen Jahres auf eine Reduzierung der Fördermenge geeinigt hatte. Nahrungsmittel verteuerten sich unter anderem wegen Missernten in Südeuropa.
    Ende des Niedrigzins, Anleihekäufe verlangsamen
    Mit den neuen Zahlen mehren sich auch die Stimmen derer, die von der Europäischen Zentralbank ein Ende der Niedrigzinspolitik verlangen. Bayerns Finanzminister Markus Söder fordert, die Zinsen schrittweise wieder zu erhöhen. Der Wirtschaftsweise Volker Wieland schlägt vor, die Anleihekäufe zu verlangsamen und früher zu beenden.
    EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger hatte vor knapp zwei Wochen im Deutschlandfunk erklärt:
    "Für mich ist es entscheidend, dass es eben nicht nur ein kurzer, vorübergehender Ausreißer nach oben ist, der uns dann wieder Monate später zu niedrige Inflationsraten zeigt und wir dann womöglich mit stärkeren geldpolitischen Maßnahmen reagieren würden."
    Prinzipiell sei sie aber dafür, von der expansiven Geldpolitik zu einer Normalisierung zu kommen, so Lautenschläger. Auch Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, empfiehlt der EZB, an ihrer Geldpolitik vorerst festzuhalten. Die Wirtschaft im Euro-Raum sei noch immer in einer schwierigen Lage, so Fratzscher.
    In einer Woche kommt der EZB-Rat zusammen, um über den weiteren Kurs zu beraten.