Donnerstag, 07. Juli 2022

Unbekannter Apollo-Pionier
Ewen Whitaker, der Mann für die Mondkarten

Vor 100 Jahren kam in London Ewen Adair Whitaker zur Welt. Der gelernte Ingenieur wurde am Observatorium von Greenwich ein gefragter Mondexperte.

Von Dirk Lorenzen | 22.06.2022

Ewen Whitaker (links) sucht mit Gerard Kuiper und Raymond Heacock (rechts) von der NASA Landestellen auf dem Mond aus.
Ewen Whitaker (links) sucht mit Gerard Kuiper und Raymond Heacock (rechts) von der NASA Landestellen auf dem Mond aus. (LPL, Univ. of Arizona)
Er fotografierte systematisch unseren Trabanten und erregte damit die Aufmerksamkeit von Gerard Kuiper. Der war einer der führenden Astronomen jener Zeit und lud Ewen Whitaker ein, am Mondkartenprojekt der Yerkes-Sternwarte bei Chicago mitzuarbeiten.
1960 wechselten beide nach Tucson in Arizona. Dort wurde aus dem kleinen Mondprojekt das bis heute bestehende Mond- und Planetenlabor mit Hunderten Mitarbeitern.

Dringende Nachfrage der NASA

Die NASA brauchte für die Mondflüge dringend präzise Karten, um geeignete Landeplätze auszusuchen. Bis dahin basierten die Planungen auf einem gezeichneten Mondatlas aus den 30er Jahren.
Ewen Whitaker erstellte auch Karten, die der Sicht der Astronauten beim Flug um den Mond entsprachen – er hatte die Verzerrung korrigiert, die am Mondrand bei Aufnahmen von der Erde entsteht.

Informationen zur Mondoberfläche

Zudem kombinierte er Bilder unterschiedlicher Spektralfilter. So ließ sich etwas über die chemische Beschaffenheit der Mondoberfläche aussagen – ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Landeplätze.
Auch nach der Apollo-Ära blieb er dem Mond verbunden. Er wählte vierzehn würdige Krater auf der Rückseite des Mondes aus, um sie nach den Besatzungsmitgliedern der verunglückten Raumfähren Challenger und Columbia zu benennen.
Ewen Whitaker, der den Mond so gut kannte wie kaum ein anderer, ist 2016 im Alter von 94 Jahren gestorben.

Nachruf auf Ewen Whitaker
Der berühmte „Rectified Lunar Atlas“ von Ewen Whitaker et al.