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ExoMars-Mission
Einfachflug oder doch noch Doppelschlag?

Die USA und Indien haben zwei Raumschiffe Richtung Mars geschickt. Bald wollen auch die Europäer mitziehen: Beim Projekt ExoMars soll zunächst ein Orbiter und später eine Landesonde fliegen. Doch die Mission war immer wieder von schweren Rückschlägen betroffen. Auch jetzt ist Europas Flug zum Mars keineswegs sicher.

Von Dirk Lorenzen | 12.02.2014

Europas ExoMars-Mission ist schon fast so etwas wie eine unendliche Geschichte. Ursprünglich für 2009 geplant, soll es nach einigem Hin und Her nun 2016 endlich los gehen. Zunächst fliegt eine Raumsonde in eine Umlaufbahn um den Planeten, zwei Jahre später soll ein Rover folgen, der im roten Staub landet. Das Kernmodul der ersten Sonde ist bereits fertig gestellt. Das Team um Andreas Winkler von OHB System in Bremen hat dazu in der Montagehalle manche Extraschicht eingelegt. Die Raumsonde von der Größe eines Mittelklassewagens soll in zwei Jahren mit einer russischen Proton-Rakete starten:
"Sie bringt ein Landemodul zum Mars. Sie geht später in eine eigene Umlaufbahn wird also zum Orbiter. Das ist schon eine Kombination von zwei verschiedenen Dingen. Dann macht sie zwei Jahre Wissenschaft, für die Atmosphäre und geologische Vorgänge. Und danach ist sie zwei weitere Jahre eine Datenrelaisstation für den Rover, der 2018 kommen soll. Das heißt, dieser Trace Gas Orbiter ist ein Multifunktionsfahrzeug. Das ist die besondere Herausforderung an die Technik."
Als zweite Weltraummacht zum Mars
Wie sein Name verrät, soll der Trace Gas Orbiter die Spurengase in der Marsatmosphäre untersuchen. Dabei geht es vor allem um Methan. Denn Menge und Verteilung dieses Gases könnten Hinweise auf vulkanische oder gar biologische Aktivität auf dem Planeten liefern. Technologisch wichtig ist das Abwerfen des kleinen Landemoduls, das aussieht wie ein fliegender Wok. Gemessen am Rover zwei Jahre später ist es zwar kaum mehr als ein Spielzeug, aber das ExoMars-Team muss dringend Erfahrung sammeln, wie sich auf dem Mars landen lässt. Denn vor zwei Jahren hatte sich die NASA aus Geldmangel aus dem ExoMars-Projekt zurückgezogen. Zwar gelang es Europas Weltraumorganisation ESA sehr schnell, Russland als Partner zu gewinnen, doch die erprobte Landetechnik der Amerikaner steht für den Rover nicht zur Verfügung. Nun will die ESA aus eigenen Stücken die zweite Weltraummacht werden, die sicher auf dem Mars landet, erklärt ESA-Chef Jean-Jacques Dordain:
"Mit der zweiten Mission schicken wir einen Rover, der über den Mars fährt und bis zu zwei Meter tief in den Boden bohrt. Das rollende Labor soll in den Marsproben nach Wasser und Spuren von Leben suchen. Es geht um die ganz großen Fragen, woher wir kommen und wie sich das Leben weiter entwickeln wird. ExoMars ist wirklich einzigartig und keineswegs einfach nur eine weitere Weltraummission."
Finanzieller Blindflug
Der ESA-Chef wird nicht müde, die Bedeutung von Europas Marsrover zu betonen. Denn noch ist unsicher, ob auch dieser zweite Teil des ExoMars-Projekts Wirklichkeit wird. Zwar gibt es in Europa viel politische Unterstützung für diese Mission und der Rover wird derzeit bei Airbus in England gebaut, doch finanziell befindet sich die ESA im Moment in einer Art Blindflug:
"Für die zweite Mission brauchen wir noch zusätzliches Geld, etwa von Deutschland, Frankreich, Italien oder vielleicht Großbritannien. Dass die erste Mission, der Trace Gas Orbiter, 2016 auf die Reise geht, ist klar. Aber für den Rover brauchen wir spätestens bis Anfang nächsten Jahres weitere Mittel, um wirklich 2018 zu starten."
Ursprünglich sollten die ExoMars-Kosten auf eine Milliarde begrenzt werden, doch nach dem Rückzug der NASA dürften nun einige hundert Millionen Euro hinzu kommen. Schon fürchten manche Experten, es werde einen faulen politischen Kompromiss geben: Nämlich dass das ExoMars-Projekt nach der ersten erfolgreichen Sonde sang- und klanglos ausläuft und der wissenschaftlich so bedeutende Rover nie zum Einsatz kommt.