Montag, 03. Oktober 2022

EZB-Anleihenprogramm in der Presse
"Ökonomisch macht das Sinn"

Die Zeitungen sehen das angekündigte Anleihenprogramm der Europäischen Zentralbank unterschiedlich. Einige Kommentatoren begrüßen den Plan, andere kritisieren vor allem, dass die Bank zu stark in die Politik eingreift. Süffisant heißt es aber auch, dass so etwas nur in Deutschland zu Aufregung führt.

22.01.2015

    Mehrere Euro-Banknoten liegen auf einem Tisch.
    Einige Zeitungen sehen die angekündigten Milliardenausgaben der Europäiscchen Zentralbank kritisch. (dpa / picture alliance / Jan Woitas)
    Das zentrale Thema in den Kommentarspalten von morgen ist die Ankündigung der EZB, mit dem Kauf von Staatsanleihen die Konjunktur im Euroraum anzuschieben.
    "Ökonomisch macht das Sinn", notiert der KÖLNER STADT-ANZEIGER: "Der Schritt wird die Euro-Konjunktur zwar nicht retten, aber unterstützen. Die Einwände gegen die Anleihekäufe sind verständlich, aber kontraproduktiv."
    "Natürlich kann niemand hundertprozentig voraussagen, ob die Maßnahme greift - aber es besteht zumindest die Chance", meint auch die NÜRNBERGER ZEITUNG. Sie sieht jetzt die Politik in der Pflicht: "Der Furcht, die schwachen EU-Länder könnten durch die EZB-Billion in ihrem Sparwillen gebremst werden, muss man politisch begegnen. Ebenso der Angst, das Reformtempo könnte sich verlangsamen."
    Die HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG weist in der Krise ebenfalls mit dem Finger auf die Politik: "Europas Regierungen ziehen die Konsequenzen aus der Schuldenkrise zu langsam, also springt die Notenbank ein, um mit ihren Mitteln die Wirtschaft in Gang zu bringen."
    Warnende Töne schlägt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt an der Oder an: "Mit dem neuen Billiggeld und der Entlastung der Krisenländer hat die EZB die letzte Karte ausgespielt. Springt die Konjunktur in Südeuropa jetzt nicht an, kann die EZB nur noch zusehen."
    Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG nennt den Ankauf von Staatsanleihen einen "fatalen Fehler": "Gekniffen ist vor allem der Sparer. Erreicht die EZB ihr Ziel, die angeblich gefährlich niedrige Inflation anzufachen, dann hat der Sparer keine Chance mehr, der schleichenden Enteignung zu entkommen."
    Kritisch äußert sich auch die ESSLINGER ZEITUNG: "Die EZB greift unverhohlen in die Politik ein, sie macht Politik, obschon sie keinen demokratisch legitimierten Auftrag hat."
    "Es dürfte das letzte Ass sein, das der EZB-Chef aus dem Ärmel zaubert", prognostiziert der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER: "Ein mulmiges Gefühl bleibt selbst bei denen, die seinen Kurs verteidigen. Unter den Experten sind die Gegner in der Überzahl."
    Drastische Töne schlägt der MÜNCHNER MERKUR an: "Die demokratisch nicht legitimierte Europäische Zentralbank hebt in einer Art Staatsstreich das Europa der Nationen aus den Angeln und verschmilzt es zu einer Haftungsunion. Draghibonds statt Eurobonds. Draghis Billionen-Plan ist Europas süße Rache an Angela Merkel."
    Die TAGESZEITUNG kommentiert die deutschen Reaktionen: "Das Erstaunlichste an der Entscheidung der Europäischen Zentralbank, künftig Staatsanleihen aufzukaufen, ist die Aufregung, die sie hierzulande hervorruft. Im Rest der Welt gilt das als ein völlig übliches Instrument. Nur aus Deutschland hagelt es Kritik."
    Der DONAUKURIER aus Ingolstadt erklärt: "Der von deutschen Kritikern der EZB-Politik geäußerte Einwand ist ja nicht von der Hand zu weisen, mit den Währungshütern als Rückversicherung im Hintergrund könnte in den Euro-Krisenländern die lockere Verschuldungspolitik wieder aufgenommen werden, dagegen der Reformeifer erlahmen. Denn eigentlich hat Euro-Land kein Währungsproblem, sondern massive Strukturprobleme. Dieses Manko lässt sich aber nicht mit Geldpolitik beheben."