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StartseiteUmwelt und VerbraucherWeihnachtsmänner demonstrieren für bessere Arbeitsbedingungen von Kakaobauern05.12.2013

Faire SchokoladeWeihnachtsmänner demonstrieren für bessere Arbeitsbedingungen von Kakaobauern

Zu niedrige Löhne und ausbeuterische Kinderarbeit: Dagegen richtet sich die Kampagne "Make Chocolate fair" der Organisation INKOTA für bessere Arbeitsbedingungen von afrikanischen Kakaobauern. Europaweit gehen dafür ab heute Weihnachtsmänner auf die Straße.

Von Daniela Siebert

Adventskalender mit Schokolade (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Die Kampagne "Make Chocolate fair" rät dem Verbraucher, beim Kauf von Schokolade auf Zertifikate wie "Fairtrade" zu achten. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
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"Faire Schokolade! Jetzt! Unfair! Geht nicht mehr!"

Rund ein Dutzend Weihnachtsmänner haben gerade auf dem Berliner Gendarmenmarkt für faire Schokolade demonstriert. Dahinter steckt die europäische Kampagne „Make Chocolate Fair“, in Deutschland vertreten durch das Inkota-Netzwerk. Ein Hauptproblem sei nach wie vor, dass Schokolade mit Hilfe von Kinderarbeit hergestellt werde, so Kampagnensprecherin Evelyn Bahn:

"Die bittere Wahrheit über Schokolade ist, dass nach wie vor Hunderttausende von Kindern im Kakaoanbau arbeiten müssen, allein in Ghana und der Elfenbeinküste sprechen wir von zwei Millionen Kindern, wobei mehrere Hunderttausend unter ausbeuterischer Kinderarbeit arbeiten. Ausbeuterische Kinderarbeit heißt unter anderem, dass sie mit gefährlichen Maschinen und Chemikalien hantieren müssen, dass sie nicht zur Schule gehen können oder nur sehr unregelmäßig zur Schule gehen können, dass sie schwerste Säcke tragen müssen, also all das passiert tagtäglich im Kakaoanbau."

Umsatz der Schokoladenindustrie kommt nicht bei Kakaobauern an

Auch die Löhne für Kakaobauern in Afrika seien zu niedrig moniert die Kampagne. Nur 6 Prozent des Preises für eine Tafel Schokolade, die hier gekauft wird, lande bei den Bauern. Vor 30 Jahren seien das immerhin noch 16 Prozent gewesen:

"Die Schokoladenindustrie trägt eine entscheidende Verantwortung dafür, dass die Kakaobauern unter solchen ärmlichen Verhältnissen leben müssen. Wenn man sich anschaut, wie viel Umsatz die Schokoladenindustrie im vergangenen Jahr gemacht hat, das sind 80 Milliarden US-Dollar, dann ist das eine gigantische Zahl, wenn man dann überlegt, was kommt davon bei den Kakaobauern an, ist das praktisch nichts."

Auch fallende Weltmarktpreise für Kakao spielen eine Rolle räumt Evelyn Bahn ein. Ein weiteres Problem sei, dass die Bauern oft nicht ausreichend vor Verletzungen durch Macheten und vor Gesundheitsschäden durch die eingesetzten Pestizide geschützt seien. Auch Verbraucher, große und kleine Schokoladenfreunde in Deutschland, könnten aber etwas tun appelliert Evelyn Bahn:

Kampagne "Make Chocolate fair": Beim Kauf auf Zertifikate achten

"Inkota und die Kampagne 'Make Chocolate fair!', wir empfehlen KundInnen, wenn sie Schokolade kaufen, sollten sie darauf achten, dass sie zertifiziert sind. Es gibt drei große Zertifizierungssiegel auf dem Markt: das ist Fairtrade, UTZ und Rainforest Alliance. Nur Fairtrade garantiert tatsächlich einen Mindestpreis für den Kakaobauern. Wir sagen aber KonsumentInnen auch: Ihr habt bestimmt Eure Lieblingsschokolade, und vielleicht ist die noch nicht zertifiziert, also richtet Euch an das Schokoladenunternehmen und fordert ein, dass die Arbeitsbedingungen für die Kakaobauern verbessert werden."

Boykott von Kakao und Schokoladenprodukten sei keine gute Idee, so Evelyn Bahn. Damit tue man den Kakaobauern keinen Gefallen. Unter makechocolatefair.org läuft jedoch eine Unterschriftensammlung, die 100.000 Unterstützer sammeln und so die Schokoladenindustrie unter Druck setzen möchte. Auch in Estland, Tschechien und Österreich protestieren heute Weihnachtsmänner für faire Schokolade, weitere 12 Länder sollen folgen. Die Passanten in Berlin reagierten auf den Weihnachtsmännerstreik für faire Schokolade positiv. So wie dieses ältere Ehepaar:

"Ich denke schon, als Nahrungsmittel ist die Schokolade bei uns verdammt billig, wenn ich das mit früher vergleiche, da hat eine Tafel in meiner Jugendzeit 1,30 gekostet und jetzt ist sie billiger."

Die Erzeuger kriegen immer zu wenig, auch hier in Deutschland, nicht nur die in Südamerika oder Mittelamerika, also insofern ist die Aktion berechtigt, natürlich! Ganz klar. Nur: Die Masse der Produkte wird man so nicht herbringen können, aber ein kleiner Teil, vielleicht ein etwas steigender Teil – warum nicht!?

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