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StartseiteKulturfragen„Brexit war enorm rassistische Entscheidung“20.01.2019

Falk Richter über Theater und Politik„Brexit war enorm rassistische Entscheidung“

Der Dramatiker, Regisseur und Übersetzer Falk Richter bringt seit zwanzig Jahren aktuelle Themen der Gegenwart auf die Bühne in Stücken wie: „Gott ist ein DJ“, „Trust“ oder „Fear“. Es gehe vor allem darum, „die Komplexität der Welt, in der wir gegenwärtig leben, zu akzeptieren“, sagt Falk Richter im Dlf.

Falk Richter im Gespräch mit Karin Fischer

Falk Richter während der Proben zu „I am Europe" am Théâtre national de Strasbourg. (Jean-Louis Fernandez, Théâtre national de Strasbourg)
Falk Richter während der Proben zu „I am Europe" in Straßburg (Jean-Louis Fernandez, Théâtre national de Strasbourg)
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Falk Richter versucht mit seiner Theaterarbeit Dinge weiter zu denken und sich auszumalen, wohin bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen führen können. Sein neuestes Stück: "I am Europe", das gerade in Straßburg aufgeführt wird, kann man als ein Statement angesichts von Europaskepsis und der aktuellen Brexit-Diskussion lesen. Richter hat für Recherchen zu diesem Stück junge Schauspieler mit sehr vielschichtigen europäischen Herkunftsgeschichten nach ihren Konzepten von Heimat, Familie, Religion und Gemeinschaft befragt.

"Das sind alles Menschen, die entweder einen Migrationshintergrund haben oder in mehreren europäischen Ländern gleichzeitig zu Hause sind, die mehrere Pässe haben, die also eine komplexe Biographie leben und letztlich auch grenzüberschreitend leben. Solche Menschen lassen sich nicht auf eine Nation beschränken und würden gar nicht in diesen neuen Kategorien des Nationalismus leben und überleben können."

Durch ihre Komplexität sei unsere Welt allerdings auch sehr anfällig und bringe eine Vielzahl von Unsicherheiten mit sich, glaubt Richter. Soziale Unterschiede gerade in der jungen europäischen Generation führten dazu, dass Menschen anfälliger werden für die Ideen der sogenannten Neuen Rechten.

"Der Brexit ist auch eine enorm rassistische Entscheidung gewesen von Leuten, die glauben, wenn sie die Migranten aus Großbritannien rausschmeißen, werden sie wieder das große englische Reich zurückbekommen. Aber das sind alles so Fiktionen mit denen gerade gearbeitet wird, dass wenn man so eine reine Nation wieder schaffen wird, sich alle Probleme lösen werden."

Bündnis der Kulturszene gegen Rechts

Im November vergangenen Jahres haben sich landesweit Kulturschaffende zu einem Bündnis gegen "Rechts" zusammengeschlossen. Die Berliner "Erklärung der Vielen" ist eine Art Selbstverpflichtung von Kulturorganisationen, sich an der Verteidigung der offenen Gesellschaft zu beteiligen. Falk Richter setzte sich bereits 2015 in seinem Theaterstück: "Fear" kritisch mit dem Erstarken neuer rechtsnationaler Bewegungen in Deutschland auseinander und erhielt daraufhin Morddrohungen.  

"Das ist so ein Mittel der Neuen Rechten, dass die sofort Kritiker bedrohen. Das sind Tendenzen, wie es sie in Diktaturen gibt, wo Künstler ja immer darunter leiden, dass sie ihre Meinung nicht sagen dürfen, oder dass ihre Kunstwerke verboten werden, dass Theaterstück abgesetzt werden, weil sie Autoritäten nicht passen und die AfD hat die gleichen Bestrebungen. Es gibt da natürlich unterschiedliche Levels. Die Morddrohungen kommen nicht von den Bundestagsabgeordneten, aber von deren Anhängern, von Leuten, die sie wählen, die da begeistert mit denen mitmarschieren."

Falk Richter will sich von solchen Vorgängen nicht einschüchtern lassen, sondern vor allem weiter künstlerisch arbeiten. Sein Ziel sei es, bei den Zuschauern seines Theaters eine Haltung zu erwirken, es müsse nicht seine Haltung sein, aber es sei wichtig, dass sie überhaupt eine Haltung zu dem, was in der Gesellschaft passiere, entwickeln.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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