Samstag, 02. Juli 2022

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Fall Änis Ben-Hatira
"Ich kann keine Einsicht des Vereins erkennen"

Bundesligist SV Darmstadt 98 hat sich von Änis Ben-Hatira getrennt, weil der Mittelfeldspieler Werbung für die als Al-Kaida-nah geltende Organisation "Ansaar International" gemacht hat. Ein alarmierender Fall, findet der Journalist Volker Siefert, der die Hintergründe recherchiert hat. Er machte dem Verein und vor allem dessen Präsident Rüdiger Fritsch im DLF Vorwürfe.

Volker Siefert im Gespräch mit Astrid Rawohl | 28.01.2017

Porträts von Rüdiger Frisch und Änis Ben-Hatira.
Rüdiger Fritsch, Präsident des SV Darmstadt 98, und sein Ex-Mittelfeldspieler Änis Ben-Hatira. (dpa/picture alliance/Arne Dedert/Patrick Seeger/Montage Deutschlandradio)
"Fritsch hat das Problem nicht erkennen wollen oder können", so Siefert. Im Gegenteil: Er habe nach der Vertragsauflösung noch "nachgetreten": Denn in der Erklärung des Vereines heißt es, es gebe in dem Fall Leute, die sich "als Sieger fühlen werden". Damit meint Fritsch laut Siefert Fans, Medien und Politik, die Konsequenzen für Ben-Hatira gefordert hatten. "Sie werden von Fritsch als Sieger bezeichnet - als wäre es ein falscher Sieg." Einsicht könne er hier nicht erkennen.
Auch Ben-Hatira selbst zeige bisher kein Unrechtsbewusstsein. Seine Aussage, die Hilfe, die Ansaar leiste, sei wichtiger als ihre politische Ausrichtung, lässt Siefert nicht gelten: "Man muss den Komplex dahinter mitdenken. Es gibt immer eine politische Ebene, die kann man von der Hilfe nicht trennen."
Ansaar International sammelt beispielsweise Spenden für Hilfsprojekte im Gaza-Streifen. Gleichzeitig habe die Organisation aber eine Mission, so Siefert: "Für einen Islamismus, für Salafismus, der Demokratie ablehnt und einen Gottesstaat will." So habe man beispielsweise im Online-Shop von Ansaar ein Buch von Sven Lau kaufen können, der derzeit wegen Verbindungen zu einer syrischen Terrormiliz vor Gericht steht.
Das gesamte Gespräch können Sie mindestens sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.