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StartseiteCampus & KarriereFamilienklasse schult Schulschwänzer06.10.2011

Familienklasse schult Schulschwänzer

"Schulverweigerung - Die 2. Chance" in Bremen

Kontakt auf Augenhöhe ist die oberste Prämisse in der Familienklasse. Hier werden Schüler und Eltern mit einer Familientherapeutin im Bremen Stadtteil Walleauf Schule geschult. Die Schulschwänzern lernen vor allem auch respektvoller Umgang mit Erwachsenen und Mitschülern.

Von Godehard Weyerer

"Schulverweigerung - Die 2. Chance" in Bremen - ein Projekt des Bundesministerium für Bildung. (AP)
"Schulverweigerung - Die 2. Chance" in Bremen - ein Projekt des Bundesministerium für Bildung. (AP)
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Junge: "Ich kann alles."
Drümmer: "Das ist ja schrecklich. Was machen wir da. Kannst du schon die unregelmäßigen Verben."
Junge: "Nöö."

Nicht gerade begeistert ist der Zwölfjährige, als Doris Drümmer ihm noch eine Zusatzaufgabe gibt. Die Familientherapeutin leitet die sogenannte Familienklasse des Förderzentrums im Bremer Stadtteil Walle. Jeder Schüler hat einen Elternteil, Vater, Mutter oder Großeltern, mit in die Schule gebracht.

"Günstig ist es, dass wir die Schüler auffangen, bevor sie zu aktiven Schulvermeidern werden, also stundenweise schwänzen oder tageweise der Schule fernbleiben. Wir wollen so ein Frühwarnsystem haben an der Schule. Wenn schon Unpünktlichkeit vorhanden ist, dass das Arbeitsmaterial nicht da ist, keine Ordnung herrscht. Großer Teil hat auch Schwierigkeiten mit respektvollem Verhalten, wie ist der Umgangston Erwachsenen gegenüber und unter Mitschülern. Wir wollen die Schüler auffangen, bevor sie ganz der Schule fernbleiben."

Neun Kinder der Jahrgangsstufe sechs und sieben sind heute hochgekommen in den Textilraum der Schule. Wegen ihrer Verweigerungshaltung waren sie den Klassenlehrern aufgefallen. Nun bleiben sie vier Schulstunden hier oben im Dachgeschoss ihrer Schule zusammen. Eine Lehrkraft beaufsichtigt sie, Doris Drümmer, die Familientherapeutin, kümmert sich um die versammelten Eltern.

"Es ist ja so, wenn man seinen eigenen Problemen gegenübersteht, denkt man, nur ich habe das Problem und man hat so eine eingeengte Sichtweise und weiß gar nicht, was ich machen soll. Aber wenn ich auf das gleiche Problem bei einer anderen Person schaue, dann ist mir sofort klar, was diese Person tun könnte und müsste. So können sich die Familien hier gegenseitig helfen."

Die Sicht der Eltern:

"Marius war faul, ehrlich gesagt. Er konnte sich nicht so auf den Unterricht konzentrieren, das lernt er jetzt hier, aber auch durch die Unterstützung der anderen Eltern, das muss man dazusagen."

"Man beobachtet die anderen Kinder und kann auch positives Feedback geben. Man selber sieht seine Kinder anders als andere Eltern. Da kommen ganz gute Sachen raus."

"Man achtet auch mehr drauf. Am Anfang steigt man selber gar nicht durch, wenn die auf eine neue Schule kommen. Jetzt achtet man mehr drauf, kontrolliert mehr. Kinder arbeiten mehr. Man arbeitet besser zusammen."

Zwölf Mal kommen in der Regel die Kinder in die Familienklasse. Wichtig, so Doris Drümmer, sei es, den Kontakt auf Augenhöhe zwischen Schule und Eltern zu knüpfen. Allzu häufig stünden dem gegenseitige Schuldzuweisungen und Berührungsängste im Weg. Und allzu schnell geht das zulasten der Schüler, die rasch merken, wie sie Elternhaus und Schule gegeneinander ausspielen können.

Arabische Mutter: "Jetzt sind wir das sechste Mal hier, es ist gut für unser Kind. Mein Sohn ist auch besser geworden. Er hat sich nicht um Hausaufgaben gekümmert, nicht an Hausaufgaben gedacht, kommt nach Hause und rennt gleich wieder aus. Aber jetzt ist es viel besser geworden als früher."

Am Schluss der vierten Stunde wird es ein wenig lebhaft im Klassenraum. Die Aufgaben sind gemacht - oft schneller als die Lehrer vermuten. Die Kinder spielen Bingo - ein Mathematikspiel, das das große Einmaleins trainiert.

"Mache regelmäßig meine Hausaufgaben, hab auch alle meine Sachen dabei. Und wenn mein Vater hier ist, kann ich mich auch mehr konzentrieren, also der hilft mir jetzt mehr, wenn der hierher kommt, hilft ihm das auch."

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