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StartseiteHintergrundWie eine Bad Bank arbeitet12.09.2019

Faule PapiereWie eine Bad Bank arbeitet

Geldinstitute schonen ihre Bilanz, indem sie vom Ausfall bedrohte Wertpapiere oder Kredite an Bad Banks weiterreichen. Diese versuchen, die toxischen Papiere später an risikofreudige Investoren zu verkaufen. Vom Staat gibt's Rückendeckung: Der Bund steckte seit 2008 Milliarden Steuergelder in Bad Banks.

Von Brigitte Scholtes

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Ausschnitt eines runden Schreibtisches auf dem Parkett der Frankfurter Börse: Vier Händler starren auf Computerbildschirme, jeder hat vier an seinem Arbeitsplatz. (dpa picture alliance/ dpa Themendienst/ Frank Rumpenhorst)
Die Folgen von 2008 nach wie vor spürbar (dpa picture alliance/ dpa Themendienst/ Frank Rumpenhorst)
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Mit Spannung haben viele Zuschauer Anfang des letzten Jahres die ZDF-Serie "Bad Banks" verfolgt, in der es um Gier, Betrug, Zockereien, Insiderhandel ging – Verhalten, das Auslöser für die große Finanzkrise war. Die hielt die Welt vor gut zehn Jahren in Atem. Ein Höhepunkt: Die Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008.

Ein verzweifelter Händler auf der Warenterminbörse (NYMEX) am 16. September 2008 in New York nach der Pleite von Lehman Brothers.  (picture alliance/dpa/Seth Wenig)Ein Händler auf der Warenterminbörse (NYMEX) am 16. September 2008 in New York nach der Pleite von Lehman Brothers. (picture alliance/dpa/Seth Wenig)

Aber wer hat schon von der Ersten Abwicklungs-anstalt oder der FMS Wertmanagement gehört? Diese Institute sind das, was man im technischen Sinn "Bad Banks" nennt. Jan Pieter Krahnen, Inhaber des Lehrstuhls für Kreditwirtschaft und Finanzierung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, erklärt diesen Fachbegriff aus der Bankenwelt:

"Eine Bad Bank ist eigentlich der Versuch, eine in Problemlage geratene Bank dadurch zu stabilisieren, dass man deren schlechte Geschäfte aussondert in ein eigenes, neues Institut, und den Rest übrigbehält, mit dem man dann hofft, weiter profitabel und stabil arbeiten zu können." 

Der "Giftmüll" der Bank wurde ausgelagert

In Deutschland wurde dieses Konzept einem breiteren Publikum bekannt, als einige deutsche Kreditinstitute in der Finanzkrise in Schieflage gerieten. Die Westdeutsche Landesbank, kurz WestLB, ist eine davon. Wegen ihr wurde eigens das "Bad-Bank"-Gesetz geschaffen. Sie lagerte ihre notleidenden Kredite und ihren "Giftmüll" im Dezember 2009 in die "Erste Abwicklungsanstalt", kurz EAA, aus. 

Lange hatte man zum Jahreswechsel 2008/2009 diskutiert, ob man alle Banken in die Pflicht nehmen sollte oder nur einzelne Institute. Josef Ackermann, damals Chef der Deutschen Bank, hatte Anfang 2009 dazu eine klare Meinung:

"Ich bin nicht für eine nationale Bad Bank, weil, glaube ich, die Größenordnung alles sprengen würde, auch politisch nicht darstellbar wäre. Ich bin für dezentrale Lösungen, so wie es, glaube ich, jetzt auch angedacht ist."

Auch freigesprochen: Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann  (picture alliance/dpa/Sven Hoppe)Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann (picture alliance/dpa/Sven Hoppe)

Toxische Wertpapiere bei WestLB und Hypo Real Estate

Das kam dann auch so – und die Erste Abwicklungsanstalt der WestLB galt als eine Art Pilotprojekt für andere Banken, deren Bilanzen ebenfalls von toxischen Wertpapieren belastet waren. So war der Bund Anfang Oktober 2009 auch bei der Immobilienbank eingestiegen, nachdem diese ebenfalls in Schieflage geraten war. Deren schlechte Geschäfte – Immobilienkredite und Staatsfinanzierung etwa – wurden in die FMS Wertmanagement ausgelagert. Warum, das erläuterte Jörg Asmussen, damals Staatssekretär im Bundesfinanzministerium so:

"Wir gründen und aktivieren die Bad Bank. Wir sind mitten in dieser Phase, diese Transaktion durchzuführen. Diese soll am 30.9. abgeschlossen werden. Das ist eine zentrale Voraussetzung für die Stabilisierung der Bank und damit auch für die Stabilisierung des gesamten deutschen und europäischen Finanzmarktes."

Die Zentrale der Hypo Real Estate (HRE) in Unterschleißheim bei München (Oberbayern) am 25.03.2010.  (dpa / picture-alliance / Andreas Gebert)Hypo Real Estate: der Bund war Anfang Oktober 2009 auch bei der Immobilienbank eingestiegen, nachdem diese nach der WestLB in Schieflage geraten war (dpa / picture-alliance / Andreas Gebert)

"Man kann Banken nicht einfach kollabieren lassen"

Bad Banks zu schaffen, das war ein sinnvoller Schritt, meint auch der unabhängige Bankenanalyst Dieter Hein im Rückblick: 

"Das war notwendig, denn man kann Banken nicht einfach kollabieren lassen, weil Banken Kreditgeber sind und zwar in einem sehr hohen Volumen an die Wirtschaft. Und noch wichtiger: Sie haben kaum Eigenkapital, dass heißt, sie refinanzieren sich, sie borgen sich selber Geld und verleihen es weiter. Das ist eigentlich das Geschäftsmodell. Sie verleihen weniger eigenes Geld. Und wenn eine Bank kollabieren würde ungeordnet, heißt das, dass dann die Kreditgeber an die Bank ihr Geld auch nicht bekommen." 

Die Idee: Die Auslagerung des vermeintlichen Wertpapiermülls und fauler Kredite in eine Bad Bank. Ein separates Institut also, soll die Kernbank von diesen Risiken abschirmen und ihr den Neuanfang erleichtern. Diese Abwicklungsinstitute versuchen die schwierigen Papiere nach und nach an risikofreudige Investoren zu verkaufen oder lange genug zu halten, bis sie sich vielleicht wieder erholen. Ein Konzept, das auch ganz gut funktioniert hat in den letzten Jahren. So berichtet Matthias Wargers, Vorstandschef der EAA, über das vergangene Jahr in einem Video auf der hauseigenen Homepage: 

"Wir sind auch im vergangenen Jahr bei der Lösung unserer Aufgabe gut vorangekommen. Die Bestände an Krediten und Wertpapieren konnten um knapp fünf Milliarden reduziert werden. Kumuliert sind die Gesamtengagements nunmehr zu knapp 90 Prozent verwertet."

Kredite, Wertpapiere, Derivate und Beteiligungen der West LB im Volumen von etwa 200 Milliarden Euro sind seit 2009 in die EAA ausgelagert worden. Seit sieben Jahren erwirtschaftet die Bank mit ihrer Arbeit sogar Gewinn. Auch die FMS Wertmanagement, die Abwicklungsanstalt der Hypo Real Estate also, hat in den vergangenen Jahren ertragreich gearbeitet. Wie konnte das gelingen? Günter Borgel, Chef der FMSA, der staatlichen Aufsicht über die beiden Abwicklungsanstalten in Düsseldorf und München, relativiert das – schließlich fanden sich bei beiden auch Anleihen aus Griechenland im Portfolio.

"Die schreiben Gewinne, aber es gab auch Jahre, wo keine Gewinne geschrieben worden sind im Anfang. Da sind hohe Wertberichtigungen angefallen, insbesondere der Schuldenschnitt in Griechenland hat fast neun Milliarden in München gekostet und hat auch hohe Summen in Düsseldorf gekostet. Diese Aktiva, die damals übertragen worden sind, waren nicht alle auf die Dauer gesehen "bad", also schlecht, sondern die Konjunktur hat uns da auch wirklich geholfen. Wir haben ja einen Aufschwung in Deutschland jetzt über Jahre erlebt, der ja auch weltweit dazu geführt hat, dass auch das ein oder andere Aktiva sich wieder erholt hat und Zinsen abwirft, die jetzt natürlich dann bei einer entsprechend günstigen Refinanzierung, die beide Abwicklungsanstalten haben, dazu führen, dass Überschüsse erzielt werden."

Bund steckte Milliarden Steuergelder in Bad Banks

Schaut man sich jedoch die Gesamtbilanz an, so hat der Bund bisher seit der Finanzkrise trotz der erfreulichen Entwicklung Geld in die staatlichen Bad Banks gesteckt. Das summiere sich bisher auf eine Milliarde Euro an Steuergeld bei der EAA und neun Milliarden Euro bei der FMS Wertmanagement. Die Schlussbilanz kann da noch ganz anders aussehen. So hatte etwa die Münchner FMS WM, also FMS Wertmanagement 2014 die frühere irische Tochter der Hypo Real Estate, die Depfa, übernommen. Die könnte jetzt sogar verkauft werden – wohl mit Gewinn, hofft Borgel:

"Insofern muss man sagen heute, dass dieses Geschäft sehr vorteilhaft für uns war, dass das übertragen worden ist auf die FMS WM. Und wir wollen aber diese Depfa möglichst bald abgewickelt haben. Da gibt es zwei Möglichkeiten: entweder wir verkaufen oder wir wickeln selber ab. Und jetzt werden wir im nächsten Jahr noch mal einen Verkaufsversuch machen. Wenn die Preise stimmen, die geboten werden, wenn wir verkaufen. Aber das muss sich natürlich messen lassen an dem Abwicklungserfolg, der theoretisch, wenn wir das selber behalten, dagegensteht."

Ein Grund für diese positive Entwicklung ist sicher auch die Rückendeckung des Staates für solche Bad Banks, meint Christoph Schalast, Professor für Fusionen und Übernahmen an der Frankfurt School of Finance and Management. 

"Der Vorteil ist aber gerade, wenn sie eine öffentliche oder öffentlich-rechtliche Bad Bank gründen, die letztendlich dann vom Staat gestützt wird, dass dieser sie in der Regel mit einer Bürgschaft ausstattet, und ihr damit die Möglichkeit gibt, entsprechend zu operieren und die Forderungen, die sie auf ihren Büchern dann hat, abzuwickeln."

Die Refinanzierung für solche Institute ist also erheblich günstiger, und die Abwicklung muss dann wegen der staatlichen Rückendeckung nicht übereilt geschehen. Der Faktor Zeit spielt also eine Rolle für den Erfolg, erklärt Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der Universität Darmstadt:

"Die mussten zum Teil nur warten, dass sich der Markt allgemein wieder ein bisschen aufhellt. Und da war es auch nicht so furchtbar schwierig, diese Vermögensgegenstände zu veräußern. Aber man hat sich von vornherein lange Zeitfenster gesetzt. Beispielsweise bei der EAA ist der zeitliche Horizont bis zum Jahr 2027 gesetzt. Da sieht man also: das war schon von vornherein geplant, dass das sehr lange dauert."

Der Vorläufer: bankinterne Abwicklungszentren

Solche Papiere wollen aber auch andere Banken gern loswerden, und das gilt nicht nur nach einer Finanzkrise. Deshalb gab es "Bad Banks" auch schon davor. Das Modell wurde in den USA in den 1980er Jahren entwickelt, dann auch in Schweden und anderen Ländern angewandt. Neben der staatlich gestützten Bad Bank gibt es aber auch ein anderes Modell, erklärt Bankenexperte Schalast: 

"Das ist quasi eine interne Einheit innerhalb einer Bank, die nichts anderes tut als eben problembehaftete, underperforming oder nonperforming, Kredite abzuwickeln. Das wurde erstmals in Deutschland bekannt bei der Dresdner Bank. Das war die so genannte "internal restructuring unit", und diese hat in den 2000er Jahren sehr erfolgreich große Portfolien innerhalb der Dresdner Bank abgebaut, war aber weiterhin ein Teil der Dresdner Bank, das heißt, war also weiterhin auf der Bilanz der Dresdner Bank konsolidiert, und die Forderungen mussten auch weiterhin entsprechend mit Eigenkapital unterlegt werden. Und diese internen Bad Banks sollte man auch nicht als Bad Banks bezeichnen. Das sind eigentlich wirklich eher Abwicklungszentren, die innerhalb einer Bank gegründet werden, Know- How Zentren oder Kompetenzzentren."

Im Mai 2009 verschmolz die Dresdner Bank AG mit der Commerzbank AG, die 100 Prozent der Anteile hält. ( picture alliance/Winfried Rothermel)Der Schriftzug der Dresdner Bank mit Commerzbank- Logo in Dresden. Die Dresdner verschmolz im Mai 2009 mit der Commerzbank AG. ( picture alliance/Winfried Rothermel)

Vom Versuch, noch Geld zu verdienen

Diese Know-How-Zentren versuchen, mit non performing loans, also notleidenden Krediten, noch Geld zu verdienen. "Notleidend" ist dabei ein weiterer Begriff, der noch nicht fest definiert ist. So werden auch schon Kredite, bei denen der Kreditnehmer mit seinen Zahlungen noch nicht lange, bis zu 90 Tage, in Verzug ist, gelegentlich schon als "notleidend" bezeichnet. Das bedeutet aber nicht, dass sie ausfallen müssen. Vielmehr können sich die Umfeldbedingungen auch wieder ändern, erklärt Jan Pieter Krahnen von der Universität Frankfurt am Main am Beispiel der Schiffskredite.

"Wir wissen, dass die Wertigkeit eines Schiffskredits sehr stark an den Mietpreisen für Frachtraum liegt. Das ist ein Weltmarktpreis, und wenn die Konjunktur und die Handelsaktivitäten hochgehen, dann gehen die Preise auch hoch, und Kredite, die man irgendwann mal ausgelegt hat, werden gut bedient und zurückgezahlt. Wenn die Frachtraten fallen, ist das Gegenteil der Fall. Das ist so ein bisschen wie der Ölpreis, so ein Weltpreis, und wer heute ein Schiffsportfolio kauft, der wird das sozusagen nur zu einem sehr geringen Preis tun. Sollten sich die Frachtraten aber erhöhen, wird er vielleicht doch die volle Rückzahlung der Kredite erleben und damit einen sehr guten Profit machen."

Wenn "non performing loans" wieder performen

So hatte die Commerzbank etwa ihr Schiffsportfolio in eine Abwicklungseinheit ausgelagert. Vor wenigen Monaten wurde diese Einheit geschlossen, weil nur noch wenige Kredite übriggeblieben waren. Ähnliche Probleme haben während der Finanzkrise etwa die Hypothekenkredite verursacht: Die hatten ja einige Banken, in Deutschland vor allem die Hypo Real Estate, ins Schlingern gebracht. Doch der Markt hat sich verändert, erklärt Bankenexperte Schalast von der Frankfurt School of Finance and Management.

"Es gab ja eine Zeit, so 2007, 2008, wo man gedacht hat, große Gewerbegebiete außerhalb von B- und C-Zentren könnten sich nie wieder entwickeln. Das ist aber geschehen. Das heißt also: die Märkte verändern sich, sie sind ja auch sehr dynamisch, und gerade im Bereich Immobilien, die ja immer ein besonderer Anteil von "non performing loans" waren, hat sich eine sehr positive Entwicklung in den letzten Jahren entwickelt, dass heißt, wir haben hier also viele non performing loans gesehen, wie daraus performing loans wurden."

Internationale Teams zur Bewertung

Aus notleidenden Krediten wurden also wieder solche mit pünktlichen Zinszahlungen.
Nicht immer aber reicht es, einfach auf ein besseres Marktumfeld zu hoffen. Manche Finanzierungen sind sehr komplex, erläutert Bankenexperte Dirk Schiereck, Professor der Technischen Universität Darmstadt: 

"Dann müssen dann die Informationen über die Immobilie zusammengetragen werden, dann müssen die Informationen aus dem Kreditvertrag zusammengetragen werden, um eine Bewertung vorzunehmen. Und dann stellt sich natürlich auch die Frage, nach welchem Recht, in welcher Vertragsform so ein Kredit dann von einer Bank an eine andere abgetreten werden kann. Das ist ein sowohl finanzierungstheoretisch als auch von der juristischen Seite her überaus anspruchsvoller Prozess. Das kann nicht jeder Bankmitarbeiter mit einer abgeschlossenen Lehre, sondern da brauchen Sie sehr viel auch internationale Kompetenz im Team. Das haben nicht so furchtbar viele Banken, und dem entsprechend zieht man Kompetenzen in Einheiten wie Bad Banks zusammen, die genau auf solche Bereiche spezialisiert sind."

Die Hochhäuser und Bankentürme bilden die Skyline von Frankfurt am Main. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)Nicht nur Bad Banks oder interne Abwicklungseinheiten der Banken, sondern auch Externe wie Kreditankäufer, Servicegesellschaften, kleinere Inkassofirmen und große Finanzinvestoren wie Lone Star kümmern sich um notleidende Kredite. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)

Nicht immer erledigen die Bad Banks oder die internen Abwicklungseinheiten dieses Geschäft selbst. Daran sind auch externe Spezialisten interessiert, Kreditankäufer und Service-gesellschaften. Dazu gehören kleinere Inkassofirmen, aber auch große internationale Finanzinvestoren wie etwa Lone Star. 26 von ihnen haben sich in der BKS, der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing zusammengeschlossen. Deren Aufgabe beschreibt BKS- Präsident Jürgen Sonder:

"Unser Vorteil, den wir glauben gegenüber der Industrie und gegenüber der Kreditwirtschaft zu erbringen, ist Effizienz, Reduzierung von Verwaltungskosten und auch den Vorteil, schneller in den so genannten Verwertungsprozess, wir nennen ihn "Recovery"-Prozess, überführen zu können. Das ist schlicht und einfach die Spezialisierung für die Banken, Bearbeitung von notleidenden Krediten durch Investoren und Servicer."

Es ist nicht nur die Spezialisierung solcher Firmen, meint jedoch die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel von der Universität Bonn.

"Wenn die also von einer Bank notleidende Kredite aufkauft, dann bezahlt sie dafür typischerweise einen relativ geringen Preis und hat dann den Vorteil, dass sie eben als externe Institution es eigentlich leichter hat, diese Kredite einzutreiben, weil sie ja nicht durch die alte Kundenbindung beschränkt ist, sondern härter durchgreifen kann. Man muss ja sehen, die Bank, die diese notleidenden Kredite hat, die hat ja wirklich eine langjährige Kundenbindung. Dann fällt es relativ schwer, diese Forderung hart durchzusetzen."

Schneller Recovery-Prozess mittels künstlicher Intelligenz

Wie die Kreditaufkäufer dann vorgehen, das beschreibt BKS-Präsident Sonder so: 

"Wir versuchen dann, über einen neuen Ansatz, über die Beratung, Überprüfung Kreditfähigkeit, -würdigkeit zu schauen, wie wir diese Forderungen realisieren können, schauen uns die Sicherheiten an, sind keine Sicherheiten da, und werden dann mit dem Kunden der Bank versuchen, Zahlungsmodalitäten zu vereinbaren, sehr schnell, effektiv mit dem Einsatz eventuell künstlicher Intelligenz, dass wir auch sehr schnell erkennen können: Ist der Kunde zahlungsfähig? Wie ist er zahlungsfähig? Würden wir ihm Alternativen anbieten? Und da glaube ich einfach, dass wir als Spezialist etwas stärker, effektiver, effizienter sind, direkt nah am Kunden der Bank dran, und da den Recovery- Prozess dann doch schneller zu realisieren."

Gewinnchancen durch niedrige Zinsen

Der Doppelturm der EZB in Frankfurt (picture alliance / dpa / Arne Dedert)Der Doppelturm der EZB in Frankfurt: Käufer von problembehafteten Papieren hilft das aktuell niedrige Zinsumfeld (picture alliance / dpa / Arne Dedert)

Wenn die Investoren solche problembehafteten Papiere aufkaufen – zu einem Preis unter dem Nominalwert - dann hilft ihnen auch das aktuelle Zinsumfeld, erklärt Bankenexperte Schalast: 

"Angesichts des sehr billigen Geldes zurzeit können solche Transaktionen auch mit einem nicht unerheblichen Anteil von Fremdkapital durchgeführt werden, was ja sehr billig zurzeit zu haben ist. Und dadurch ergibt sich da auch eine nicht unerhebliche Gewinnchance für die Erwerber."

Hot-Spots: "Italien ist ein ganz großes Risiko"

So hart die Auswirkungen dieser Arbeit manchem säumigen Schuldner erscheint – ob groß oder klein – für die Bankenbranche ist sie wichtig. So wichtig, dass auch die EZB-Bankenaufsicht vor zweieinhalb Jahren einen Leitfaden zur Behandlung notleidender Kredite erarbeitet hat. Die EU-Kommission hat im vergangenen Jahr einen Richtlinienentwurf dazu erstellt. Der soll helfen, die Beitreibung von Forderungen effizienter zu gestalten. Denn wenn notleidende Kredite zu lange in den Bilanzen der Banken verbleiben, müssen sie dafür Eigenkapital vorhalten, Geld, das ihnen dann fehlt, um neue Kredite zu vergeben. Deshalb sei ein gut entwickelter Sekundärmarkt wichtig, meinen die Regulatoren. Das sei nachvollziehbar, sagt Bankenexperte Schalast:

"Die Hot Spots bleiben Südeuropa, d.h. vor allem Italien. Italien ist ein ganz großes Risiko, und hier muss einfach der Abbau von notleidenden Krediten viel, viel schneller erfolgen als bisher. Wir haben das in Deutschland auch schon mal durchgemacht, Japan hat das durch gemacht, sehr erfolgreich auch Schweden, die große Probleme damit hatten. Das ist bewältigbar."

Erfahrungen der Deutschen Bank mit dem Wertpapiergeschäft

Deutsche-Bank-Hochhaus in Fankfurt am Main (dpa)Deutsche-Bank-Hochhaus in Fankfurt am Main (dpa)

Dass das System auch weiter funktioniert, darauf hofft auch die Deutsche Bank. Die richtet ja ihre Strategie neu aus, will sich verschlanken, vor allem im Investmentbanking. Und deshalb lagert sie Wertpapiere, die sie nicht mehr zum Kerngeschäft zählt, ebenfalls in eine eigene Abwicklungseinheit aus. Das hatte sie schon einmal nach der Finanzkrise getan, doch das habe ihr vor allem eines gebracht, sagt Bankenanalyst Dieter Hein:

"Hohe Verluste. Bei der Deutschen Bank hieß die Einheit NCOU. Man hat diese Einheit Ende 2016 aufgelöst, und man hat eben Daten über diese Geschäfte von 2011 bis 2016. Und die Abwicklung in diesem Zeitraum hat die Bank einen Verlust von rund 17 Milliarden vor Steuern gekostet. Das ist sehr teuer. Und das ist bei anderen auch nicht anders. Mit Gewinn habe ich noch keine raus gehen sehen aus diesen Bereichen."

Die Deutsche Bank hofft, dass sie in Zukunft die Portfolien, die für sie nicht mehr zum Kerngeschäft zählen, gut verwerten kann. Das kann gelingen, ist aber nicht garantiert, glaubt Schiereck:

"Wenn diese Vermögensgegenstände der Deutschen Bank für andere Banken attraktiv sind, sollten die auch zu guten Preisen zu veräußern sein. Andererseits haben wir jetzt das Problem: die Konjunkturaussichten sind eher negativ, und es stellt sich die Frage, möchten Banken sich jetzt überhaupt mit zusätzlichen Assets belasten oder möchte man verstärkt Liquidität vorhalten, um sich für schlechte Zeiten zu rüsten? Das wäre jetzt ein Punkt, wo man sagen würde, der Verkauf in nächster Zeit könnte eher schwierig werden."

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