Freitag, 09. Dezember 2022

Ukrainische Geflüchtete im Vereinssport
"Wir erleben großes Engagement und große Offenheit"

Das Projekt "Integration durch Sport" gibt es seit 30 Jahren, doch in der Ukraine-Krise ist es so aktuell wie nie. Denn ein Verein sei ein Ort, der für jeden zugänglich sein soll, sagte Felix Kuhaupt vom LSB Rheinland-Pfalz. Er beobachtet großes Interesse von Geflüchteten, aber auch von Vereinen.

Felix Kuhaupt im Gespräch mit Marina Schweizer | 06.06.2022

Ein Kind balanciert auf einer Bank, im Hintergrund hangeln andere Kinder während des Kinderturnens an Seilen.
Die Coronakrise wird für Vereine und Verbände zum Balanceakt: Ohne Veranstaltungen und Sponsoren wird das Geld knapp. (imago / Joker / Petra Steuer)
Felix Kuhaupt ist der Ansprechpartner im Landessportbund Rheinland-Pfalz, wenn es um Integration im Sport geht. Vereine können sich etwa mit praktischen Fragen zum Versicherungsschutz oder zum ausländerrechtlichen Status an den Landessportbund wenden. Dieser bietet eine Beratung oder vermittelt Ansprechpartner für die Vereine.
Die Sportstrukturen seien gut - mit einer flächendeckenden Vereinslandschaft überall, betonte Kuhaupt. "Auch in den kleinen Ortschaften, wo die Menschen ankommen, ist ein Sportverein zu finden. Eigentlich kann jeder an dem Angebot teilhaben, die Vereine sind auch sehr offen." Die Sprache sei eine der größten Hürden. Das Wichtigste sei aber, zueinander zu finden.
Der Landessportbund hat ihren Sportguide für Geflüchtete auf Ukrainisch übersetzen lassen. "Wie ist ein Verein aufgebaut? Was ist Ehrenamt? Wer sind die Leute, die im Verein das Angebot machen? Was ist das für ein Konstrukt, in das man sich hinein begibt?" Außerdem gibt es ein FAQ mit den häufig gestellten Fragen rund um Maßnahmen und Hilfsprojekte im Kontext von geflüchteten Menschen im Sport.

Unterschiede zu 2015/16

Bei der Flüchtlingssituation 2015/2016 waren viele Geflüchtete in Unterkünften untergebracht, dorthin konnte man sich als Sportverein ganz punktuell wenden. Jetzt verteilt es sich. "Viele Menschen haben ihre privaten Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Anfragen im Integrationsministerium sind ins Leere gelaufen, weil gesagt wurde, wir müssen warten, bis die Kommunen uns melden, wer bei ihnen sich registriert hat", berichtet Kuhaupt.
Die Hilfe vor Ort sei natürlich immer abhängig von den Menschen vor Ort. "Der Verein als solches definiert sich als Ort, der zugänglich für jeden sein soll. Da ist die Initiative der Menschen gefragt. Da erleben wir sehr viel Engagement und sehr große Offenheit."
Als ein Beispiel nannte Kuhaupt einen Verein aus Mainz, der frühzeitig sein Angebot mit Flyern auf ukrainischer Sprache beworben hat damit offensiv auf die Menschen zugegangen ist. Aber nicht nur zum Sporttreiben kommen Ukrainer und Ukrainerinnen in die Vereine: In einem kleinen Turnverein in Wallertheim bietet eine ukrainische Übungsleiterin Rhythmische Sportgymnastik an - ein Angebot, das es 20 Jahre nicht mehr gegeben hat, weil es niemand unterrichten konnte.