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StartseiteKulturfragen"Nicht in Diskussionen um politisch korrekte Sprache verharren"09.04.2017

Feminismus"Nicht in Diskussionen um politisch korrekte Sprache verharren"

Die Journalistin Elisabeth Raether fordert eine differenziertere Auseinandersetzung mit dem Feminismus. Sie sagte im DLF, feministisch zu sein, sei für bestimmte Milieus der Mittelschicht zu einem Statussymbol geworden. Der Feminismus müsse jedoch mit Leben gefüllt werden, ansonsten werde der Begriff "total hohl und unglaubwürdig".

Elisabeth Raether im Gespräch mit Anja Reinhardt

New York City: Tausende Menschen marschieren durch die Straßen, um den internationalen Frauentag zu feiern. (Imago/Pacific Press Agency)
Feiern in New York zum internationalen Frauentag am 8. März 2017. (Imago/Pacific Press Agency)
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Die Journalistin sagte, zwar sei es nicht schlimm, dass der Feminismus ein Statussymbol - wie etwa "bio" oder wenig Fleisch zu essen - geworden sei. Aber man dürfe nicht etwa in Diskussionen um politisch korrekte Sprache verharren, sondern müsse den Begriff mit Leben füllen.

Raether brachte gemeinsam mit Jana Hensel 2008 das Buch "Neue Deutsche Mädchen" heraus, in dem sie auch die bekannteste deutsche Feministin Alice Schwarzer kritisiert. Raether sagte, beim Feminismus handele es sich um eine vielfältige Bewegung. "Es ist Blödsinn, wenn sich eine da an die Spitze stellt", sagte sie in Richtung Schwarzer.

Rechte Parteien als Feind des Feminismus

Raether sieht in rechten Parteien einen Feind des Feminismus. Raether sagte, Feminismus sorge dafür, dass jeder in seinem eigenen Dasein tun könne, was er möchte. Genau das wollten Parteien wie die AfD in Deutschland oder der Front National in Frankreich aber wieder abschaffen.

Es sei für den Front National praktisch, dass er mit Marine Le Pen eine modern und harmlos wirkende Frau an der Spitze habe - ähnliches gelte für die AfD mit Frauke Petry. Jedoch gehen laut Raether Antifeminismus und rechtes Denken einher, bei dem Frauen auf bestimmte Rollen festgelegt werden. Es bestehe die Gefahr, dass bereits vorhandene Errungenschaften der Gleichberechtigung wieder rückgängig gemacht würden.

Es sei der roter Faden des Patriarchats, dass Frauen immer die ersten Adressaten von Moral seien, die Regeln beachten müssen, wie zum Beispiel die Jungfräulichkeit bis zur Ehe zu wahren oder wenig Alkohol zu trinken.

Das vollständige Gespräch mit Elisabeth Raether können Sie nach der Sendung sechs Monate nachhören.

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