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StartseiteKultur heuteFarzanefar: Politische Rolle der Frau im Iran wird unterschätzt28.11.2019

Filmfestival zu 40 Jahre iranische RevolutionFarzanefar: Politische Rolle der Frau im Iran wird unterschätzt

Martialisch aussehende Männer prägen weltweit das Bild von der iranischen Revolution. 40 Jahre danach will eine Kölner Filmreihe neue Perspektiven aufzeigen. "Jede politische Bewegung im Iran wurde auch von starken Frauen vorangetrieben", sagte Amin Farzanefar, Kurator der Reihe, im Dlf.

Amin Farzanefar im Gespräch mit Maja Ellmenreich

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Iranische Demonstranten vor der US-Botschaft in Teheran rufen anti-amerikanische Slogans und halten ein Bild des Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Khomeini hoch  (picture-alliance / dpa)
Männliche Demonstranten prägen weltweit das Bild von der iranischen Revolution (picture-alliance / dpa)
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Der Iran gedenkt mit großen Aufmärschen der Ereignisse vor 40 Jahren. Damals wurde der Schah entmachtet - bis dahin ein Symbol absoluter Herrschaft. Eine Erdölnation entzog sich der Kontrolle des Westens. Notleidende Bauern, Arbeiter und ein unterdrücktes Bürgertum bildeten eine sozialrevolutionäre Bewegung von großer Schlagkraft. Und der politische Islam trat in Erscheinung.

Die Kölner Filmreihe "1979 - Revolution der Bilder" will der Erinnerung an das historische Ereignis weitere Perspektiven hinzufügen, wie der Kurator der Reihe, Amin Farzanefar, erklärte. Im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung im Iran und auch international existierten "sehr martialische Bilder" von der iranischen Revolution: Massenproteste tausender kämpferisch aussehender Männer.

Die Filmreihe fragt dagegen auch nach der Vorgeschichte: Wie hat sich die Revolution angebahnt? Welche Rolle spielte das Kino? Konnten sich Dissidenten dort artikulieren? Und immer wieder: Welche Rolle spielten die Frauen?

Große cineastische Werke

Laut Kurator Farzanefar haben Frauen im Iran nicht erst während der Revolution, sondern seit Beginn des 20. Jahrhunderts versucht, die herrschenden Bilder zu hinterfragen. Jede politische Bewegung im Iran sei seitdem von starken Frauen vorangetrieben worden. Eine Tatsache, die vor allem im Westen noch gar nicht zur Kenntnis genommen worden sei.

Einige Filme, die im Rahmen der Kölner Reihe gezeigt werden, könnten unser Bild von der Revolution 1979 und vom Iran überhaupt auf den Kopf stellen. Zu sehen seien auch große cineastische Werke, die jahrzehntelang nicht aufgeführt wurden oder nicht aufgeführt werden durften. Der Grat zwischen dem Erlaubten und der Zensur ist laut Farzanefar damals sehr schmal gewesen. Da habe ein Film als Vorbild für das iranische Kino gegolten, und ein zweiter, vergleichbarer Film lande wenig später für lange Zeit im Giftschrank der Zensur.

Kulturdialog in Zeiten verhärteter Fronten

Bei der Organisation der Kölner Filmreihe hatte der Kurator nach eigenen Angaben Schwierigkeiten aufgrund der Internetsperre und der restriktiver gewordenen Visa-Vergabe im Iran. Farzanefar setzt gerade in Zeiten verhärteter politischer Fronten wie diesen auf den Kulturdialog, der in der Regel von allen Seiten hochgehalten werde.

In Bezug auf die aktuellen Entwicklungen im Iran verwies der Kurator auf die schwierige Lage der Filmemacher dort. Immer wieder gerieten sie wegen kritischer Äußerungen unter Beschuss. Vor drei Wochen hätten sich 200 Filmemacher öffentlich über ihre Arbeitsbedingungen beschwert.

Und Farzanefar ist sich sicher: Beim Ansehen der Dokumentarfilme über die iranische Revolution, die im Rahmen der Kölner Filmreihe gezeigt werden, habe jeder Zuschauer auch die jüngsten Proteste im Iran im Kopf.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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