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StartseiteCampus & KarriereBafög nicht nur für Studierende18.07.2018

Finanzielle FörderungBafög nicht nur für Studierende

Schon seit zwei Jahren gibt es das Aufstiegs-Bafög, das früher noch als "Meister-Bafög" bekannt war. Inzwischen können nicht nur angehende Handwerksmeister die finanzielle Förderung beantragen. Noch ist die Möglichkeit kaum bekannt.

Von Melanie Weyand

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Eine Frau bearbeitet einen Holzbalken für ein Musterhaus, aufgenommen am 14.10.2016 auf der Landesbaumesse RoBau in Rostock. (dpa / Jens Büttner)
Auch Gesellen im Tischlerhandwerk können für ihre berufliche Weiterentwicklung Unterstützung beantragen (dpa / Jens Büttner)
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Patrick Siemering hat es geschafft. Der 23-Jährige aus Münster ist frischgebackener Tischler, hat gerade seine Gesellenprüfung in der Tasche. Für die Lossprechungsfeier in Ibbenbüren hat er sich schick gemacht. Wie es beruflich weitergeht, weiß er auch schon genau.

"Erst noch ein Jahr arbeiten und dann meinen Techniker machen. Der Holztechniker ist eine schulische Fortbildung, Vollzeit ist das über zwei Jahre, Teilzeit geht das ganze glaub ich dreieinhalb Jahre. Und ich würde mich dann um das Aufstiegs-Bafög bewerben und mit den Unterhaltszahlung und dem in dem einen Jahr erarbeiteten Geld das in zwei Jahren hinzubekommen."

Seine Ausbildung hat er in einem Möbelhaus in Nordwalde im Kreis Steinfurt gemacht. Nach dem Abitur hat er zunächst in Münster Chemie studiert, aber das war nichts für Ihn. Was mit den Händen, das ist viel mehr sein Ding. Und die staatliche Unterstützung für seine berufliche Weiterentwicklung findet Patrick Siemering nur fair.

"Das finde ich persönlich gut, dass das Bafög nicht nur für Studierende ist. Der Meister oder der Techniker, das ist auch nicht unbedingt billig, die ganzen Prüfungskosten und so. Deswegen finde ich das ziemlich gut, damit kann man halt ziemlich schnell gut durchstarten."

Bafög nicht mehr nur für angehende Meister

Inzwischen gibt es das Aufstiegs-Bafög seit zwei Jahren. Es hat nach 20 Jahren das Meister-Bafög abgelöst. Doch was sollte die Reform? Bundesbildungsministerin Anja Karliczek kommt aus Tecklenburg und ist daher auch zur Lossprechungsfeier der neuen Handwerksgesellen in ihrem Heimatkreis Steinfurt gekommen. Sie erklärt, dass vor allem der Personenkreis für die Förderung erweitert wurde, weil das Meister-Bafög zuletzt nicht so genutzt wurde wie gewünscht.

"Deswegen ist das Aufstiegs-Bafög weiterentwickelt worden, dass auch Bachelor-Absolventen ein Meister- oder ein Aufstiegs-Bafög bekommen können, dass auch Studienabbrecher ein Aufstiegs-Bafög bekommen können, wenn sie denn eine Weiterbildung machen, die dann in einen Beruf führt."

Im vergangenen Jahr haben 165.000 Menschen das Aufstiegs-Bafög genutzt. Das ist aber nur eine kleine Verbesserung. 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bildungsministerin Karliczek:

"Vielleicht wissen es auch zu wenig, dass wir strukturell was verändert haben. Wir müssen es auch noch mal mehr bewerben. Deswegen machen wir ja jetzt auch diese Infotour. Dass wir ganz klar sagen, es gibt für die berufliche Weiterbildung ein Konzept. Dass wir ganz klar auch Frauen mit Kindern ansprechen, die dann eben noch einen Zuschuss kriegen für Kinderbetreuung. Also wir haben das sehr speziell gemacht, dass jeder sich seine Förderung zusammenbauen kann."

Um für das Aufstiegs-Bafög zu werben, besucht ein Team des Bildungsministeriums Messen, Bestenehrungen und Lossprechungsfeiern in ganz Deutschland.

Immer noch Unterschiede zur Förderung des Studiums

Bis zu 15.000 Euro Unterstützung kann man für die berufliche Fortbildung zum Fachwirt, Techniker oder Erzieher dazubekommen. Das sind noch mal 5.000 Euro mehr als davor beim Meister-Bafög. 40 Prozent als Zuschuss, der Rest als günstiges Darlehen der KfW-Bank. Die Kreishandwerkerschaft vor Ort begrüßt grundsätzlich das neue Aufstiegs-Bafög. Sie sieht aber nach wie vor einen großen Graben zwischen der Förderung beruflicher Bildung und der an Hochschulen. Der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf, Frank Tischner:

"Ich sehe immer noch kritisch, dass, wenn ich studiere, dass dieses Studium fast kostenlos ist. Und ein junger Mensch, der sich mit dem Gedanken trägt, einen Meisterbrief, einen Meistertitel zu erwerben, muss dafür bezahlen. Und dieses Ungleichgewicht, das ist das, was wir immer noch sehr, sehr kritisch sehen. Das ist ein guter Weg, das Aufstiegs-Bafög, aber es ist noch nicht das Ende, wo wir hinmöchten." 

Metallbaugeselle Jonas Beuting aus Emsdetten sieht das ganz anders. Er hat gerade die Gesellenprüfung bestanden, will noch ein paar Monate arbeiten und im nächsten Jahr dann seinen Meister machen. Etwa 10.000 Euro muss er für die Weiterbildung berappen. 

"Ist in Ordnung, dann wird es auch nicht so viele Leute geben, die den Meister machen. Sonst würde vielleicht der Markt überflossen sein und es gibt auf einmal 10.000 Leute, die den Meister machen wollen, vielleicht ist das schon der bessere Weg so."

Und trotzdem ist auch er froh, dass es das Aufstiegs-Bafög gibt, auch er will es in Anspruch nehmen.

"Gibt es keine finanzielle Unterstützung, ist es sehr schwierig für einen jungen Menschen, so viel Geld aufzubringen."

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