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Flüchtlinge am ÄrmelkanalGroßbritannien schickt Polizisten nach Frankreich

"New Jungle" - so wird das Zeltlager in Calais genannt. (afp / Philippe Huegen)
"New Jungle" - so wird das Zeltlager in Calais genannt. (afp / Philippe Huegen)

Zahlreiche Flüchtlinge leben in Zeltlagern in der französischen Hafenstadt Calais. Von dort versuchen sie als blinde Passagiere auf Fähren oder in Zügen nach Großbritannien zu gelangen. London und Paris wollen das nun gemeinsam verhindern und angeblich auch Hilfe leisten - die dringend notwendig ist.

Die Polizeibehörden beider Länder richten in Calais ein gemeinsames Kommando- und Kontrollzentrum in Calais ein. Die Zentrale diene der Verfolgung "organisierter Krimineller", die versuchten, Migranten illegal nach Nordfrankreich und durch den Ärmelkanal nach Großbritannien zu schmuggeln, teilte das britische Innenministerium in London mit. Das Kommandozentrum soll die Zusammenarbeit der Beamten intensivieren und gleichberechtigt von einem britischen und einem französischen Chef geleitet werden. Zur Zahl der Polizisten wurden keine Angaben gemacht. 

Die gemeinsame Kommandozentrale ist eine der Maßnahmen, die die britische Innenministerin Theresa May und ihr französischer Kollege Bernard Cazeneuve am Donnerstag bei einem Treffen in Calais in einem Abkommen vereinbaren wollen. Vorgesehen sind auch die Stationierung weiterer französischer Polizeieinheiten am Ärmelkanal, zusätzliche Fracht-Durchsuchungen, die Installation von Überwachungskameras und Flutlichtanlagen sowie der Einsatz von Infrarot-Technik.

Zeltlager könnte bald 4000 Bewohner haben

Neben der Sicherheitszusammenarbeit geht es in dem Abkommen auch um humanitäre Hilfe. Und die wird gebraucht: In Calais sind tausende Flüchtlinge angekommen, die auf ein besseres Leben in Großbritannien hoffen. Die meisten von ihnen leben unter miserablen Bedingungen in einem selbst errichteten Zeltlager, das als "Neuer Dschungel" bekannt ist. Hilfsgruppen erwarten, dass die Zahl der Bewohner des Lagers bis Monatsende auf 4000 anwächst.

Ein Flüchtling klettert auf das Gelände des Eurotunnels in Calais. (dpa / picture-alliance / Zoltan Balogh)Ein Flüchtling klettert auf das Gelände des Eurotunnels in Calais. (dpa / picture-alliance / Zoltan Balogh)

Täglich versuchen Flüchtlinge, in Calais auf die Züge durch den Eurotunnel oder auf die Fähren über den Ärmelkanal zu kommen, um so nach Großbritannien zu gelangen. Ende Juli eskalierte die Situation mit mehr als 2000 Versuchen pro Nacht, auf das Gelände des Eurotunnels zu gelangen. Seitdem neue Zäune um das Gelände am Eurotunnel-Eingang errichtet wurden, ging die Zahl der Fluchtversuche allerdings auf etwa 150 pro Nacht zurück.

Calais fordert 50 Millionen Euro Entschädigung

Calais' Bürgermeisterin Natacha Bouchart forderte von den beiden Innenministerien eine Entschädigung in Höhe von 50 Millionen Euro. "Es ist unerlässlich, von ihnen ab morgen finanzielle Entschädigungen zu fordern, um die wirtschaftlichen Nachteile abzumildern", sagte sie mit Blick auf das Treffen der Innenminister. "Ich fordere 50 Millionen, weil es schwierig ist, den wirtschaftlichen Schaden, den wir seit 15 Jahren erleiden, zu beziffern." Bouchart sagte, das Geld solle in die Infrastruktur sowie in Entschädigungen für Händler und Gastronomen fließen.

(nch)

 

 

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