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Flüchtlingskinder
Über die Rechte der Kinder

Die Organisation White-IT hat ein Info-Buch mit Bildern herausgegeben, das Flüchtlingskindern beim Ankommen in Deutschland helfen soll. Es geht um Sitten und Gebräuche genauso wie um die Rechte von Kindern. Auch vor heiklen Themen wie Kinderpornographie macht die Broschüre nicht Halt.

Von Irene Geuer | 05.09.2016

    Christina aus Rumänien (r.) und Tefide aus Bulgarien üben am 07.01.2016 in Berlin in einer Willkommensklasse spielerisch mit einer Handpuppe Deutsch.
    Christina aus Rumänien (r.) und Tefide aus Bulgarien üben am 07.01.2016 in Berlin in einer Willkommensklasse spielerisch mit einer Handpuppe Deutsch. (picture alliance / ZB - Britta Pedersen)
    "Ich heiße Samia und bin neun Jahre alt. Ich komme aus Syrien. Ich wohne zusammen mit meinen Eltern und meinem Bruder Nabil in einer großen Halle. Hier sind noch viele andere Familien."
    So beginnt die Geschichte in diesem Büchlein, das die deutsche Kinderhilfe White-IT herausgegeben hat. Das Mädchen, das die Geschichte vorliest, heißt nicht Samia, sondern Aissel, sie ist zehn Jahre alt. Und wenn man bedenkt, dass sie erst seit drei Jahren in Deutschland ist, liest sie erstaunlich gut.
    "Willkommen in Deutschland. Ihr habt eine lange Reise hinter Euch. Jetzt seid Ihr in Sicherheit."
    Vater politisch verfolgt
    Das gilt auch für Aissel. Ihre Familie kommt aus Albanien. Der Vater sei politisch verfolgt gewesen, erzählt Mutter Jasmina. Also Flucht mit drei Kindern. Schließlich Köln und nach Monaten in Unterkünften dann eine Wohnung. Ähnlich wie in dem Buch "Ankommen – So geht Deutschland". Illustriert wie ein Comic – mit Texten in deutscher und in arabischer Sprache. Schade, sagt Mutter Jasmina, dass es das nicht auch auf Albanisch gibt. Aber alle können ja bereits Deutsch, die Eltern haben eine Arbeit gefunden, die Kinder sind in Kita bzw. Grundschule, also kein Problem. Es geht ums Leben in der Turnhalle, im Container, es geht um Schule, aber vor allem geht es darum:
    "Alle Kinder haben gleiche Rechte. Es ist egal, ob du ein Mädchen oder ein Junge bist. Es ist nicht wichtig, aus welchem Land Du kommst, ob Du arm oder reich bist." Aissel grinst. Ja, sagt sie: "Das hört sich nett an."
    Kinder sollen sich nicht einfach von Erwachsenen anfassen lassen
    In diesem kleinen Buch erfährt sie auch, dass Kinder sich nicht einfach von Erwachsenen anfassen oder fotografieren lassen sollen. Das ist das eigentliche Thema des Herausgebers White-IT, einem Bündnis, das Kinder stark machen und Kinderpornographie im Internet bekämpfen will. Aissel liest also:
    "Vertraue auf Dein Gefühl und sage deutlich Nein, wenn Dich jemand auffordert, etwas zu tun, was Du nicht möchtest. Du kannst Deinen Eltern alles erzählen." Das finde ich gut, sagt Aissel. "Ich sage alles meiner Mutter. "Damit das so auch in anderen Familien funktioniert, hat das Buch eine Elternseite.
    "Hören Sie Ihren Kindern aktiv und vertrauensvoll zu. Vermitteln Sie ihrem Kind, dass man es Menschen nicht ansehen kann, ob sie gute oder böse Absichten haben."
    Die Sicherheit der Kinder ist ein ganz wichtiger Bestandteil dieses Buches, das unter anderem vom Niedersächsischen Innenministerium, von Schirmherrin Doris Schröder Köpf und auch vom Deutschen Roten Kreuz unterstützt wird. Ein schweres Thema, das aber nicht allein steht. Es geht auch um andere Dinge, zum Beispiel das Essen in Deutschland. Kleine Bildchen zeigen Kartoffeln, klar, aber auch Spinat, Würstchen oder Spaghetti. Und beim Interview für diesen Bericht kommen alle Beteiligten übers Essen sofort in ein lebhaftes Gespräch.
    "Die Kinder kommen ins Gespräch"
    In Albanien ist es anders, lacht Mutter Jasmina. Wir essen gerne fett, sagt sie. Tochter Aissel findet hingegen deutsches Essen super. Und genau dieses Ins-Gespräch-Kommen macht das Buch auch für die Kölner Pädagogin und Grundschuldirektorin Barbara Sengelhoff so interessant. Unterschiede zu besprechen, aber auch auf Regeln eingehen und das mit allen zusammen.
    "Wenn wir hier im Tandem mit den Kindern gemeinsam lernen, da kommen die Kinder auf jeden Fall ins Gespräch, weil es sehr spielerisch und anregend illustriert erzählt ist."
    Und sie sagt: Gut so, dass es jetzt mehr Material dafür gibt, wie das Büchlein "Ankommen - So geht Deutschland". Weil im Schulalltag die Flüchtlinge heute eine feste Größe sind. "Ich glaube, dass es wichtig ist, Material herzustellen, das auf die aktuelle Situation bezogen ist."
    Und Barbara Sengelhoff fasst einen Plan.
    "Ich kann mir vorstellen, dass ich diese Seiten groß kopiere und im Schulhaus aufhänge, damit alle sehen, das ist ein ganz neues Zusammenleben mit den Neuankömmlingen."
    Über Rechte informieren
    Mutter Jasmina ist mittlerweile ehrenamtlich tätig als Mentorin, also Helferin für andere Flüchtlinge. Und auch sie will das Buch einsetzen, um die Neuankömmlinge über die Rechte der Kinder in Deutschland und auch über all das andere zu informieren, was hier wichtig sein könnte. Wie zum Beispiel Gummistiefel und Regenjacke – auch die sind Thema in einem kleinen Suchspiel.
    Und Tochter Aissel macht es kurz und bündig mit ihrem Urteil. Was die Inhalte, Spiele und Illustrationen angeht, sagt sie: "Ich bin mit allem einverstanden eigentlich."
    "Ankommen – So geht Deutschland", Hg. White IT alliance for Children.