Samstag, 13. August 2022

Flugzeugabsturz in der Ukraine
Viele Europäer unter den Opfern

Fast 300 Menschen sind beim Absturz des Passagierflugzeugs gestorben. Vor allem Niederländer und auch vier Deutsche sind unter den Toten. Ob ein Abschuss die Ursache für das Unglück war, ist noch immer unklar. In New York kommt heute der UNO-Sicherheitsrat zu einer Sondersitzung zusammen.

18.07.2014

    Die USA gehen nach Auswertung von Satelliten-Aufnahmen davon aus, dass eine Boden-Luft-Rakete auf die malaysische Boeing mit 298 Menschen an Bord abgefeuert wurde. Doch die Hintergründe sind noch ungeklärt.
    Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht "sehr, sehr viele Indizien" für einen Abschuss. "Es geht jetzt darum, dass schnellstmöglich eine unabhängige Untersuchung eingeleitet wird", sagte sie in Berlin. Sie bestätigte, dass unter den Opfern vier Deutsche waren.
    Der ukrainische Präsident Poroschenko sprach von einem "terroristischen Akt". Er warf den prorussischen Separatisten vor, für den Abschuss der Boeing 777-200 über der von den Rebellen kontrollierten Region verantwortlich zu sein, wie ARD-Korrespondent Henryk Jarczyk berichtete.
    Die Aufständischen dementierten das. Offenbar seien sie bereits am Absturzort gewesen, so DLF-Korrespondentin Sabine Adler. Die Separatisten hätten entsprechende konkrete Aussagen gemacht. So sollen etwa die Trümmer aussehen, als sei die Maschine zerborsten, bevor sie auf der Erde aufgekommen sei. Dies deute auf eine Zerstörung in der Luft hin.
    Schäuble im DLF: Lage ist "schrecklich gefährlich"
    US-Präsident Barack Obama forderte eine internationale Untersuchung der Ursache für den Absturz - und kündigte an, diese zu unterstützen, wie Washington-Korrespondent Marcus Pindur im DLF berichtete. In einem Telefonat mit Poroschenko habe Obama betont, am Ort des Absturzes dürfe nichts verändert werden, bis internationale Experten "alle Aspekte der Tragödie" untersuchen könnten.
    Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, die EU und die NATO verlangten eine internationale Untersuchung. Das Unglück in der Ukraine zeige, wie "schrecklich gefährlich" die Lage und wie notwendig es sei, dass "auch Russland seinen Beitrag leistet", erklärte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble im DLF. Alle Seiten müssten ihre Verantwortung wahrnehmen, sonst eskaliere die Lage weiter.
    UNO-Sicherheitsrat tagt
    In New York kommt heute der UNO-Sicherheitsrat zu einer Sondersitzung zusammen. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass konkrete Beschlüsse gefasst werden. Russland zählt zu den ständigen Mitgliedern des Weltsicherheitsrates und kann daher von seinem Veto-Recht Gebrauch machen.
    Präsident Wladimir Putin gab der Ukraine indirekt die Schuld an dem Unglück. Die schreckliche Tragödie wäre nicht passiert, wenn es in der Ostukraine keinen Krieg gegeben hätte, sagte der Kremlchef.
    Luftraum gesperrt
    Bei dem betroffenen Flugunternehmen Malaysia Airlines herrsche "Fassungslosigkeit", berichtet ARD-Korrespondent Udo Schmidt aus Singapur. Der Vizepräsident der Malaysia Airlines Europe, Huib Gorter, habe gestern Abend am Amsterdamer Flughafen Schiphol erklärt, dass vier deutsche Passagiere unter den Opfern seien. An Bord waren demnach auch 154 Niederländer, 27 Australier, 23 Malaysier, elf Indonesier, neun Briten, fünf Belgier, drei Philippiner und ein Kanadier. Von den übrigen Passagieren stehe die Nationalität noch nicht fest, so der Manager. Die Maschine war als Flug MH 017 um 12.15 Uhr von Amsterdam mit dem Ziel Kuala Lumpur gestartet.
    Der Luftraum über der Ostukraine wurde nach dem Absturz nahe Donezk gesperrt. Das hätten die ukrainischen Behörden kurz nach dem Absturz nahe Donezk beschlossen, teilte die europäische Organisation für die Luftverkehrskontrolle, Eurocontrol, in Brüssel mit. Die Maßnahme gelte zunächst unbefristet.
    (bor/kis)