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StartseiteCorsoPokerface als Marketing26.11.2018

Fotoausstellung zu Andy Warhol Pokerface als Marketing

Warhol mit Hanteln, Warhol als Marilyn Monroe, Warhol knutschend: Für gute Fotos war sich Andy Warhol für nichts zu schade. Zum 90. Geburtstag des Künstlers zeigt die Berliner Ausstellung »Fantastic!« Bilder von über 20 Fotografen, die mit dem Mitbegründer der Pop-Art zusammengearbeitet haben.

Von Marie Kaiser

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Andy Warhol im Jahr 1982 (picture alliance / Captital Pictures)
Andy Warhol im Jahr 1982 (picture alliance / Captital Pictures)
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Silberne Haare, Seitenscheitel, coole Brille und das Gesicht fast komplett mimikfrei: Andy Warhol war selbst ein wandelndes Kunstwerk – vielleicht sogar sein bestes. So zeigen ihn auch viele der Fotos in der Ausstellung – rätselhaft und unnahbar.

Andy Warhol: "It’s Andy Warhol. War-hole – as in holes!"

Doch die mehr als 80 Portraits offenbaren auch überraschende Seiten von Andy Warhol, erklärt Kuratorin Steffi Schulze: "Wir haben viele Fotografen gefragt, die mit ihm zusammengearbeitet haben, um ein breit gefächertes Bild zu bekommen: Wie waren die Facetten des Andy Warhol? Wie er sich gegeben hat, wie konzentriert er arbeiten konnte, wie er in verschiedene Rollen geschlüpft ist und das geliebt hat."

Warhol als Sportler

Auf einem Foto stemmt Andy Warhol schwere Hanteln. Der bekannte amerikanische Fotograf Steve Schapiro hat es 1965 aufgenommen: "Das war das Letzte, was man erwartet hätte. Er sah immer so fragil und unsportlich aus. Es war überraschend, ihn mit Gewichten trainieren zu sehen und ich kann bezeugen, dass er das wirklich regelmäßig gemacht hat!"

Steve Schapiro hat Warhol früh kennengelernt und in der Factory fotografiert, diesem legendären Loft in New York, in dem Warhol mit seiner Entourage lebte, arbeitete und feierte. "Ich habe ihn einfach machen lassen. Als Fotograf bin ich gerne wie eine Fliege an der Wand und warte, was passiert. Denn so mache ich die besten Fotos."

Die Ausstellung widmet Schapiros Schwarz-Weiß-Fotos einen eigenen Raum – auch heute noch erwecken sie das Treiben in der Factory zum Leben. Andy Warhol umgeben von den Menschen, die ihm am nächsten standen: Seiner Muse Nico und The Velvet Underground. Und natürlich Edie Sedgewick, das It-Girl der 60er-Jahre, das in Interviews oft an Warhols Stelle antwortete, weil der lieber schwieg oder Nonsens-Antworten gab.

Andy Warhol: "Can I just answer ridililliilll ..."
Edie Sedgewick: "Yes you can!"

Das Motiv als Herausforderung

Genauso sparsam wie mit Worten war Warhol auch, wenn es darum ging, Gefühle zu zeigen. Warhols Pokerface war eine Herausforderung für jeden Fotografen, erinnert sich Steve Schapiro: "Das hatte er fast immer – es war Teil seiner Marketingstrategie. Ich weiß nicht, ob das alles am Ende nicht nur gespielt war. Denn Andy Warhol war ein Genie, wenn es darum ging, sich zu vermarkten. Seine Freunde haben ihn als jemanden erlebt, der sehr gesprächig war, oft stundenlang telefoniert hat. Eigentlich war er sehr umtriebig."

Genau diesen Andy Warhol, den umtriebigen Socializer, hat Schapiro dann doch in einem Foto eingefangen: "Ich habe ein Foto von ihm gemacht mit Edie Sedgwick, auf dem er tatsächlich übers ganze Gesicht strahlt. Es ist eines der ganz seltenen Bilder, auf denen Andy lacht und wirklich richtig menschlich aussieht."

An jedem guten Foto, das es von Andy Warhol gibt, hat er selbst aktiv mitgearbeitet – davon ist Steve Schapiro überzeugt: "Er wusste immer, was er tun musste, damit die Fotos gut werden."

Factory-Gefühl in der Ausstellung

Für gute Fotos war sich Andy Warhol für nichts zu schade. Für Paparazzi-Fotograf Ron Galella zeigt er sich albern knutschend mit Liza Minelli. Mal schaut er aus dem Gullydeckel, dann inszeniert er sich mit Marilyn-Monroe-Perücke als Transvestit. Oder er ertrinkt - herrlich selbstironisch - in einer Dose Campbell Tomatensuppe auf einer Fotomontage von Carl Fischer.

Steffi Schulze: "Andy Warhol war total begeistert davon und wahnsinnig fasziniert: Tolle Idee, du baust also eine riesengroße Tomatensuppe für mich, in der ich dann ertrinke! Dann lachte Carl Fischer. Ich werde einfach eine Büchse fotografieren und hat dann in einem anderen Shooting Andy Warhol fotografiert, wie er die Arme streckt und so tut, als ob er ertrinkt."

Doch die Ausstellung begnügt sich nicht damit, Fotos an Wände zu hängen. Sie lässt ein richtiges Factory-Gefühl aufkommen. Ein Raum ist komplett mit Silberfolie verkleidet wie in der Factory. In einer Ecke steht wie zufällig ein Einkaufswagen voller Campbell-Tomatensuppen. Auch die "Silver Cloud Ballons" bekommen ihren Auftritt – die silbernen kissenförmige Ballons schweben durch die Ausstellung - und ein wenig auch der Geist von Andy Warhol.

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