Sonntag, 19.05.2019
 
Seit 10:05 Uhr Gottesdienst
StartseiteWirtschaft und GesellschaftSteinreich geworden ist niemand in Pennsylvania31.07.2018

Fracking in den USASteinreich geworden ist niemand in Pennsylvania

Landwirtschaft und Bergbau prägten bislang die Mittelgebirge des US-Ostküstenstaats Pennsylvania. Von dort kommt inzwischen ein Teil des Erdgases, das US-Präsident Trump gerne in die EU verkaufen möchte. Gewonnen wird es über Fracking. Die umstrittene Technik hat Idyllen zerstört.

Von Katrin Brand

Ein Fracking-Bohrturm in der Abenddämmerung.  (dpa/picture alliance/Jim Lo Scalzo)
Frackingbohrturm in Pennsylvania (dpa/picture alliance/Jim Lo Scalzo)

Dies muss einmal ein wunderbarer Ausblick gewesen sein. Sanfte Hügel, Wiesen und Wälder bis zum Horizont. Doch das hübsche graue Wohnhaus auf der Anhöhe ist verlassen. Und von der Terrasse aus wird auch erkennbar, warum.

"Was wir sehen, ist das Haus unserer alten Nachbarn mit zwei Bohrplätzen, die 300 Meter entfernt von einander liegen. Und der nächste von beiden ist keine 100 Meter vom Haus weg", sagt Lois Bower-Bjornson und lässt den Blick bedauernd über das Tal schweifen. Das Grillenzirpen täuscht: dies hier ist kein grünes Idyll, dies hier ist ein Industriegebiet. Vier grüne, tonnenförmige Tanks auf einem planierten Gelände, fußballfeldgroß, eine Zufahrtsstraße, ein Auffangbecken. Wo der Wald gerodet ist, verlaufen die Pipelines. Am Horizont das gleiche noch einmal. Es ist jetzt ruhig, sagt Lois, aber wir sehen nicht, was da rauskommt.

Lois, die Umweltaktivistin, lebt mit ihrer Familie in Washington County im Südwesten von Pennsylvania. Tausend Meter unter ihr liegt die Marcellus Formation, eines der größten Schiefergasvorkommen in den USA. Um das Gas freizusetzen, wird erst senkrecht, dann waagerecht in die Tiefe gebohrt und mit hohem Druck ein Gemisch aus Sand, Wasser und Chemikalien in den Stein gepresst. Der bricht auf und setzt das Erdgas frei. Eine Revolution, jubelt die Öl- und Gas-Industrie. Und auch in Pennsylvania waren viele zuerst begeistert.

Bohrtürme keine 100 Meter vom Haus weg

"Die Leute sind sehr aufgeregt, wenn das Fracking kommt, weil sie glauben, dass es Arbeitsplätze schafft. Es schafft tatsächlich Arbeitsplätze, aber vor allem für Leute, die von außen kommen."

Jennifer Haigh hat einen Roman über das Fracking geschrieben, "Licht und Glut" ist gerade auf Deutsch erschienen und spielt im Städtchen Bakerton, das wie viele Orte in Pennsylvania noch immer unter dem Rückzug des Bergbaus leidet. Fracking bringt Hoffnung: Pachtverträge für Bohrplätze werden unterschrieben, Millioneneinnahmen versprochen. Auch in der Nachbarschaft von Lois Bower-Bjornsen.

"Ich kenne niemanden, der steinreich geworden ist, aber ich kenne Leute, für die das Leben leichter geworden ist. Geld für die Scheune, die Ausrüstung, für die Enkel zurückzulegen. Sowas."

Geld für die Scheune, aber auch mehr Luftbelastung

Sie aber beobachtet, wie sehr sich ihr Landstrich verändert. Da ist der Schwerverkehr, der auf den schmalen Straßen Unmengen an Wasser, Sand und Gerät hin und her transportiert. Und da ist die unsichtbare Belastung, das Klimagas Methan zum Beispiel, das ständig an Bohrlöchern und Leitungen austritt. Die Folgen erlebt Kinderarzt Ned Ketyer:

"In meiner Kinderarztpraxis sehe ich mehr Kinder mit Asthma, denen es nicht gut geht, an den Tagen, an denen die Luftqualität schlecht ist."

Wissenschaftliche Studien bestätigen das. Fracking vergiftet die Luft und gefährdet das Trinkwasser.

Jennifer Haigh lässt in ihrem Roman den Fracking-Boom abrupt enden, weil die Preise fallen. Im wirklichen Leben wird Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt, und er möchte amerikanisches Flüssiggas zum Exportschlager machen. Für Pennsylvania heißt das: noch mehr Bohrlöcher, noch mehr Verkehr, noch mehr Belastung.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk