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StartseiteKultur heuteSpenden retten geplantes Romantik-Museum25.02.2014

FrankfurtSpenden retten geplantes Romantik-Museum

2013 drohte das Projekt zu scheitern, als die Stadt Frankfurt ihre finanzielle Zusage für ein Romantik-Museum wieder zurückzog. Nach Tagen der Schockstarre habe man mit einer Spendenkampagne um Unterstützung geworben, sagte Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, im Deutschlandfunk. Dank 700 Einzelspenden im Wert von 6,2 Millionen Euro sei es möglich geworden, das Museum voraussichtlich 2018 zu eröffnen.

Anne Bohnenkamp-Renken im Gespräch mit Stefan Koldehoff

Ein Fernglas ist in Frankfurt am Main auf die Bankentürme der Stadt gerichtet. (picture alliance / dpa - Frank Rumpenhorst)
Frankfurt soll ein weiteres Museum bekommen (picture alliance / dpa - Frank Rumpenhorst)
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Stefan Koldehoff: So poetisch ist die Deutsche Presse-Agentur nur selten: "Die blaue Blume wird Wirklichkeit" lautet heute die Überschrift einer Meldung. Und gemeint ist natürlich die "Blaue Blume der Romantik", die künftig in einem eigenen Romantik-Museum in Frankfurt blühen und gedeihen könnte. Nach langem Hin und Her scheint das Geld zusammen, um ein entsprechendes Haus in Frankfurt zu bauen – obwohl die Stadt selbst ihre Mittelzusage zurückgezogen hatte.

In Frankfurt unter anderem, weil dort das Freie Deutsche Hochstift seit über 100 Jahren Handschriften aus der Goethe-Zeit und der Romantik sammelt. Mehr als 1000 Kisten haben sich dort im Depot angesammelt: 30 mal Brentano, 12 Kartons Eichendorff, 10 Schachteln Novalis, 50 Schachteln der von Arnims – unbestritten die weltweit wichtigste Sammlung von Handschriften aus dieser Zeit. Nur öffentlich zu sehen ist sie bislang eben zu großen Teilen nicht. Das könnte, sollte sich nun ändert. Heute gab es eine Pressekonferenz zum Stand der Dinge, und die Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, Anne Bohnenkamp-Renken, sprach davon, das Kind sei zwar noch nicht geboren, aber gezeugt.

Frau Bohnenkamp-Renken, mit einer wie langen Schwangerschaft oder Tragezeit rechnen Sie denn bis zur Geburt?

Anne Bohnenkamp-Renken: Guten Abend, Herr Koldehoff.

Koldehoff: Guten Abend.

Bohnenkamp-Renken: Ja, das wird länger als neun Monate dauern, fürchte ich. Wir haben tatsächlich jetzt den Architekten-Wettbewerb beginnen können, weil nach einem Jahr Spendenkampagne und einer jetzt doch erfolgten Zusage durch die Stadt Frankfurt wir sagen können, wir sind auf so sicherem Gelände, dass wir jetzt beginnen mit dem Architektenwettbewerb. Es wird aber sicher dann noch eine ganze Zeit lang dauern, bis wir ein Richtfest feiern können, vielleicht in zwei Jahren oder in drei, und dann hoffen wir, 2018 das Museum eröffnen zu können.

Koldehoff: Also doch eher Tragzeit als Schwangerschaft?

Bohnenkamp-Renken: Ja.

Koldehoff: Wir sollen zusammen ein bisschen zurückblicken. 2012 wurde neben dem Freien Deutschen Hochstift ein Gelände frei, und da gab es die Chance für einen Erweiterungsbau. 16 Millionen Euro, hieß es damals, von denen ein Viertel die Stadt, Land, Bund und Bürger jeweils tragen sollen. Dann allerdings ruderte die Stadt zurück 2013, strich ihre vier Millionen aus dem Haushaltsplan. Sie haben gerade von einer Spendenkampagne gesprochen. Man wollte also damit nicht einfach das Projekt begraben, mit diesem Rückzug?

Bohnenkamp-Renken: Genau. Das war damals ein sehr überraschender Rückzug der Stadt und wir haben nach ein paar Tagen Schockstarre so viel Zuspruch und auffordernde Nachrichten bekommen, dass wir gesagt haben, das kann jetzt nicht das Ende eines so langen Traums sein. Denn das ist eine Idee, die im Freien Deutschen Hochstift schon seit fast 100 Jahren verfolgt wird, und jetzt war die historische Chance gekommen durch das frei werden des Nachbargeländes, eine Chance, die nicht wiederkommen wird in den nächsten 100 Jahren. Und so haben wir dann gesagt, wir können das nicht aufgeben, weil die Stadt Frankfurt sparen muss, und wir haben mit einer großen Spendenkampagne um Unterstützung geworben für dieses neue Museum, was eine Erweiterung des Frankfurter Goethe-Museums sein wird, und wir sind auf erfreulich große Resonanz gestoßen, die dann am Ende des Jahres die Stadt bewogen hat, zuzusagen, dass die Lücke, die am Ende der Spendenkampagne noch klaffen könnte, zu schließen.

Koldehoff: Also am Ende dann doch wieder ein gemeinsames Wollen und Tun. Von 700 Einzelspenden im Wert von 6,2 Millionen Euro ist die Rede. Wenn das so stimmt, wie hat man das geschafft?

Bohnenkamp-Renken: Ja, das ist richtig, wobei ein Teil dieses Geldes schon da war, als die Stadt zurückzog. Das ist nicht alles schon im letzten Jahr dazugewonnen worden. Da gab es eine große Zusage von einer Frankfurter Stiftung, der Ernst Max von Grunelius-Stiftung, sich mit einem sehr großen Betrag zu beteiligen, auch die Deutsche Bank war dabei. Dann fehlten aber immerhin noch fünf Millionen und davon haben wir einen erkläglichen Teil in diesem Jahr zusammengetragen, dank wirklich einer vielfältigen Resonanz großer, mittlerer, kleiner und ganz kleiner Spender, und was für uns wirklich sehr erfreulich war, aus ganz überraschenden Ecken zum Teil und meistens verbunden mit dem deutlich ausgedrückten Wunsch, dieses Museum möge werden, möge so und so werden. Wir haben auch sehr viele Anregungen und ideelle Unterstützung erfahren in diesem Jahr.

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