Mittwoch, 07. Dezember 2022

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Frankreich
Wahlkampf offiziell beendet

Gestern Abend ist der französische Präsidentschaftswahlkampf offiziell zu Ende gegangen. Bis die Wahllokale am Sonntag öffnen, ist keine Wahlwerbung mehr erlaubt. Marine Le Pen versuchte es zum Abschluss mit einem symbolträchtigen Auftritt - und scheiterte.

Von Jürgen König | 06.05.2017

    Marine Le Pen und Emmanuel Macron (Bildmontage)
    Marine Le Pen und Emmanuel Macron (Bildmontage) (GUILLAUME SOUVANT, Eric FEFERBERG / AFP)
    Mit einem Überraschungsbesuch in Reims wollte Marine Le Pen ihren Wahlkampf beenden: in jener Kathedrale, in der jahrhundertelang die französischen Könige gekrönt wurden. Doch der Besuch brachte nicht die wohl erhofften symbolträchtigen Fernsehbilder. Schon bei ihrer Ankunft auf dem Vorplatz wurde Marine Le Pen von etwa 700 zumeist jugendlichen Anhängern Emmanuel Macrons ausgebuht. Zu Gewalttätigkeiten kam es nicht, aber auch nicht zu großen Auftritten Marine Le Pens: Nach etwa einer Stunde verließ sie die Kathedrale eilig durch eine Seitentür, wo ein Auto schon auf sie wartete; später machte sie Emmanuel Macron für die Demonstration verantwortlich: Die Anhänger Macrons würden "überall Gewalt ausüben", twitterte sie und weiter: "sogar vor der Kathedrale von Reims, symbolischer und heiliger Ort. Würdelos".
    Schon am Vormittag war Marine Le Pen als Wahlkämpferin aktiv gewesen, hatte ihre Botschaften noch in den kürzesten Interviews untergebracht:
    "Ich glaube, der Sieg ist zum Greifen nah. Und ich glaube, dass die Medien auch weiterhin die soziale Wut nicht hören wollen, die es in unserem Land gibt - und die sich am Sonntag an den Wahlurnen ausdrücken wird: um einen wirklichen politischen Wechsel herbeizuführen, einen wirklichen Bruch mit den letzten fünf Jahren sozialistischer Herrschaft, deren Repräsentant bei dieser Wahl Monsieur Macron ist."
    "Es lebe der Fortschritt, nieder mit der Regression!"
    Emmanuel Macron hatte sein letztes Meeting schon gestern im südwestfranzösischen Albi abgehalten, der Heimat des Reformsozialisten Jean Jaurès – weitere Auftritte gab es nicht, doch Richard Ferrand, der Generalsekretär der Macron-Bewegung "En Marche!", er suchte die Nähe der Mikrofone für seine Botschaften, "solange es möglich ist", werde man "versuchen, Wähler zu überzeugen".
    "Wir sagen schon lange, dass es bei es dieser Wahl darum gehen wird, sich zwischen Nationalisten und Fortschrittlichen zu entscheiden. Für Letzteres steht Emmanuel Macron. Und wir wünschen uns, vor allem nach der Fernsehdebatte, bei der die Kandidatin ihr wahres Gesicht gezeigt hat, die größtmögliche Zustimmung: für Emmanuel Macron und die Werte, die er verkörpert. Gegenüber dem Hass und der gesellschaftlichen Spaltung muss es heißen: Es lebe der Fortschritt, nieder mit der Regression!"
    Zustimmungswerte für Macron gestiegen
    Seit Mitternacht ist der französische Präsidentschaftswahlkampf offiziell zu Ende. Jede Wahlwerbung ist jetzt verboten - auch in den sozialen Netzwerken. Die Wahlaufsichtsbehörde kündigte an, Zuwiderhandlungen würden streng geahndet, auch Tweets könnten teuer werden; Wählerbefragungen dürfen bis zur Schließung der Wahllokale am Sonntagabend nicht mehr veröffentlicht werden.
    Seit der Fernsehdebatte der beiden Kandidaten am Mittwochabend, bei der Marine Le Pen sehr aggressiv gegen Macron aufgetreten war, inhaltlich aber Schwächen gezeigt hatte, stiegen die Zustimmungswerte für Macron deutlich an: auch bei den etwa sieben Millionen Wählern, die im ersten Wahlgang für den Radikallinken Jean-Luc Mélenchon gestimmt hatten. Umfragen zufolge wollen inzwischen 54 Prozent von ihnen Macron wählen – 10 Prozent mehr als vor dem Fernsehduell. Insgesamt sahen die Meinungsforscher Emmanuel Macron zuletzt mit 62 Prozent der abgegebenen Stimmen als Sieger der Stichwahl – die trotzdem landesweit noch als spannend empfunden wird: Durch eine niedrige Wahlbeteiligung könnte Marine Le Pen deutlich mehr Stimmen bekommen als erwartet.
    Die Sicherheitsvorkehrungen sind wie schon beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen immens: mehr als 50.000 Polizisten, Gendarmen und Soldaten werden im Einsatz sein.