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StartseiteWirtschaftsgesprächWeniger Chefinnen, weniger Lohn08.03.2019

Frauen in der WirtschaftWeniger Chefinnen, weniger Lohn

Am Weltfrauentag schaut die Wirtschaftsredaktion speziell auf die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen. Dabei wird deutlich: Es gibt noch einiges zu tun bis zur Gleichstellung - vor allem bei den Themen Gehalt und Führungspositionen.

Silke Hahne im Gespräch mit Ann-Kathrin Büüsker

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(Lucas1989 | photocase.de)
Gleiche Bezahlung und ausgeglichene Verteilung in den Chefetagen lassen noch auf sich warten. (Lucas1989 | photocase.de)
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Wie sieht es denn global betrachtet mit der Teilhabe etwa im Berufsleben aus?

Dazu gibt es zahlreiche Studien, eine der aktuellsten kommt vom Weltwirtschaftsforum. Das hat erhoben, dass Frauen im weltweiten Schnitt etwa halb so viel Geld verdienen wie Männer und das noch etwas mehr als 200 Jahre vergehen werden, bis sie gleich viel verdienen und im Berufsleben Chancengleichheit herrscht.

Die Unternehmensberatung Price-Waterhouse-Cooper hat die Industriestaaten der OECD verglichen: Auch da gibt es noch Unterschiede in der Bezahlung von Männern und Frauen. Die Autorinnen haben außerdem berechnet, welchen wirtschaftlichen Nutzen es eigentlich hätte, wenn man Frauen und Männer gleich bezahlen würde. Allein für die OECD-Staaten würde das auf zusätzliche 2 Billionen Dollar hinauslaufen, die den Wirtschaften zugeführt würden.

In Deutschland gibt es noch eine bereinigte Lohnlücke gibt und zum Beispiel in den Chefetagen großer Unternehmen wenige Frauen arbeiten. Was gibt es darüber hinaus über Gleichberechtigung auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu wissen?

Ich zitiere nochmal meine Lieblingsstudie zum Thema Chefetagen. Die Albright-Stiftung die hat herausgefunden, dass in den 160 börsennotierten deutschen Unternehmen mehr Männer mit den Namen Thomas oder Michael im Vorstand sitzen als Frauen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat kürzlich auf Lohnunterschiede nochmal einen differenzierteren Blick geworfen. Demnach sind die Unterschiede dort groß, wo mehr Arbeitszeit auch zu einem steigenden Stundenlohn führt: Unternehmensstrategie, Rechnungswesen und Revision waren Beispiele.

In manchen Berufen steigt die Entlohnung überproportional zur Arbeitszeit, und dort gibt es dann auch größere Gehaltunterschiede. Mögliche Erklärungen sind unterschiedliches Verhalten in Gehaltsverhandlungen – und natürlich auch, dass mehr Frauen als Männer in Teilzeit arbeiten und die das Gehalt dann eben das Gehalt nicht nur insgesamt, sondern auch pro Stunde kleiner ist. Stichwort Teilzeit: Das kann sich natürlich auch über das Berufsleben hinaus auf das Einkommen von Frauen auswirken, im Alter nämlich.

Wie schützen sich Frauen vor Altersarmut?

Manche einfach gar nicht: Aus einer Umfrage für das Familien-Ministerium ging zuletzt hervor, dass fast 70 Prozent aller teilzeitbeschäftigten Frauen wissen, dass sie von ihrer Rente später nicht leben können – ein Viertel davon befasst sich aber nicht damit, weil es sie zu sehr deprimiert.

Die Umfrage zeigt, dass viele Frauen wenig über ihre eigene Alterssicherung wissen, der Autor spricht von, ich zitiere: "erratischen Befunden".  So behaupteten etwa sieben Prozent der sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigten, nicht in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen. Die Mehrheit der verheirateten Frauen geht außerdem davon aus, dass ihnen alle Güter gemeinsam mit dem Mann gehören – was definitiv nicht der Fall ist, außer man hat einen anderslautenden Ehevertrag geschlossen.

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