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StartseiteWirtschaft am MittagFrauen-Power in DAX-Konzernen29.08.2012

Frauen-Power in DAX-Konzernen

Der Frauenanteil in deutschen Aufsichtsräten wächst nur langsam

Frauen im Top-Management bleiben in deutschen Konzernen die Ausnahme. Zwar gibt es immer mehr Frauen in Aufsichtsräten, aber noch immer ziehen überwiegend Männer die Strippen - und kassieren oft kräftig für die Kontrollposten.

Von Brigitte Scholtes

Noch haben die deutschen Unternehmen Zeit, die politisch geforderte Mindestquote von 30 Prozent zu erreichen.  (AP)
Noch haben die deutschen Unternehmen Zeit, die politisch geforderte Mindestquote von 30 Prozent zu erreichen. (AP)

Knapp ein Fünftel der Aufsichtsratsmandate in den 30 DAX-Unternehmen werden inzwischen von Frauen gehalten. Das hat die DSW, die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, in ihrer aktuellen Studie zu den Kontrollgremien herausgefunden. 97 der 500 Mandate haben Frauen inne, knapp zwei Drittel davon werden jedoch von der Arbeitnehmerseite entsandt. Noch haben die deutschen Unternehmen Zeit, meint Jella Benner-Heinacher, stellvertretende DSW-Hauptgeschäftsführerin, die politisch geforderte Mindestquote von 30 Prozent zu erreichen. Denn im kommenden Jahr werden 86 der 500 Aufsichtsratsmandate im DAX-30 neu besetzt:

"Sollten danach nicht deutliche Fortschritte erkennbar sein, dann steht zu befürchten, dass die Einführung einer gesetzlichen Quote im anstehenden Bundestagswahlkampf aufgegriffen wird. Meine Prognose ist deshalb, eine verbindliche Quotenregelung wird wohl kommen, ob über Berlin oder Brüssel. Dabei können wir alle nur hoffen, dass diese genügend Spielraum lässt für unternehmensspezifische Besonderheiten."

Die Anforderungen an die Aufsichtsratsarbeit seien in den vergangenen Jahren gestiegen, eine Professionalisierung sei zu erkennen. Deshalb ist die DSW auch nicht gegen steigende Vergütungen, doch die sollten nicht am Unternehmenserfolg ausgerichtet sein, und erst recht nicht an den Dividenden der Unternehmen, sagt Jella Benner-Heinacher:

"Weil der Aufsichtsrat ja über die Dividende oder den Dividendenvorschlag abstimmt und damit ja mittelbar seine eigene Vergütung festlegen würde. Das ist etwas, das sehen wir nicht so gern, weil wir darin auch einen Interessenkonflikt sehen. Wir sind inzwischen großer Befürworter der Fix-Vergütung, weil wir eben sehen, immer dann, wenn ein Unternehmen in die Sanierung kommt oder wenn es restrukturiert werden muss, ist der Aufsichtsrat ja besonders gefordert. Dann hätte er, wenn er eine starke Variable hätte, quasi gar kein Incentive oder wenig Incentive zu handeln. Und da ist eine Fixvergütung natürlich deutlich sachgerechter."

Die Vergütung der Aufsichtsräte ist im vergangenen Jahr gestiegen: Die DAX-30-Unternehmen überwiesen ihnen insgesamt knapp 69,7 Millionen Euro, 7,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das war fast so viel wie im Rekordjahr 2007, als die Kontrolleure mehr als 70 Millionen Euro erhielten. Am besten bezahlt werden dabei die Aufsichtsratsvorsitzenden. Spitzenverdiener unter ihnen war VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, der insgesamt 1,1 Millionen Euro erhielt. IG-Metall-Chef Berthold Huber, der bei VW und Siemens im Aufsichtsrat sitzt, liegt mit knapp 900.000 Euro zwar auf Platz vier. Er muss aber seine Bezüge zu 90 Prozent an die gewerkschaftseigene Hans-Böckler-Stiftung abführen. Der mächtigste Aufsichtsrat ist jedoch Manfred Schneider. Er sitzt nicht nur bei Bayer dem Kontrollgremium vor, sondern auch bei Linde und RWE. Auf Rang zwei folgt Schneider Paul Achleitner, der das Kontrollgremium der Deutschen Bank leitet und daneben noch Aufsichtsrat bei Bayer, Daimler und RWE ist.

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