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StartseitePISAplusFrauen zurück ins Berufsleben05.01.2013

Frauen zurück ins Berufsleben

Ein Kurs hilft beim Wiedereinstieg

Viele Frauen haben nach einer mehrjährigen Erziehungspause das Selbstbewusstsein in ihrem Beruf verloren. In einer Weiterbildung mit anderen Frauen können sie ihre Kompetenzen vor dem Wiedereinstieg ins Berufsleben neu entdecken.

Von Michael Castritius

Bevor es zurück in den Beruf geht, brauchen manche Frauen eine Vorbereitungszeit. (picture alliance / dpa)
Bevor es zurück in den Beruf geht, brauchen manche Frauen eine Vorbereitungszeit. (picture alliance / dpa)

"Ich habe meine Ängste überwunden", oder: "mein Selbstbewusstsein war geschrumpft, ich fühlte mich als kleines Licht, jetzt bin ich wieder ich" – diese und ähnliche Erfahrungen schildern viele der 20 Frauen, die sich vier Monate lang zweimal in der Woche getroffen haben. Nicht Formalien oder gar pauschale "Bewerbungstricks", wie in einschlägigen Ratgebern nachzulesen, vermittelt der Kurs. Julia Mundry, eine der beiden Leiterinnen, sagt, sie schickten die Frauen zu allererst in einen Selbsterfahrungsprozess.

"Allein, aber auch in der Gruppe. Das heißt, sie erleben auch gleichzeitig die Arbeit im Team, dieses sich Austauschen. Weil ein Phänomen ist, dass die Frauen oft das Gefühl haben, sie können eigentlich gar nichts und fühlen sich sehr klein und minderwertig und auch wenig gewertschätzt innerhalb der Gesellschaft. Und daran zu arbeiten, ihnen klarzumachen, dass auch die Arbeit mit Kindern, mit der Familie, auch mit pflegebedürftigen Angehörigen Kompetenzen erzeugt, die sie hinterher beruflich nutzen können."

Die Gruppenarbeit ist ein zentrales Element, denn alleine vor sich hin gewurschtelt – in der Arbeitslosigkeit, im Haushalt, haben sie genug. Den meisten fehlte das Feedback Anderer, das es im Berufsleben tagtäglich gibt, und sei es nur beim Pausengespräch in der Teeküche. Aber da das auch negative Seiten hat - Ärger, Stress, Getratsche, im Extremfall Mobbing -, werden die Kursteilnehmerinnen darauf vielseitig vorbereitet.

"Dazu gibt es Stressmanagement, Selbstmanagement, Konfliktmanagement. Wie kann ich auch mit schwierigen Situationen umgehen. Dann entsteht irgendwann so ein Bild, so ein Profil. Und damit entwickeln die Frauen dann erste Ideen, sodass dann Perspektiven sich entwickeln und dann in einem ganz individuellen und sehr gezielten Bewerbungstraining die Frauen ihre Unterlagen erstellen, dass jede Frau das Gefühl hat, ja, das bin ich, so kann ich mich präsentieren. Da kommen dann nochmal sehr viele Erkenntnisse auch für die Frauen hoch und die können sie dann in Bewerbungsgesprächsrollenspielen, die sehr realistisch sind, dann ihre ganz gezielte Situation, das Ziel, was sie für sich gewählt haben, üben."

Spielerisch üben - aber auch in Konfrontation zu 19 anderen Frauen. Spätestens nach den 27 gemeinsamen Terminen kommt dann die Konfrontation mit der Wirklichkeit: das Kursende bedeutet: alleine weitergehen.

"Das ist ein Ziel unserer Kurse, dass wir versuchen, so diese Eigenverantwortung der Frauen zu stärken und ihnen auch Mittel mit an die Hand zu geben. Erfahrungsgemäß ist für viele Frauen, die hier weggehen, der Anfang gemacht. Dieses Gefühl, ich weiß jetzt, wer ich bin und was ich kann, das läuft dann alleine weiter. Das ist aber kein Prozess, der jetzt in ein paar Wochen abgeschlossen ist, sondern das ist eigentlich ein langjähriger und wahrscheinlich lebenslanger Prozess."

Julia Mundry weiß, wovon sie spricht. Heute ist sie freiberuflich in der Erwachsenenbildung tätig und leitet unter anderem diesen Kurs, der Frauen auf neuen Wegen ins Berufsleben – so der Titel – bringen soll. Ein Kurs, den sie einst selber absolviert hat – und der ihr diese Perspektive eröffnete.

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