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StartseiteSport am WochenendeVon Fairplay zu Fairpay23.12.2017

Frauensport in SkandinavienVon Fairplay zu Fairpay

Der Weg zu gleicher Bezahlung von Sportlerinnen ist noch lang. Trotzdem kann der Frauensport in Skandinavien bereits große Erfolge aufweisen - was die Gleichstellung angeht.

Von Björn Dake

Schwedens Handball-Frauen bei der Weltmeisterschaft 2017 in Leipzig. (imago sportfotodienst / Gabor Krieg)
Schwedens Handball-Frauen bei der Weltmeisterschaft 2017 in Leipzig. (imago sportfotodienst / Gabor Krieg)
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Wenn Schwedens Handballerinnen treffen, steht die Halle Kopf. Die Zuschauerränge werden voller und voller, erzählt Peter Gentzel: "Zuschauermäßig geht es in den letzten drei, vier Jahre nach oben. In der Frauenliga SHE liegen wir bei 650 im Durchschnitt."

Ein Plus von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gentzel ist verantwortlich für die erste Liga im schwedischen Frauenhandball. Einige Jahre hat er in Deutschland gespielt, unter anderem bei THW Kiel.

Schwedens Handballerinnen haben Erfolg

Für die Beisterung der Zuschauer bei den Frauen-Mannschaften hat er eine einfache Erklärung: "Es ist nicht so viel körperlicher Kampf, sondern es ist ein richtiges Handball-Spiel. Der Ball läuft und die Spielerinnen kommen durch. Das geht ein bisschen schneller manchmal."

Schwedens Handballerinnen haben Erfolg. Bei der WM in Deutschland sind sie Vierte geworden. Im Spiel um Platz Drei mussten sie sich der Mannschaft aus den Niederlanden geschlagen geben. Ein erfolgreiches Nationalteam – auch das färbt ab.

Und Gentzel sieht noch einen ganz praktischen Grund für die Handball-Begeisterung in Schweden: "Eishockey und Fußball ist am größten – aber dann kommt Handball. Vor allem, weil es wenige weibliche Eishockey-Mannschaften gibt. Im Winter spielen sie dann Handball statt Fußball."

Erfolg der Fußball-Frauen ist hausgemacht

Auch der Frauen-Fußball bommt in Schweden. Neben den großen Turnieren laufen sogar einige Liga-Spiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Linda Wijkström ist Generalsekretärin beim Verband EFD. Er vertritt die Erst- und Zweitligaclubs im Frauenfußball.

Sie berichtet, dass bei Liga-Spielen im menschenleeren Norden Schwedens bis zu 2.000 Zuschauer kommen: "Bei den Nationalspielen kommen sogar über 10.000 Zuschauer in die Arenen. Dabei hat Schweden nur etwa 10 Millionen Einwohner."

Der Erfolg der Fußball-Frauen ist hausgemacht. Politik und Verbände bemühen sich seit Jahren darum gleiche Bedingungen zu schaffen – für das Training zum Beispiel oder die Betreuung durch Mediziner.

Schwedische Spielerinnen der Frauennationalmannschaft jubeln mit ihren Medaillen um den Hals und feiern den dritten Platz bei der Weltmeistschaft 2011.  (imago sportfotodienst)Schwedens Frauennationalmannschaft feiert den 3. Platz bei der WM 2011 (imago sportfotodienst)

Ob Mädchen und Jungen wirklich die gleichen Chancen im Sport haben, untersucht gerade das Zentrum für Sportforschung im Auftrag der schwedischen Regierung. Sie bezeichnet sich selbst als feministisch. Das Ergebnis der Studie wird im Frühjahr erwartet.

Fußball-Funktionärin Wijkström ist gespannt: "Wir müssen sicherstellen, dass Jungen und Mädchen die gleichen Möglichkeiten und Voraussetzungen für ihren Sport haben. Von guten Trainingsmöglichkeiten bis zu guten Trainern – es muss in gute Trainer investiert werden, ganz gleich, ob es sich um ein Jungen- oder Mädchenteam handelt. Und das von Anfang an."

Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern

Gute Trainingsmöglichkeiten und eine effektive Förderung hängen natürlich vom Geld ab: "Unsere Sponsoren schauen, wie sie ihre Mittel anders verteilen können. Ob sie einen Jungen oder ein Mädchen unterstützen. Sie schauen auch darauf, wie die Frauenteams sich weiterentwickeln können. Wir sehen eine Veränderung."

Das betrifft auch die Bezahlung der Spielerinnen. Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern ist ein wichtiges Thema in Skandinavien. Der Norwegische Fußballverband zahlt den Spielerinnen der Frauen-Nationalmannschaft ab dem nächsten Jahr die gleichen Gehälter und Prämien wie den Männern. Möglich wurde das, weil die Männer auf einen Teil ihres Geldes verzichten.

Fußball-EM in den Niederlanden: Dänische Spielerinnen jubeln nach dem Einzug ins Finale. (dpa-Bildfunk  / AP / Ermindo Armino)Fußball-EM in den Niederlanden: Dänische Spielerinnen jubeln nach dem Einzug ins Finale. (dpa-Bildfunk / AP / Ermindo Armino)

Auch die dänischen Fußball-Frauen bekommen mehr Geld. Bisher verdienten sie pro Spiel im Schnitt etwa 330 Euro. Die Prämien sollen jetzt um 60 Prozent steigen. Der Verband verpflichtete sich vor einem Monat, mehr Geld in das Damen-Team zu stecken. Die Däninnen haben das erstreikt. Das WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden Mitte Oktober ließen sie ausfallen.

In Schweden kann mittlerweile jede vierte Fußballerin von ihrem Sport leben. Im Handball ist noch lange nicht soweit – wie Handball-Funktionär Peter Gentzel berichtet: "Wenn es um Gehälter geht, regiert der Markt. Die Sponsoren bezahlen leider mehr für Männersport."

Bei allen Erfolgen in Skandinavien – von Fairplay zu Fairpay ist es auch hier noch ein langer Weg.

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