Paraguay
Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten unterzeichnet

Vertreter der EU und der Mercosur-Staaten haben in Paraguays Hauptstadt Asunción das gemeinsame Freihandelsabkommen unterzeichnet. Mehr als 25 Jahre lang hatten beide Seiten über den Vertrag verhandelt. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sagte bei der feierlichen Zeremonie, man entscheide sich damit für einen fairen Handel und eine langfristige Partnerschaft.

    EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sitzt neben den Präsidenten aus Bolivien, Panama, Uruguay, Paraguay und Argentinien und mit dem brasilianischen Außenminister an einem Konferenztisch. Im Hintergrund die Flaggen der verschiedenen Länder und der EU.
    Die Zeremonie zur Vertragsunterzeichnung des Mercosur-Abkommens in Paraguays Hauptstadt Ascunsión (AFP / LUIS ROBAYO)
    EU-Ratspräsident Costa bezeichnete das Abkommen als ein politisches Signal in Zeiten wachsender globaler Spannungen. Das Abkommen sei eine starke Botschaft zu einer Zeit, in der das Völkerrecht und der faire Handel bedroht seien.
    Die neue Freihandelszone wird mit mehr als 700 Millionen Einwohnern und einer gemeinsamen Wirtschaftsleistung von rund 22 Billionen US-Dollar eine der größten weltweit sein. Zum südamerikanischen Staatenbund Mercosur gehören neben Paraguay auch Brasilien, Argentinien und Uruguay. Bolivien ist nominell ebenfalls Mitglied, muss seine Gesetzgebung aber noch an die des Bündnisses anpassen.

    Bullmann (SPD): Wenig Verständnis für Gegner des Abkommens

    Der SPD-Europaabgeordnete Bullmann sagte im Deutschlandfunk, mit dem Mercosur-Abkommen werde "eine große Tür aufgestoßen für die gemeinsame Zukunft Europas und Lateinamerikas". Für die Gegner des Mercosur-Abkommens zeigte Bullmann wenig Verständnis. Er warf ihnen vor, ihre Argumente auf Falschinformationen aufzubauen und erklärte, die Bauernverbände würden die Landwirte zu wenig informieren. Den Widerstand von Ländern wie Frankreich schrieb er den dortigen innenpolitischen Spannungen zu.
    Beim Mercosur-Abkommen gehe es im Kern nicht um Landwirtschaft, so der Europaabgeordnete, sondern um industrielle Modernisierung. Auf Dauer wolle man gemeinsam Gesetze schaffen und Nachhaltigkeitsziele feststecken.

    Kritik von Grünen im Europaparlament

    Die handelspolitische Sprecherin der Grünen im Europäischen Parlament, Cavazzini, sagte der Nachrichtenagentur epd, zwar stehe die EU angesichts der US-Politik unter Präsident Trump geopolitisch enorm unter Druck und brauche internationale Partner. Dennoch dürfe geopolitische Zusammenarbeit nicht über ein Abkommen erkauft werden, unter dem unter anderem die Umwelt leide. Warnungen von Nichtregierungsorganisationen vor weiterer Abholzung von Wäldern, dem Einsatz in der EU verbotener Pestizide und massiven Folgen für indigene Gemeinschaften bezeichnete Cavazzini als sehr real.
    Cavazzini betonte, sie rechne mit einer knappen Zustimmung im Europäischen Parlament. Die Grünen lehnten das Abkommen jedoch ab. Nach der Unterzeichnung steht noch die Ratifizierung des Textes durch das Europäische Parlament und die vier südamerikanischen Staaten an.
    Diese Nachricht wurde am 17.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.