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StartseiteInterviewFreude und Hoffnung18.08.2005

Freude und Hoffnung

ZdK-Generalsekretär Vesper freut sich über den Papstbesuch

Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Stefan Vesper, freut sich über den Besuch von Papst Benedikt XVI. auf dem Weltjugendtag in Köln. Er erwarte, dass der Papst den jungen Menschen und ihren Erwartungen an Glauben und Kirche Richtung und Inhalt gebe, sagte Vesper.

Moderation: Hans-Joachim Wiese

Der Pileulus von Papst Benedikt XVI. wird vom Wind fortgetragen. (AP)
Der Pileulus von Papst Benedikt XVI. wird vom Wind fortgetragen. (AP)

Hans-Joachim Wiese: Der Papst ist auf dem Köln/Bonner Flughafen gelandet. Er ist dort mit militärischen Ehren empfangen worden. Bundespräsident Horst Köhler hat ihn begrüßt per Handschlag. Derzeit ist der Papst dabei, von den Honoratioren begrüßt zu werden. Er hat sich auch schon an die Jugendlichen, die dort aus aller Welt am Flughafen versammelt sind und ihm zujubeln, auch an die hat er sich schon gewandt und sie begrüßt. Und am Telefon begrüße ich jetzt den Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Stefan Vesper. Schönen guten Tag, Herr Vesper.

Stefan Vesper: Guten Tag, Herr Wiese.

Wiese: Sie beobachten ja auch die Ankunft von Papst Benedikt XVI. auf dem Köln/Bonner Flughafen. Er ist jetzt also da. Was spüren Sie, Erleichterung?

Vesper: Ich bin sehr froh, dass der Papst jetzt da ist. Das war ja eine ganz, ganz heitere, heitere Sekunde. Die erste Sekunde war ja schon schön, als ihm der Pileulus vom Wind weggetragen wurde.

Wiese: Also diese Kappe ist das.

Vesper: Ich freue mich jetzt auf die Tage mit ihm, die die vielen Jugendlichen in Deutschland, die aus aller Welt kommen, mit ihm feiern werden.

Wiese: Was erwarten Sie denn von dem Papstbesuch? Was wird er den jungen Menschen versuchen mitzuteilen?

Vesper: Ja, wir hoffen, dass dieses große Fest des Glaubens und der Begegnung und des Austausch, das ja hier schon seit vielen Tagen läuft, erst in den deutschen Diozösen und dann jetzt, als die Jugendlichen am Dienstag angekommen sind, dass es dazu beiträgt, uns in unserem Glauben als Christen in dieser Zeit zu bestärken, vor allem natürlich die vielen Jugendlichen, die aus aller Welt gekommen sind. Und da erwarte ich, dass der Papst den jungen Menschen und ihren Erwartungen an Glauben und Kirche Richtung und Inhalt gibt, dass er ihn also wieder neu oder wieder anders oder immer wieder ermutigend bewusst macht, was die Kirche in der Zeit will, wenn sie sagt, Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute sind auch Freude und Hoffnung und Trauer und Angst der Menschen der Kirche.

Wiese: Meine Damen und Herren, ich beobachte nebenbei immer weiter den Papst auf dem Köln/Bonner Flughafen. Derzeit wird er von Bundespräsident Köhler weiter begleitet und gleich wird er auch eine Ansprache halten, wahrscheinlich auch der Bundespräsident. Aber Herr Vesper, als Kardinal Ratzinger ist der jetzige Papst ja nicht gerade durch besondere Modernität aufgefallen, denn er gilt als erzkonservativer Kirchenmann, der zum Beispiel gegen Sex vor der Ehe und Verhütung wettert. Ist er nun gerade der richtige Mann, Hunderttausenden Jugendlichen in Zeiten von Aids die Benutzung von Kondomen zu untersagen?

Vesper: Nun, das war ja schon beim Antritt der Wahl viel diskutiert worden, dass dieses Amt des Papstes natürlich ein völlig anderes ist, als das des Präfekten der Glaubenskongregation. Der Präfekt der Glaubenskongregation hat die Aufgabe zu wachen, auch ganz genau zu prüfen, vielleicht auch zu kontrollieren, während der Papst verbinden muss. In einer ganz neuen Rolle ist jetzt Josef Ratzinger. Und ich denke, man muss ihm alle Chancen geben, diese Rolle neu auszufüllen.

Wiese: Herr Vesper, wie erklären Sie sich eigentlich, dass so viele junge Menschen dem Papst so fröhlich zu jubeln, obwohl sie ihr Leben doch in der Regel anders gestalten, als der Papst es ihnen vorgibt?

Vesper: Ich meine, dass es ein ganz tiefes, menschliches Bedürfnis ist, sich orientieren zu wollen. Und dazu gehört zu aller erst zu jungen Menschen einmal, dass es Leute gibt, die Vorbilder für sie sind. Es gehört natürlich auch ganz wesentlich die Gemeinschaft dazu, die Gemeinschaft, die katholische Kirche, den katholischen Jugendlichen gibt, ist in manchen Gemeinden nicht immer so ermutigend und kräftigend, wie sie sie brauchen. Wenn viele Jugendliche dabei sind und viele zusammen sind, ist das meistens eine große und schöne Erfahrung. Und von daher glaube ich, dass der Papst, auch der verstorbene Papst ganz besonders, tiefe, religiöse Sehnsüchte in den Menschen anspricht, in den Jugendlichen vor allem, nach Sinn und nach Orientierung. Und es geht manchen mal mit der Orientierung ja auch in Schritten. Es sind die Jugendlichen oft auch so, dass sie zunächst abwehren, zunächst einmal nicht verstehen und erst dann so langsam in der Lebenspraxis so manches begreifen, was in der katholischen Kirche auch als Vorstellungen und als Regeln entwickelt worden ist, die sich aber natürlich auch immer wieder weiterbilden.

Wiese: Noch ein kurzer Blick auf den Flughafen. Derzeit spricht dort Bundespräsident Köhler. Wenn der Papst anfängt zu sprechen, werden wir natürlich kurz auch dann auf den Flughafen schalten. Herr Vesper, es gibt also unter den heutigen Jugendlichen ein neues Bedürfnis nach Spiritualität und Religiosität?

Vesper: Da bin ich ganz sicher von überzeugt. Denn die Jugendlichen sind vieles von dieser Beliebigkeit, die unsere Zeit ausstrahlt, in gewisser Weise auch Leid, was nicht bedeutet, dass sie sich gerne gängeln lassen, nein sie wollen ihren eigenen Weg finden. Und da sind Orientierungspunkte, wie wir sie jetzt in diesem großen Weltjugendtag haben, wie wir sie in Deutschland, in Katholikentagen, in Kirchentagen und auch neu im ökumenischen Kirchentag haben, wichtig, damit sie sich erkundigen, damit sie erfahren, damit sie miteinander leben können, auch damit sie debattieren und diskutieren können, um ihren eigenen Lebens- und Glaubensweg am Evangelium orientieren zu können.

Wiese: Was wird von diesem Weltjugendtag bleiben? Was wird von ihm ausgehen?

Vesper: Das können wir heute natürlich nicht wissen. Genauso wenig, wie wir am Dienstag, als wir in froher Erwartung begonnen haben, wissen konnten, dass ein schreckliches Ereignis passiert mit der Ermordung von Roger Schütz. Das kann man heute nicht sagen. Aber was ich mir wünschen würde, wäre ein Impuls für die Lebenskraft der jugendlichen Katholiken in aller Welt, dass sie für ihren Weg in der Zeit als aktive Menschen in ihren Gesellschaften, in ihren Ländern ermutigt und gestärkt werden.

Wiese: Das war in den Informationen am Mittag im Deutschlandfunk der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Stefan Vesper. Schönen Dank, Herr Vesper, auf Wiederhören.

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