
Der ukrainische Präsident Selenskyj warf Russland vor, mit dem Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 die Welt erneut an den Rand einer menschengemachten Katastrophe gebracht zu haben. Russische Drohnen flögen immer wieder über Tschernobyl hinweg; eine habe im vergangenen Jahr die Schutzhülle getroffen, erklärte Selenskyj. Die Welt dürfe diesen "nuklearen Terrorismus" nicht länger zulassen.
In der Ukraine finden heute in mehreren Städten Schweigeminuten und Ausstellungen statt. Auf dem AKW-Gelände im Norden der Ukraine wird Präsident Selenskyj erwartet. Wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine findet das Gedenken unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt.
Würdigung der Liquidatoren
Mehr als 100.000 Menschen wurden damals aus der 30-Kilometer-Sperrzone zwangsumgesiedelt. Hunderttausende sogenannte Liquidatoren halfen bei der Beseitigung der unmittelbaren Folgen in dem radioaktiv verseuchten Gebiet und wurden dabei selbst verstrahlt.
Im knapp 100 Kilometer entfernten Kiew leben der Stadtverwaltung zufolge derzeit noch über 30.000 Liquidatoren. Bürgermeister Vitali Klitschko traf sich im Rathaus mit einigen von ihnen und zeichnete sie aus. Auch in Russland wurden bei Gedenkveranstaltungen insbesondere die damaligen Liquidatoren gewürdigt.
Belarus am stärksten betroffen
Am stärksten betroffen war das benachbarte Belarus. Dort fielen bis zu 70 Prozent des radioaktiven Niederschlags auf dem Gebiet der damaligen Sowjetunion. Gut ein Fünftel des Gebiets von Belarus war laut Experten verseucht, besonders aber die Region Gomel im Süden des Landes. Große Flächen waren mit Cäsium-137 kontaminiert. Auch Aktivisten aus Belarus, von denen viele unter Machthaber Alexander Lukaschenko ins Ausland geflüchtet sind, erinnern mit Veranstaltungen unter anderem im Baltikum und online an den Jahrestag. Sie beklagen, dass es bis heute keine ausreichenden Kontrollen der mögliche Belastung der Böden gebe.
Strahlenwolken breiteten sich abgeschwächt auch bis nach Nord- und Westeuropa aus. Nach dem Unglück wuchs weltweit die Skepsis gegenüber der Kernenergie. Auch in Deutschland organisieren Umweltorganisationen und Aktivisten heute Gedenkveranstaltungen, Mahnwachen und Fahrradkorsos in Erinnerung an die Katastrophe vor 40 Jahren.
Diese Nachricht wurde am 26.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.



