Jahrestag
Gedenkfeier zu Buchenwald-Befreiung: Hape Kerkeling erinnert an Opfer und warnt vor neuen Gefahren

Im ehemaligen NS-Konzentrationslager Buchenwald ist an dessen Befreiung vor 81 Jahren erinnert worden. Die Gedenkrede auf dem früheren Lagergelände nahe der Stadt Weimar hielt der Komiker Hape Kerkeling, dessen Großvater dort gefangengehalten wurde.

    Hape Kerkeling als Enkel eines ehemaligen Häftlings hält eine Ansprache beim Festakt zum 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald.
    Hape Kerkeling beim Gedenken anlässlich des Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald. (dpa / Martin Schutt)
    Wer die Erinnerung an die Opfer als Belastung empfinde, vergesse, dass diese Erinnerung das einzige sei, "was uns vor einer Zukunft als Täter schützt", mahnte Kerkeling. Er sei zutiefst alarmiert über die politische Entwicklung im Land: "Wenn heute wieder Kräfte erstarken, die unsere Erinnerungskultur diffamieren, dann ist das ein Schlag ins Gesicht aller Opfer und ihrer Nachfahren." Buchenwald sei eine steingewordene Warnung: "Wer heute wegschaut oder jenen applaudiert, die die Geschichte umschreiben wollen, macht sich mitschuldig."

    Zwischenrufe bei Rede von Kulturstaatsminister Weimer

    An der Veranstaltung nahm auch Kulturstaatsminister Weimer teil. Seine Rede wurde mehrfach durch Parolen und Gesang gestört. Weimer steht unter anderem wegen der Absage des Deutschen Buchhandlungspreises in der Kritik. Gedenkstättenleiter Wagner beklagte eine zunehmende politische Instrumentalisierung des Gedenkens.
    Überlebende sprachen in diesem Jahr erstmals seit vielen Jahren nicht. Hintergrund sind Probleme mit Flügen aus Israel wegen des Iran-Kriegs. Mit dem 98 Jahre alten Alojzy Maciak aus Polen und dem 99-jährigen Andrej Moiseenko aus Belarus sind dieses Jahr zwei ehemalige Häftlinge vor Ort. Von ihnen sind aber keine Reden geplant.
    Im Konzentrationslager Buchenwald und seinen Außenlagern waren von 1937 bis 1945 insgesamt fast 280.000 NS-Opfer inhaftiert, mehr als 56.000 wurden ermordet oder starben aufgrund lebensfeindlicher Bedingungen. Unter den Häftlingen waren Juden, Roma, inländische politische Gegner der Nazis und Zwangsarbeiter aus Osteuropa. Buchenwald gehört zu den symbolträchtigsten und bekanntesten früheren Konzentrationslagern in Deutschland. In der DDR war es eine nationale Gedenkstätte.

    Scharfe Kritik an Aktion "Kufiyas in Buchenwald"

    Die umstrittene Kampagne "Kufiyas in Buchenwald" hat nach eigenen Angaben bereits am Samstag eine Mahnwache auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte abgehalten. Die Gedenkstätte Buchenwald verurteilte dies. Mit ihrem Slogan "Von Buchenwald nach Gaza" relativiere die Kampagne den Holocaust, sagte Sprecher Lüttgenau dem Evangelischen Pressedienst.
    Aktivisten wollten eigentlich zum Jahrestag der Befreiung mit Palästinensertüchern demonstrieren. Das Verwaltungsgericht Weimar bestätigte das Verbot der Kundgebung durch die Stadt.
    Diese Nachricht wurde am 12.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.