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StartseiteSprechstundeGefährlicher Selbstbetrug des Auges24.09.2013

Gefährlicher Selbstbetrug des Auges

Augenärzte raten ab dem 40. Lebensjahr zur regelmäßigen Glaukom-Vorsorge

Das Glaukom, der "Grüne Star", ist die zweithäufigste Ursache altersbedingter Erblindung. In Deutschland leiden geschätzt 800.000 Menschen am Glaukom. Allerdings vermuten Experten, dass rund 50 Prozent der Erkrankungen zunächst unentdeckt bleiben. Wird es rechtzeitig erkannt, können Patienten vor Erblindung bewahrt werden.

Von Wolfgang Noelke

Die Glaukomerkrankung kann nicht geheilt, aber gestoppt werden. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Die Glaukomerkrankung kann nicht geheilt, aber gestoppt werden. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Auf den steigenden Druck im Augeninnern reagiert der Sehnerv sehr empfindlich. Nach und nach sterben einzelne Nervenfasern ab, was die Betroffenen aber erst merken, wenn schon 40 Prozent ihrer Sehnerven unwiederbringlich zerstört sind, so Professor Thomas Klink, Leitender Oberarzt der Universitäts- Augenklinik Würzburg. Die Illusionskraft des menschlichen Gehirns ist so groß:

"Dass der Patient diese Gesichtsfeldausfälle nicht als schwarze Flecken wahrnimmt, sondern unser Gehirn diese Lücken auffüllt, in dem es Farben, Formen und Muster aus der Umgebung in diese Lücken hineinprojiziert. Das heißt, wenn man jetzt am gedeckten Tisch sitzt, auf den Teller schaut, sieht man den Dessertlöffel, der auf dem Teller liegt nicht, sondern es ist dort das Muster der Tischdecke weiterhin zu sehen und damit der Ausfall nahezu unmerklich, für den Patienten."

Diese Irreführung wird zum Beispiel auch für Andere gefährlich, wenn Erkrankte beim Autofahren andere Verkehrsteilnehmer nicht sehen, da ihnen das Gehirn statt kreuzenden Fußgängern und Autos eine leere Straße vorgespiegelt. Deswegen sollte man ab dem 40. Lebensjahr zur regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt erscheinen, der:

"Neben Erhebung der Sehschärfe den vorderen Teil des Auges anschauen und schließlich den Sehnerven, der dann die Schlüsseluntersuchung darstellt, da man hier eine - unter Umständen - Aushöhlung erkennen kann, durch Verlust von Nervenfasern, was ganz typisch ist, für die Glaukomerkrankung. Er misst den Augeninnendruck und schließlich die Gesichtsfelduntersuchung, bei der man Lichtpunkte verschiedener Größe und Intensität erkennen muss und man kann sehen, inwieweit hier Ausfälle vorhanden sind."

Angst braucht niemand zu haben, denn die Augen berührt der Augenarzt gar nicht. Für den Augeninnendruck-Test reicht ein gezielter feiner Luftstrahl und die Sehnerven beobachtet der Arzt mit einer Speziallupe durch die Pupille:

"Der Sehnerv ist – muss man sich vorstellen, - als großer Datenkanal zwischen den Sinneszellen der Netzhaut und dem Gehirn. Die optischen Signale werden hierüber geleitet, über etwa 1,1 Millionen Nervenfasern zum Gehirn hin – und der Augenarzt, wenn er mit der Lupe hineinschaut, muss beurteilen, ist der Sehnerv von einer vitalen Farbe, oder ist er deutlich blasser, ist er ausgehöhlt, der Sehnerv? Wenn hier eine sehr starke Aushöhlung vorhanden ist, dann kann das ein deutlicher Hinweis sein, dass Nervenfasern verloren sind und er schaut nach Blutungen im Bereich des Sehnervenrandes."

Die Glaukomerkrankung kann nicht geheilt, aber gestoppt werden. Augenärzte verordnen zunächst einmal Augentropfen, die den Augeninnendruck senken. Bei jedem fünften Patienten aber gelingt es selbst mit zwei Medikamenten nicht, den Druck im Augeninnern auf normale Werte zu bringen. In solchen Fällen, oder aber, wenn der Sehnerv schon stark geschädigt ist, raten Augenärzte zur Operation. Denn: Je eher der Druck nachlässt, umso sicher können Patienten vor Erblindung bewahrt werden.

"Idealerweise würde man es schon vor Beginn von Gesichtsfeldausfällen detektieren wollen – und das kann eigentlich nur der Augenarzt in einer Vorsorgeuntersuchung."

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