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StartseiteKalenderblattGefallen für ein unwirtliches Eiland02.04.2007

Gefallen für ein unwirtliches Eiland

712 argentinische und 255 britische Soldaten starben im Falkland-Krieg

Vor 25 Jahren besetzte Argentinien mit 5000 Soldaten die britische Kronkolonie der Falkland-Inseln. Mit der Okkupation wollte die argentinische Militärjunta von innenpolitischen Problemen ablenken. Mit den Langzeitfolgen des verlorenen Krieges kämpft die argentinische Gesellschaft bis heute.

Von Julia Macher

Argentinische Gefangene im Falkland-Krieg. (AP Archiv)
Argentinische Gefangene im Falkland-Krieg. (AP Archiv)

Eine Inselgruppe im Südatlantik, von Wind und Meer umtost: Die Malvinen sind ein unwirtliches Eiland. Trotzdem kämpften seit dem 17. Jahrhundert erst Spanien und England, später die Rechtsnachfolger Argentinien und Großbritannien um die strategisch wichtigen Inseln. 1833 besiedelte Großbritannien mit US-amerikanischer Unterstützung die Inseln. Argentinien erkannte den britischen Besitzanspruch zwar nie an und sandte diplomatische Protestnoten, schien militärische Mittel aber auszuschließen.

Bis zum 2. April 1982: In den frühen Morgenstunden landeten argentinische Marineinfanteristen an der Küste von Ostfalkland und nahmen nach einem kurzen Scharmützel die Hauptstadt Port Stanley ein. Argentiniens Präsident General Leopoldo Galtieri verkündete stolz:

"Wir haben unsere nationale Ehre gerettet und ohne Rachegelüste, aber mit der gebotenen Härte jene Grenzinseln wiedergewonnen, die legitimer Bestandteil unseres Vaterlandes sind."

In Buenos Aires feierten jubelnde Menschenmassen die Besetzung. Die Militärjunta konnte zufrieden sein: Ihre Strategie ging auf. Denn die Invasion war nichts anderes als ein Ablenkungsmanöver. Zehntausende hatten in den Tagen zuvor gegen die verfehlte Wirtschaftspolitik der Junta und die Menschenrechtsverletzungen protestiert. In diesem angespannten Klima wurde der Plan zur Rückeroberung der Malvinen, der schon seit Monaten in der Schublade lag, vorgezogen: ein Krieg als Mittel zur innenpolitischen Befriedung.

Allerdings hatte Galtieri nicht mit dem eisernen Willen Margaret Thatchers gerechnet. Auch wenn die Angelegenheit der 13.000 Kilometer weit entfernten Kolonie auf der außenpolitischen Prioritätenliste einen bescheidenen Platz 249 einnahm, trat die englische Premierministerin am 3. April entschlossen vor das Parlament:

"Die Falkland-Inseln und die dazugehörigen Gebiete bleiben britisches Territorium. Keine Gewalt und keine Invasion kann etwas an dieser Tatsache ändern. Es ist das erklärte Ziel der Regierung, die Inseln von der Fremdbesetzung zu befreien und so schnell wie möglich in die Hände der britischen Verwaltung zu übergeben."

Nachdem die UNO-Verhandlungen ebenso gescheitert waren wie Vermittlungsversuche durch die Vereinigten Staaten, begann Großbritannien am 1. Mai mit der Rückeroberung. Die argentinischen Soldaten waren unerfahrene Wehrpflichtige, denen man zum Teil erst im Flugzeug erklärt hatte, wie eine Waffe funktioniert. Was nach dem Willen der Militärjunta zum "Vietnam Großbritanniens" werden sollte, endete als Fiasko. Während der Kämpfe starben 255 britische und 712 argentinische Soldaten. Am 15. Juni 1982 meldete der britische Rundfunk:

"Der Falkland-Krieg ist vorbei. Gestern um 21.00 Uhr, Mitternacht mitteleuropäischer Zeit, hat der Kommandant der argentinischen Streitkräfte, General Menendez, sich und seine gesamten Truppen dem britischen Obergeneral Jeremy Moore übergeben."

In Großbritannien profitierte Margaret Thatcher vom Popularitätsschub, den ihr der Krieg eingebracht hatte. In Argentinien wurde Galtieri gestürzt, ein Jahr später fanden zum ersten Mal seit Beginn der Militärdiktatur wieder demokratische Wahlen statt. Den gescheiterten Feldzug wollte man so schnell wie möglich aus dem Gedächtnis löschen, die Erlebnisse der jungen Kriegsveteranen auch. Edgardo Esteban war 19 Jahre alt, als er schwer traumatisiert von den Falkland-Inseln zurückkehrte.

"Die Militärs haben uns gezwungen, nach dem Krieg eine Schweigeverpflichtung zu unterschreiben. Sie versuchten uns einzuschüchtern. Offiziell sollten dadurch Kriegsgeheimnisse geschützt werden. Aber die Art und Weise, wie manche Soldaten behandelt wurden, macht jede Schweigepflicht obsolet."

Geschichten von sexuellem Missbrauch, Schlägen und Misshandlungen leugnet das Militär bis heute. Die Selbstmordrate unter den ehemaligen Soldaten ist erschreckend hoch: Über 450 von Estebans Mitkämpfern nahmen sich bisher das Leben.

"Argentinien ist in diesen Krieg gezogen wie in eine Fußball-Weltmeisterschaft. Es wurde uns immer gesagt, wir würden gewinnen. Und nach der Niederlage hat man uns vergessen und versteckt wie Aussätzige. Das Militär hat bis heute keine Selbstkritik geübt und sich nicht entschuldigt. Ein Verzeihung, das hätten wir gerne gehört."

Galtieri, einer der Hauptverantwortlichen der Invasion, wurde von einem Gericht wegen Inkompetenz im Amt zu zwölf Jahren Haft verurteilt und nach fünf Jahren begnadigt. Am Besitzanspruch auf die Inseln hält auch die aktuelle argentinische Regierung fest.

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