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StartseiteWirtschaft am Mittag"Ich soll die teure Kaffeemaschine runterwerfen?"03.04.2019

Geflüchtete im Arbeitsmarkt"Ich soll die teure Kaffeemaschine runterwerfen?"

Sprachbarrieren und rechtliche Hürden - sie stehen der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt am meisten im Weg. Zu dem Schluss kommt ein Unternehmer-Netzwerk. Das Interesse an Ausbildung aufseiten der Schutzsuchenden ist deutlich gestiegen. Ein Grund mehr, die Firmen nicht allein zu lassen.

Von Mischa Ehrhardt

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Ein syrischer Flüchtling arbeitet mit seinem Ausbilder in einem Metallbetrieb in Schleswig-Holstein (dpa / picture alliance / Carsten Rehder)
Das 'Netzwerk Unternehmen integriert Flüchtlinge', eine Initiative des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, unterstützt Unternehmen mit praktischen Tipps bei der Integration von Mitarbeiterinnen (dpa / picture alliance / Carsten Rehder)
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Der Anlass der kleinen Zwischenbilanz: Der 'Steigenberger Frankfurter Hof' ist das 2.000. Mitglied im "Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge". Das vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufene Netzwerk wurde 2016 gegründet. In ihm haben sich Unternehmen zusammengeschlossen, die sich für die Beschäftigung von Flüchtlingen engagieren. Zwei Themen umtreiben die Unternehmen besonders:

"Das eine ist immer die Sprache. Wie kann jemand die deutsche Sprache lernen? Wie funktioniert die Verständigung im Arbeitsalltag? Wie funktioniert das auch, wenn jemand eine Ausbildung macht in der Berufsschule mit den schwierigen Prüfungen? Und das zweite große Thema sind bürokratische Hürden, auch die Sorge von Betrieben vor Abschiebungen von Geflüchteten; einfach der Aufwand, der damit verbunden ist, Arbeitserlaubnisse und so weiter zu organisieren."

Das sagt Marlene Thiele, die Projektleiterin des "Netzwerks Unternehmen integrieren Flüchtlinge". Die Unternehmen des Netzwerks geben an, dass rund zwei Drittel der Flüchtlinge in Praktika oder für Hilfsarbeitertätigkeiten in den Firmen beschäftigt seien – Qualifizierungsmaßnahmen also oder Niedriglohntätigkeiten. Rund 13 Prozent der Schutzsuchenden befinden sich in Ausbildung. Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DIHK:

"In formalem Sinne bringen Sie in der Regel keine Ausbildung mit, zumindest nicht nach deutschem Muster. Sie bringen aber sehr großes Engagement mit, sie haben auch oft Berufserfahrung, wenn sie schon ein bisschen älter sind, und daran kann man anknüpfen. Und gerade auch in Branchen, wo wir Mangelsituation haben, Gastronomie, auch in der Logistik, im Baubereich, da gibt es durchaus Anknüpfungspunkte, an denen man ansetzen kann. Was die große Herausforderung bleibt, sind eben die Sprachkenntnisse, weil die in aller Regel nicht da sind und da brauchen die Betriebe eben auch Unterstützung."

Interesse an Ausbildung bei Geflüchteten ist groß

Das weiß auch Marion Frederike Krämer zu berichten, die Personaldirektorin des Frankfurter Hofes:

"Da haben wir sicherlich lernen müssen, dass wir uns nicht untereinander zurufen: 'Du, schmeiß doch mal die Kaffeemaschine an!' Und der Kollege denkt: 'Was soll ich jetzt die teure Kaffeemaschine runterwerfen?' Da hat zum Beispiel auch dieses 'Netzwerk integriert Flüchtlinge' sehr geholfen, die uns die Ideen gegeben haben, wie wir das machen können. Und natürlich müssen wir sagen, die Geflüchteten haben auch andere Hintergründe, auf der Flucht und ohne Familie vielleicht hier anzukommen, auch dem müssen wir uns anpassen."

Auf diesem Weg, so hofft die DIHK, sollen die ausgebildeten Flüchtlinge in Zukunft auch dabei helfen, den Fachkräftemangel hierzulande auszugleichen. Denn rund 60 Prozent der Industrie- und Handelsunternehmen geben an, offene Stellen vor allem für Fachkräfte nicht besetzen zu können. Bis dahin aber müssen die Flüchtlinge noch viele ihrer Ausbildungsgänge erfolgreich zu Ende bringen.

Denn Stand heute gibt das Unternehmensnetzwerk an, dass in den befragten Mitgliedsunternehmen nur 263 Flüchtlinge eine Stelle als Fachkraft besetzen – das ist ein Anteil von nur fünf Prozent. Auf der anderen Seite ist das Interesse an Ausbildung aufseiten der Schutzsuchenden groß, gibt die Bundesagentur für Arbeit an. Die Zahl junger Flüchtlinge, die mit Hilfe der Arbeitsagentur einen Ausbildungsplatz gesucht haben, ist zwischen Oktober und März um rund 15 Prozent gestiegen.

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