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StartseiteDeutschland heuteRecht auf Ruhe04.04.2019

Geldstrafen gegen laute AutosRecht auf Ruhe

Autofans, die mit heulendem Motor durch die Innenstadt fahren, sorgen für Ärger bei Anwohnern. Einige Verkehrsminister fordern deswegen höhere Strafen. In Mannheim hat man damit gute Erfahrungen gemacht.

Von Patrick Figaj

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Auf dem Foto sieht man ein sportliches Auto, das von der Polizei kontrolliert wird. (dpa/Uwe Anspach)
Polizeibeamte kontrollieren sogenannte Auto-Poser. Die Verkehrsminister der Länder wollen Raser, Drängler und Auto-Poser künftig härter bestrafen. (dpa/Uwe Anspach)
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Die Innenstadt von Mannheim: Quadratisch angeordnete Straßen. Häuserblöcke. Straßencafés mit direktem Blick auf vorbeifahrende Autos.

"Wenn die Leute in den Cafés sitzen. Das ist dann das Publikum das gesucht wird von den Posern."

Schlimm sei das, findet ein Cafégast. Aber aus Auto-Poser-Sicht: Perfekte Bedingungen. Alle schauen hin, wenn teure, tiefergelegte, hochglanzpolierte Mittelklasseautos vorbeidröhnen.

"Das sind Leute, die vielleicht sozial nicht auf der höchsten Stufe stehen, die aber mit diesen Autos zeigen wollen: Seht her, ich habe es geschafft. Und ich will auffallen", sagt der Leiter der Mannheimer Verkehrspolizeidirektion, Dieter Schäfer. 2016 war das Problem so massiv geworden, dass sich Anwohner zusammenschlossen, sogar wegziehen wollten.

"Gelbe Karte" für Poser

Polizei und Stadt mussten handeln. Schäfer und seine Kollegen beobachteten Poser teilweise aus den Wohnungen der Anwohner heraus. Und zeigten Auto-Posern die gelbe Karte.

"Wenn ein Auto zweimal aufgetaucht ist, an zwei unterschiedlichen Tagen, haben wir ihnen eine Warnung geschickt. Also eine gelbe Karte mit "Stop-Posing". Und haben ihnen gesagt: Ab sofort haben wir dein Fahrzeug im Blick. Also pass auf!"

Die Aktion sprach sich schnell herum. Heute, drei Jahre nach Beginn der Aktion, sind deutlich weniger Poser in der Stadt unterwegs. Verwarnungen und drohende Strafen schrecken ab.

Strenge Anwendung der Straßenverkehrsordnung

Dabei gibt der Bußgeldkatalog auf den ersten Blick gar nicht so viel her: Gerade mal zehn Euro kostet der Verstoß, wenn das Auto übermäßig getunt ist. Dieter Schäfer lässt das nicht gelten.

"In der Stadt Mannheim wird bei wiederholtem belästigendem Lärm – darüber führen wir Buch – eine Verfügung getroffen, dass der Halter oder Nutzer dieses Fahrzeugs dieses Verhalten einzustellen hat."

Schäfer verweist auf Paragraph 30 der Straßenverkehrsordnung und die Möglichkeit, Posern ein Zwangsgeld aufzubrummen, wenn sie unnötig laut umherfahren. Bis zu 1.500 Euro können dann fällig werden. Der Mannheimer Weg funktioniert in diesem Fall so gut, dass Schäfer Polizistinnen und Polizisten sogar in Hamburg geschult hat. Mit Ludwigshafen, das liegt genau gegenüber auf der anderen Rheinseite, arbeiten die Mannheimer zusammen. Auch dort wurde kontrolliert, um die Szene nicht aus den Augen zu verlieren, sagt der Mannheimer Oberkommissar Ralf Mayer:

"Wir haben ja in den zurückliegenden drei Jahren knapp 300 Fahrzeuge sichergestellt. Das waren Motorräder und Autos. Es hat sich zum Teil so entwickelt, dass viele gesagt haben, fahr nicht mehr nach Mannheim. Da wirst du eh erwischt. Viele haben auch die Einsicht gezeigt, haben ihr Fahrzeug zurückgerüstet. Die fahren dann leise."

Recht auf Ruhe statt Wunsch zum Lärm

Andere tun das nicht. Gehen sogar den juristischen Weg. Erst im Dezember hatte ein Autobesitzer vor dem Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim eine Abfuhr kassiert. Sein Jaguar F-Type – ab Werk mit sattem Auspuffsound ausgestattet – ist zu laut.

 "Man kann sich tatsächlich mit viel Geld Lärm kaufen", erklärt Schäfer. Der Fahrer wollte das Auto laut fahren. Schließlich habe er es so gekauft. "Und da haben ihm die Gerichte einen Riegel vorgeschoben. Haben gesagt nein. Das Recht der Allgemeinheit auf Ruhe ist höher zu bewerten als das individuelle Recht des Posers auf Ausleben seiner Wünsche und Lärm zu machen."

Innenminister wollen Strafen verschärfen

Auf europäischer Ebene sei da noch viel zu tun. Die Innenminister in Deutschland wollen jetzt schärfere Strafen für Poser und Raser nachschieben. Der Verkehrspolizist begrüßt das. Denn auch auf dieser Ebene gab es bereits Erfolge: Sogenannte Auspuffklappen, also Anlagen, die auf Knopfdruck den Auspuff-Lärm lauter oder leiser werden lassen, dürfen nicht mehr nachträglich eingebaut werden.

"Das geht nicht mehr. Das wird auch nicht mehr eingetragen beim TÜV. Und das sogenannte Soundbooster - elektronische Soundverstärker - verboten sind, das haben wir auch aufgrund unserer Maßnahmen veranlasst", freut sich Schäfer.

Schwierige Zeiten also für Poser in Mannheim. Aktuell ruhen deshalb die regelmäßigen Kontrollen. Auch, weil das Projekt extrem Personal-intensiv ist. In den kommenden Tagen soll aber wieder verstärkt kontrolliert werden. Denn die Frühlings-Sonne lockt den ein oder anderen - trotz aller Verbote - doch zu sehr.

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