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StartseiteCorso"Es geht darum, Privilegien anders zu denken"09.08.2019

Gender-Debatte"Es geht darum, Privilegien anders zu denken"

Im Buch „Frauen*rechte und Frauen*hass“ wird eine antifeministische Gesellschaft kritisiert - und auch mit Fäkalsprache beschrieben. Manchmal gebe es keine andere Möglichkeit, als gewaltvolle Verhältnisse drastisch zu beschreiben, sagte Mitautorin Anna Berg im Deutschlandfunk.

Anna Berg im Corsogespräch mit Christoph Reimann

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Das Foto zeigt eine junge Demonstrantin auf dem internationalen Frauentag vom 8. März 2019. Sie hält ein Schild mit der Aufschrift: "Stand up for women" (imago stock&people / Christian Mang)
Demonstration für Gleichberechtigung am Frauentag: Leben wir in einer antifeministischen Gesellschaft? (imago stock&people / Christian Mang)
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Die Auseinandersetzungen mit Gender-Themen und damit auch um zentrale feministische Errungenschaften würden sehr hart geführt, sagte Anna Berg im Deutschlandfunk, und zwar nicht nur von der extremen Rechten, sondern von breiten Gesellschaftsschichten und medialen Bereichen.

Berg ist Teil des Kollektivs Feministische Intervention, das das Buch "Frauen*rechte und Frauen*hass" herausgegeben hat. Feministische Anliegen würden als "merkwürdige Partikularinteressen" dargestellt, die keine gesellschaftliche Berechtigung hätten. Ein Beispiel sei geschlechtergerechte Sprache.

Kämpfe gegen ökonomische Gleichstellung

"Wir versuchen, Antifeminismus als ein sehr, sehr breites Phänomen zu beschreiben", so die Autorin. "Antifeminismus grundsätzlich ist der Kampf gegen zentrale feministische politische – vor allem – Errungenschaften." Es ginge dabei etwa um Kämpfe gegen ökonomische Gleichstellung im Arbeitsleben, aber auch um Repräsentation und Sichtbarkeit.

Für extreme Rechte sei Schutz vor sexualisierter Gewalt nur dann interessant, wenn Täter als migrantisch markiert werden könnten, kritisierte Anna Berg. Dies sei ein Beispiel für die Umdeutung eines zentralen feministischen Anliegens. Diese Umdeutungsversuche hätten Erfolge zu verzeichnen.

Toxische Männlichkeit

"Gesellschaftliche Veränderungen tun nun mal immer irgendwem weh. Es geht darum, Privilegien umzuverteilen, Privilegien anders zu denken, breiteren Bevölkerungsteilen Zugang zu Macht und ökonomischen Ressourcen zu geben." Dies spreche Ängste an, die auch bei vielen Personen außerhalb der extremen Rechten vorhanden seien.

Im Buch bedient sich das Kollektiv Feministische Intervention auch Fäkalsprache, um die sogenannte toxische Männlichkeit zu beschreiben. Es könne sein, dass diese Wortwahl Widerstand hervorrufe. Aber dies gelte für die gesamte Gender-Debatte, sagte Berg. Manchmal gebe es keine andere Möglichkeit, als gewaltvolle Verhältnisse drastisch zu beschreiben.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Autor*innenkollektiv Feministisches Netzwerk: "Frauen*rechte und Frauen*hass: Antifeminismus und die Ethnisierung von Gewalt"
Verbrecher-Verlag Berlin, 2019. 220 Seiten, 15 Euro.

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