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StartseiteInformationen am MorgenBlick zurück am 70. Geburtstag06.07.2016

George W. BushBlick zurück am 70. Geburtstag

Der 11. September, Krieg in Afghanistan und im Irak, Überwachung und Folter, Sturm Katrina, Weltwirtschaftskrise. George W. Bush hatte als 43. Präsident der USA mit Katastrophen und Krisen zu tun. Heute wird der damals durchaus umstrittene Präsident 70 - und findet vor allem versöhnliche Worte über Parteigräben hinweg.

Von Andreas Horchler

Der damalige US-Präsident George W. Bush bei einer Rede vor Soldaten im Jahr 2008 in Seoul. (picture alliance / dpa / epa Lee Pool)
Der damalige US-Präsident George W. Bush bei einer Rede vor Soldaten im Jahr 2008 in Seoul. (picture alliance / dpa / epa Lee Pool)
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Es war einer der relativ seltenen Auftritte George W. Bushs bei einer  Wahlkampfveranstaltung  seines Bruders Jeb. Damals im Februar wollte Jeb Bush noch Präsident werden. Der ältere Bruder George gab sich locker, entspannt, weit weg von der Bürde des ehemaligen Amtes. 

"Seit wir das Weiße Haus verlassen haben, bin ich in der Öffentlichkeit etwas ruhiger geworden. Acht Jahre im Rampenlicht waren eine Menge. Laura und ich sind sehr zufrieden mit dem Zustand, den sie als das Nachleben bezeichnet hat. Wir verbringen viel Zeit auf unserem Hof, wo wir Baum-Farmer geworden sind. Da kann ich meine Reden üben. 

Ich habe zwei Bücher geschrieben. Das hat eine Menge Leute erstaunt, die glaubten, ich kann nicht lesen und schon gar nicht schreiben."

Er sei fast sein ganzes Leben unterschätzt worden, schob der Ex Präsident einen seiner bekanntesten Wortdreher, einen "Bushism" nach. 

Bei allem Ernst seiner Präsidentschaft brachte Bush seine Zuhörer immer wieder zum Lachen, etwa, wenn er die Rede zur Lage der Nation bis zur Unkenntlichkeit durcheinanderbrachte.  

George W. Bush bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am 26. Januar 2006 (dpa / picture alliance / Martin H. Simon)George W. Bush bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am 26. Januar 2006 (dpa / picture alliance / Martin H. Simon)

George W. Bush wird immer mit dem Anfangsbuchstaben seines zweiten Vornamens Walker genannt, um ihn von seinem Vater George Herbert Walker Bush unterscheiden zu können. Manchmal ist in den USA auch von Bush 41, dem Vater und Bush 43, dem Sohn die Rede. Eine amerikanische  Politiker-Dynastie. Der Großvater Senator, der Urgroßvater einflussreicher Investmentbanker, Mutter Barbara Bush stammt von US-Präsident Franklin Pierce ab. 

Vater Bush stieg in den 40er-Jahren ins Ölgeschäft ein. Die Familie übersiedelte vom neuenglischen Connecticut nach Midland, Texas. 

Im Internat und an der Eliteuniversität Yale galt George W., das älteste von sechs Bush-Kindern, als trinkfest und feierfreudig. "Er habe sich nicht so gut benommen, als er jünger war", sagte Bush Jahre nach seiner Präsidentschaft. 

Der 40. Geburtstag wurde für Bush zum Wendepunkt. Er schwor dem Alkohol ab, wurde zum gläubigen Christen und stieg in die Politik ein. Für seinen Vater, ab 1994 als Gouverneur von Texas, im Wahlkampf des Jahres 2000 als republikanischer Präsidentschaftskandidat mit sozial-konservativen Vorstellungen. Immer mit der Unterstützung der Familie, von Frau Laura, vor allem von Mutter Barbara. Es schmerze sie, wenn Leute George W. kritisierten. Man solle sich hüten, das jemals vor ihr zu tun.

Er gewann die Wahl, obwohl Bill Clintons Vizepräsident Al Gore mehr Stimmen hatte und die Nachauszählung in Florida gestoppt wurde. Dort war Bruder Jeb Bush damals Gouverneur. 

Dreh- und Angelpunkt seiner Präsidentschaft aber wurden die Anschläge vom 11. September 2001, nicht einmal ein dreiviertel Jahr nach Bushs Einzug ins Weiße Haus. 

"Amerika liegt heute auf den Knien. Wir beten für die Menschen, deren Leben hier verloren gingen. Für die Arbeiter, für die trauernden Familien. Ich höre sie! Ich höre sie! Der Rest der Welt hört sie! Und die Leute, die diese Gebäude zum Einsturz brachten, werden alle bald von uns hören!"

Schon am 7. Oktober begann die Operation "Enduring Freedom", der Krieg gegen die Taliban und das Terrornetzwerk Al Kaida in Afghanistan. Bush hatte sich in seinem Kabinett mit den neo-konservativen Freunden seines Vaters umgeben. Auch Vizepräsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld unterstützten die Vorstellung der USA als einziger verbliebener Supermacht, die die Geschicke der Welt steuert. 

"Saddam Hussein zu entfernen, war die richtige Entscheidung"

Am 20. März 2003 kam der Krieg gegen den Irak dazu, obwohl die Beweise für dessen Massenvernichtungswaffen und die Verbindungen zum internationalen Terrorismus alles andere als stichhaltig waren.

Würde er sich im Krieg gegen den Terror so verhalten wie 2001? Im Jahr 2013 sagte Bush:   

"Die Taktik muss man sich noch einmal ansehen. Auf der anderen Seite: Saddam Hussein zu entfernen, war die richtige Entscheidung. Amerika ist sicherer, das irakische Volk hat die Chance, in einer freien Gesellschaft zu leben."

Bilanz des Feldzugs bis 2010: Fast 4.500 tote US-Soldaten, nach Angaben der unabhängigen Organisation Iraq Body Count kostete der Krieg inzwischen mehr als 250000 Opfer, vor allem Zivilisten.

George W. Bush bescherte seinem Land ein Heimatschutzministerium, einen Patriot Act, der den Geheimdiensten erlaubte, US-Bürger und Ausländer in bisher ungekanntem Maß auszuspionieren, das Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba und Foltergefängnisse wie Abu Ghraib im Irak. Ein moralischer Tiefpunkt für Amerika, der durch das Versagen der Bush-Regierung angesichts des Hurrikans Katrina im August 2005 und die geplatzte Immobilienblase mit anschließender Weltwirtschaftskrise 2008 abgerundet wurde. Als George W. Bush im Weißen Haus Präsident Obama Platz machte, war er so unbeliebt wie vor ihm nur Richard Nixon. 

Aber die Amerikaner verzeihen. 2015 war der Ex-Präsident beliebter als Obama und Hillary Clinton.

Als 2012 das Porträt des 43. US-Präsidenten im Weißen Haus enthüllt wurde sagte Bush: "Ich bin hocherfreut darüber, dass mein Porträt eine Symmetrie in die Sammlung des Weißen Hauses bringt. Sie beginnt und endet jetzt mit einem George W."

Trotz identischer Initialen: George Washington, ihren ersten Präsidenten werden nur sehr wenige Amerikaner in einem Atemzug mit dem 43. Amtsinhaber George Walker Bush nennen. Auch nachdem der sein 70. Lebensjahr vollendet hat.

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