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StartseiteMarktplatzWarum sich ein Minijob auch lohnen kann06.07.2017

Geringfügige BeschäftigungWarum sich ein Minijob auch lohnen kann

Rente aufbessern, flexible Arbeitszeiten und das bei gleichen Rechten wie für Arbeitnehmer: Ende 2016 arbeiteten knapp sieben Millionen Menschen in Deutschland in einem Minijob. Mehr als die Hälfte davon sind Frauen. Zwei von ihnen erzählen, warum sie mehr als zufrieden damit sind.

Von Vivien Leue

Eine Reinigungskraft vom Online-Reinigungsdienst Homejoy putzt am 04.11.2014 in einer Wohnung in Berlin. (dpa/Jens Kalaene)
Besser als Reinigungskraft arbeiten als zum Sozialamt gehen - so denken viele Minijobber. (dpa/Jens Kalaene)
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"Mir gefällt's hier richtig gut. Vier, fünf Stunden bin ich als Küchenhilfe angestellt an den Schulen bei der Mittagsausgabe und als Spülkraft." Simone Kramer sitzt im Büro ihrer Chefin bei der Düsseldorfer Dienstleistungsagentur Casa Blanka und erzählt, warum sie neben ihrem Vollzeitjob als Hausmeisterin noch an zwei- bis drei Tagen die Woche einen Minijob hat. 

"Ja, dass ich mit den anderen Arbeitskollegen zusammen arbeite, dass ich viel unter Leute komme, Mitte des Monats mehr Geld auf dem Konto habe, dass ich mir was leisten kann, Urlaub oder  einkaufen gehen, besser einkaufen gehen, schöne Sachen kaufen." Die 48-Jährige hat ganz gezielt nach einem Minijob gesucht, denn "sonst wäre eben zweite Lohnsteuerkarte, da hätte ich Lohnsteuerklasse 6 dann, ne … dann habe ich noch mehr Abzüge, also 450 ist schon ganz gut."

Attraktiver als Teilzeitarbeit

Ihre Chefin Birgit Malzahn nickt verständnisvoll. Sie hört das häufig: Vor allem Bewerber, die neben einem Vollzeitjob noch etwas dazu verdienen wollen, bevorzugen oft den Minijob, statt einer Teilzeit-Anstellung. Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg stellte im vergangenen Jahr fest: Mehr als 80 Prozent der Minijobber sind mit ihrer Arbeitszeit zufrieden - und wollen gar nicht aufstocken. 

Casa-Blanka-Chefin Birgit Malzahn stellt allerdings lieber Vollzeit- oder Teilzeitkräfte ein als Minijobber. "Wenn ich jemanden ganz normal sozialversicherungspflichtig ab 15 Stunden aufwärts beschäftige, dann habe ich Sozialversicherungsabgaben in Höhe von 22,5 Prozent ungefähr. Beschäftige ich einen Minijobber, bezahle ich dafür pauschal 30 Prozent."

Minijobber für Randzeiten und als Springer

Für Arbeitgeber hat der Minijob aber auch Vorteile: Der bürokratische Aufwand ist vergleichsweise gering und Minijobber lassen sich zum Beispiel im Einzelhandel gut in Randzeiten einsetzen, wenn nach der Tagesschicht noch jemand von 18 bis 22 Uhr gebraucht  wird - sozialversicherungsfreie Zuschläge erhalten auch sie. Oder sie helfen - wie Simone Kramer - als Springer aus, wenn mal jemand krank ist. Zwei- bis dreimal die Woche, für jeweils vier bis fünf Stunden unterstützt Simone Kramer so die Essensausgabe an Schulen.  

"Ein Minijobber, eine Minijobberin arbeitet unter 15 Wochenstunden, bekommt den gleichen Lohn, den gleichen Urlaub, hat den gleichen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wie alle anderen sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter auch."

Birgit Malzahn weiß von Erzählungen ihrer Arbeitnehmer, dass es vor allem für Minijobber im privaten Bereich zum Teil Probleme damit gibt, den Urlaubsanspruch durchzusetzen oder im Krankheitsfall den Lohn zu bekommen. Größere Firmen hielten sich aber erfahrungsgemäß an die gesetzlichen Vorgaben. 

Rente aufbessern - und unter Leuten sein

Casa Blanka ist ein städtisches Unternehmen der Zukunftswerkstatt Düsseldorf.  Deren Ziel ist es unter anderem, berufliche Perspektiven zu schaffen, auch für Menschen, die es sonst schwer haben auf dem Arbeitsmarkt. 

Menschen, wie Regina Blechschmidt. Die 64-Jährige ist vor einigen Jahren aus Sachsen nach Düsseldorf gezogen, um näher bei ihrer Tochter und den Enkeln zu sein. Seit 2014 arbeitet sie bei Casa Blanka als Reinigungskraft. In Sachsen hatte sie ihre Mutter gepflegt und war dann lange Jahre arbeitslos gewesen. "Da fällt ihnen die Decke auf den Kopf. Und so ist man unter Leuten, auf der Arbeit. Das macht Spaß, das Leben jetzt. Man sieht was."

Regina Blechschmidt strahlt, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt. Sie ist in Privathaushalten eingesetzt - und denkt noch gar nichts ans Aufhören, obwohl sie schon seit einem Jahr in Frührente ist. "Solange wie ich mich so fühle, wie es jetzt ist, geht's. Wenn ich früh auf Arbeit komme, ich muss sagen, das ist wie eine Familie, wenn ich da rein komme. Wir verstehen uns einwandfrei."

Allerdings würde ihre Rente alleine wohl zum Leben auch nicht reichen, sagt die 64-Jährige: "Was sind schon 660 Euro Rente? Ich kriege ja nicht viel. Ich muss ja dazu verdienen." Der Minijob sei deshalb gerade genau das Richtige für sie. "Wenn ich hier nicht arbeiten hätte dürfen, hätte ich müssen zum Sozialamt gehen … Aber da bin ich der Firma sehr dankbar dafür, dass ich den Minijob machen kann."

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