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Germanwings-Absturz
Schwierige Suche nach den Opfern

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine gehen die Ermittlungen mühsam voran. Die Ursache ist weiter unklar und die Bedingungen an der Unglücksstelle sind schwierig. Aber die Hilfsbereitschaft der Menschen vor Ort ist groß - sie wollen die Angehörigen der Opfer bei ihrer Trauerarbeit unterstützen.

Von Ursula Welter | 26.03.2015

    Bundeskanzlerin Merkel (li), Frankreichs Präsident Francois Hollande (Mitte) und der spanische Premier Mariano Rajoy (re) auf einer Pressekonferenz nach dem Besuch der Absturzstelle der Germanwings-Maschine.
    Bundeskanzlerin Merkel (li), Frankreichs Präsident Francois Hollande (Mitte) und der spanische Premier Mariano Rajoy (re) auf einer Pressekonferenz nach dem Besuch der Absturzstelle der Germanwings-Maschine. (picture alliance / dpa / Christophe Ena)
    "Bonjour, et merci beaucoup" - eine sichtlich bewegte Bundeskanzlerin bedankte sich bei den französischen Einsatzkräften, die unter schwierigsten Bedingungen die Absturzstelle sichern und so für die Bergung der sterblichen Überreste und der Flugzeugteile sorgen.
    Um sich ein Bild zu machen, hatten Angela Merkel und Francois Hollande mit einem Helikopter die Felsenregion überflogen, an der über mehrere Hektar verteilt die Trümmer liegen. Nach der Landung schloss sich den beiden auch der spanische Premierminister Mariano Rajoy an.
    "Dies sind Spezialkräfte zur Identifizierung der Opfer", erklärte Francois Hollande, als die Politiker den Einsatzkräften die Hände schüttelten.
    In einer feierlichen Erklärung kondolierte Frankreichs Staatspräsident anschließend und versicherte an die Adresse Deutschlands, Spaniens und der betroffenen Nationen: "Frankreich ist in dieser Prüfung an Ihrer Seite."
    Er versprach den Angehörigen der Opfer, dass alles getan werde, damit die Körper gefunden, identifiziert und ihren Familien übergeben werden könnten. Die Bergung der sterblichen Überreste der Opfer hat Vorrang, aber sie gestaltet sich schwierig. Deutschland, aber auch die USA und Russland, haben Frankreich Unterstützung angeboten.
    Bergung wird Tage dauern
    In jedem Fall werde die Bergung Tage in Anspruch nehmen, stellte Staatsanwalt Brice Robin klar, die Auswertung von DNA-Spuren werde sich über Wochen hinziehen. Robin leitet mit einem guten Dutzend Juristen aus Marseille und Aix-en-Provence die Untersuchung auf rechtlicher Ebene. Die Europäische Einheit für justizielle Zusammenarbeit der Europäischen Union, Eurojust, habe bereits zwei Anfragen nach Frankreich übermittelt, sagte Robin. Auch Opferverbände hätten ihre anwaltliche Arbeit aufgenommen.
    Die französische Behörde für die Sicherheit der zivilen Luftfahrt, BEA, gab bekannt, dass auf dem ersten Flugschreiber, der am Unglücksort gefunden wurde verwertbares Tonmaterial vorhanden sei. Der Direktor der Behörde, Rémi Jouty, sagte, es sei aber sehr viel zu früh, daraus Schlüsse auf die Ereignisse und Abläufe zu ziehen. Die Detailarbeit, um die Stimmen und die Geräusche auf dem
    Tonband zu interpretieren, beginne jetzt erst. An der Auswertung sind auch deutsche und spanische
    Experten beteiligt.
    Staatspräsident Hollande hatte Gerüchte genährt, dass die Hülle des zweiten Flugschreibers mit den technischen Informationen über den Flugverlauf gefunden worden sei, es fehlten jedoch die Inhalte - der Sprecher der BEA meinte dagegen, der zweite Flugschreiber sei noch nicht geortet.
    Psychologen und Dolmetscher im Einsatz
    In den kleinen Bergdörfern Vernet, das dem Unglücksort am nächsten liegt, und in Seyne-les-Alpes, von wo aus die Bergungsarbeiten koordiniert werden, und im etwas weiter entfernten Digne wurden unterdessen erste Angehörige betreut, abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Psychologen, auch spanische, Ärzte, rund 40 Dolmetscher sind im Einsatz. Eine Trauerhalle wurde jeweils hergerichtet, dort liegen Beileidskränze und Kondolenzbücher aus. Die Regionalbehörden haben am Bahnhof von Marseille sowie an den umliegenden Flughäfen Empfangsgruppen platziert, um eintreffende Familienmitglieder zum Bergmassiv zu bringen, an dem sich das Drama ereignet hat.
    Mehr als 900 Unterkünfte wurden organisiert, die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist groß. Bewohner in den französischen Südalpen bieten Zimmer und Wohnungen an: "Ich könnte ohne diese Geste nicht ruhig einschlafen, ich mache das gerne", erklärte diese Frau, die dem Bürgermeisteramt sechs Betten für Angehörige der Opfer angeboten hat.
    Auch unter den Bergungskräften gibt es viele Freiwillige, die die Experten bei der Arbeit in der Felsenregion unterstützen. Die französische Regierung sagte unterdessen allen Angehörigen zu, ihnen den Aufenthalt in Frankreich zu ermöglichen, ganz gleich, wie lange sie dies für ihre Trauerarbeit wünschten.
    Angela Merkel ermunterte die Familien der Opfer, in die Region zu kommen, und hob den würdigen und herzlichen Rahmen hervor, der dort in den Dörfern für die trauernden Angehörigen bereitgehalten wird.