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StartseiteHintergrundDas schwere Erbe der deutschen Kolonialzeit17.01.2015

Geschichtsgarten Deutschland-Tansania Das schwere Erbe der deutschen Kolonialzeit

In Hamburg soll Deutschlands koloniale Vergangenheit in Afrika aufgearbeitet werden, zusammen mit der tansanischen Partnerstadt Daressalam. Rund um den Park im Stadtteil Jenfeld gibt es eine Kontroverse - und auch in Tansania selbst blickt man recht unterschiedlich auf die Vergangenheit.

Von Michael Marek und Sven Weniger

Eine Frau fotografiert am 5.9.2003 das Askari-Relief im Tanzania-Park in Hamburg. (Ulrich Perrey, dpa picture-alliance)
Eine Frau fotografiert das Askari-Relief im Tanzania-Park in Hamburg, hier eine Aufnahme von 2003. (Ulrich Perrey, dpa picture-alliance)
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(Deutschlandfunk, Andruck - Das Magazin für Politische Literatur, 14.05.2012)

Jenfeld, im Osten Hamburgs: Teile des Stadtviertels gelten als sozialer Brennpunkt. In einem kleinen Park stehen Ehrenmale und Skulpturen der deutschen Kolonialgeschichte, versteckt und unscheinbar unter hohen Bäumen. Das Eingangstor zum Gelände ist seit Jahren verschlossen, das Unkraut steht hoch. Hier will die Freie und Hansestadt die deutsche Kolonialzeit in Afrika kritisch aufarbeiten. Als erste Stadt in Deutschland überhaupt, so Enno Isermann, Pressesprecher der zuständigen Hamburger Kulturbehörde:

"Das gesamte Thema koloniale Aufarbeitung hat in keiner Weise bei uns in Deutschland und auch in Hamburg nicht eine richtige, fundierte Grundlage. Es gibt immer mal wieder Initiativen, die völlig zu Recht darauf hingewiesen haben: Wir müssen uns dieses Themas annehmen."

Das ehemalige Deutsch-Ostafrika umfasste einst die heutigen Länder Burundi, Ruanda und Mosambik, vor allem aber Tansania. Hier standen zwischen 1885 und 1918 die sogenannten Schutztruppen des Kaisers, angeführt von Offizieren wie Hermann von Wissmann und Paul von Lettow-Vorbeck. Nach ihm wurde die Kaserne gleich neben dem Park benannt. Von ihr sind heute nur noch Reste übrig.

"Jetzt müssen wir aber dafür sorgen, dass dieser Name auch kritisch eingebettet wird, dass die Leute nicht nur vorbei gehen und sagen, der Name ist xyz, sondern gezwungen sind - in Anführungszeichen - sich mit der kritischen Geschichte dieses Namens auseinanderzusetzen."

2003 als Tansania-Park geplant, stand das Projekt von Anfang an unter einem unglücklichen Stern. Besonders zwei großflächige Reliefs aus Terrakotta fanden ein äußerst kontroverses Echo: Eines zeigt, wie vier schwarze Askaris demütig einem deutschen Offizier folgen. Als Askaris wurden afrikanische Soldaten bezeichnet, die Kolonialmächten wie Deutschland, Großbritannien oder Belgien dienten. Auf dem zweiten Relief sind vier schwarze Träger zu sehen, die einen einheimischen Askari begleiten.

Relief aus der Nazi-Zeit

Allen Figuren sind die scharf geschnittenen, ausdruckslosen Gesichtszüge eigen. Der Bildhauer Walter von Ruckteschell, selbst Mitglied der Kolonialtruppe, schuf die Reliefs 1938 während der NS-Zeit. Die Schriftzüge der Reliefs - "Schutztruppe 1914 bis 1918" und "Deutsch-Ostafrika" - sowie der Zeitpunkt ihrer Ausführung machen deutlich: Hier werden deutsche Feldzüge während des Ersten Weltkriegs in Ostafrika ideologisch verbrämt. Feldzüge, in denen rund eine halbe Million Afrikaner ihr Leben verloren.

Proteste gegen die Überhöhung deutscher Herrenmenschen als Anführer einheimischer Hilfskräfte begleiteten das Projekt. Demonstranten zogen 2003 mit Plakaten zum Parkgelände, um an die Gräuel kolonialer Besatzer zu erinnern. Einen Tag vor der Eröffnung des Parks benannte ein Bündnis von Hamburger Initiativen das Gelände in einer symbolischen Aktion kurzerhand um: Auf einem weißen Schild war "Mohammed Hussein Bayume Park" zu lesen – in Erinnerung an einen Mann, der 1904 in Daressalam geboren wurde:

Ein deutscher Regierungsbeamter auf einer Reise ins Innnere Kameruns. (picture alliance / dpa)Ein deutscher Regierungsbeamter auf einer Reise ins Innnere Kameruns. (picture alliance / dpa)Bayume Mohammed Hussein diente im Ersten Weltkrieg als Kindersoldat in der sogenannten Schutztruppe unter General von Lettow-Vorbeck und kam später nach Deutschland. Er ließ sich in Berlin nieder, heiratete eine sudetendeutsche Frau. Um die Lebensbedingungen für sich und seine Familie im nationalsozialistischen Deutschland zu verbessern, positionierte er sich aktiv in der neokolonialen Bewegung. Trotzdem wurde Bayume 1941 von der Gestapo verhaftet und 1944 im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet. Heute erinnert ein Stolperstein in Berlin-Mitte an Bayume.

Sein Schicksal stehe "beispielhaft für das vieler Menschen schwarzer Hautfarbe im Dritten Reich", schrieben die Hamburger Initiatoren 2003. Damit sollte an die Opfer kolonialer Ausbeutung und rassischer Gewalt erinnert werden. Der tansanische Präsident sagte schließlich sein Kommen zur Einweihung ab und der Senat daraufhin die Einweihung selbst. Für viele Jahre herrschte Schweigen im Park.

Kritiker wie die Gesellschaft für bedrohte Völker sehen in den Denkmalen die dunkle Epoche deutscher Kolonialgeschichte verherrlicht. Sie brächten sowohl kolonialrevisionistische als auch nationalsozialistische Auffassungen von Treue und Gehorsam der schwarzen Soldaten zum weißen Führer zum Ausdruck, so die Initiative afrika-hamburg. Inzwischen gestalte Hamburg seine Beziehungen zu Tansania und Daressalam zeitgemäßer, so Enno Isermann: Seit Juli 2010 gibt es eine Städtepartnerschaft zwischen der Metropole an der Elbe und der am Indischen Ozean.

"Die Idee dieser Städtepartnerschaft ist, dass wir den eurozentristischen Blick, den wir häufig auf unsere Geschichte gehabt haben oder immer noch haben, dass wir den aufbrechen wollen. Dass wir nicht nur sehen wollen, wie sieht die Kolonialgeschichte hier vor Ort aus, sondern auch mit den Leuten in Tansania, mit der Universität in Daressalam gucken wollen, wie wird denn die Geschichte bei euch diskutiert. Wo steht ihr heute, was erwartet ihr auch von uns?"

Daressalam ist Partnerstadt Hamburgs

Die Azania Front Church ist die schönste Kirche Daressalams. Das Gotteshaus mit seinen roten Ziegeldächern wurde 1898 von der deutschen Kolonialgemeinde gebaut. Jeden Sonntag feiert die lutherische Gemeinde Gottesdienst. Schon von draußen sind die Gospelgesänge zu hören. Die Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Daressalam, zweier großer Handelsstädte, ermutige ihn, sagt Alex Malasusa, der Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Tansania:

"Zwischen Darresalam und Hamburg gibt es eine Menge Gemeinsamkeiten. Beide sind große Hafenstädte. Daressalam ist ein Tor für Tansania und Ostafrika insgesamt, aber auch für Hamburg nach Afrika. Die Menschen beider Städte müssen einander kennenlernen, dann können sie auch voneinander lernen. Die Städtepartnerschaft bietet eine einmalige Chance dafür."

Dennoch ließ sie sich von Beginn an holprig an: Während man auf Hamburger Seite oft mit schnell und unvermittelt wechselnden Ansprechpartnern in Daressalam haderte, erhofften sich die tansanischen Partner mehr finanzielles und wirtschaftliches Engagement von dem Bündnis, obwohl Deutschland und die EU eine Menge Geld nach Tansania gebracht hätten, wie Bischof Malasusa anerkennt. Zwar gibt es Hamburger Unterstützung für die Feuerwehr in Tansanias Regierungssitz, den Austausch von Theatergruppen und Besuche von Politikern, Kirchenvertretern und Historikern. Im September 2014 fand in Hamburg eine Woche der Städtepartnerschaft statt, die von Gruppen, Initiativen und Bürgern beider Metropolen gestaltet wurde. Doch viel mehr als ein Teilzeitrepräsentant der Elbmetropole in Daressalam mit knappem Budget scheint zurzeit nicht möglich.

Im Goethe-Institut von Daressalam arbeitet Daniel Sempeho. Er sitzt in dem kleinen Vortragssaal des schmucklosen Bungalows im ruhigen Stadtteil Upanga:

"Ich glaube, vielen Tansaniern ist das nicht mehr bewusst, dass die Deutschen hier als Besatzer waren. So waren auch die Briten, die waren auch Besatzer hier. Das würde ich auch sagen, dass sich sehr wenige Leute dafür interessieren. Die Leute haben jetzt viel mehr zu tun mit der Gegenwart. Es gibt so viele Herausforderungen, dass ein normaler Tansanier überhaupt keine Zeit hat, soweit zurückzublicken. Es gibt Politiker, die alle schlechten Sachen auf die Kolonialbesatzer schieben. Aber die Menschen sind jetzt mehr wachsam. Die wissen, man kann nicht alle Probleme auf die Kolonialzeit schieben. Ich glaube, diese Zeit war beides. Wenn man mit Leuten spricht, die viel älter als ich sind, die auch diese Zeit erlebt haben. Man spricht von den Deutschen als sehr autoritär, die die Leute unterdrückt haben, ja. Aber man sollte auch nicht vergessen, es waren auch die Deutschen, die die Kisuaheli-Sprache viel gefördert haben. Es war in dieser Zeit, dass das erste Kisuaheli-Wörterbuch geschrieben wurde. Das hatte positive Auswirkungen. Und das ist zum Beispiel im Gegensatz zu Kenia, wo Kisuaheli nicht so stark etabliert ist als Landessprache. Für mich war das ein positiver Aspekt."

Es sei sicher überraschend für deutsche Ohren, wie wenig Gedanken in Tansania an die alte Zeit verschwendet werden. Man lebe eher im Heute als im Gestern, fügt Sempeho hinzu: Was früher einmal war, spiele keine Rolle.

Wenig Interesse an der Vergangenheit

Ganz ähnlich sieht das Abdallah Ulimwengu. Der 39-Jährige sitzt unter einem gewaltigen Affenbrotbaum in Bagamoyo. Der kleine Ort, 70 Kilometer nördlich von Daressalam an der Küste gelegen, war einst die erste Hauptstadt Deutsch-Ostafrikas und einer der bedeutendsten Handelshäfen. Ulimwengu führt Touristen als Stadtführer durch Bagamoyo. Jetzt macht er gerade Pause. Eine deutsche Reisegruppe streift derweil durch eine verlassene Kolonialvilla in einer der ältesten Siedlungen Tansanias. Ulimwengu erklärt, wie man im Land über die deutsche Kolonialzeit denkt:

"Die Tansanier haben keine negativen Gefühle. Die Deutschen waren ja nur eine sehr kurze Zeit hier und haben aber eine Menge geleistet, besonders bei der kolonialen Infrastruktur. Übrigens mehr als die Briten. Es gibt zum Beispiel viele Dinge, die heute noch in Gebrauch sind. Der große Unterschied ist, dass dies für die Deutschen eine Kolonie war, während die Briten es nur als Protektorat verwalteten und nichts selbst aufbauten. Natürlich wurden die Eisenbahnlinien damals auch gebaut, um die Bodenschätze des Landes auszubeuten. Aber jetzt können wir sie immer noch nutzen. Für uns ist das ein Glück, obwohl es damals einen anderen Zweck hatte. Aber die Deutschen sind halt nicht mehr hier. Wir haben hier in Bagamoyo eine Schule. Dort konnten zum ersten Mal Araber, Afrikaner und Inder zusammen studieren. Die Schule wurde von den Deutschen 1896 gebaut und existiert immer noch."

Die Mwambao Primary School wurde dank einer Partnerschaft mit der Marienschule in Ahlen und eines deutschen Freundeskreises seit 2003 wieder aufgebaut und eingerichtet. Etwa 700 Schüler werden dort heute in sieben Jahrgängen unterrichtet - unter ihnen 300 AIDS-Waisen:

Gräber für deutsche Soldaten, die im Ersten Weltkrieg in Ostafrika gefallen sind, auf dem Militärfriedhof in Daressalam in Tansania. (picture alliance / dpa / Carola Frentzen)Gräber für deutsche Soldaten, die im Ersten Weltkrieg in Ostafrika gefallen sind, auf dem Militärfriedhof in Daressalam in Tansania. (picture alliance / dpa / Carola Frentzen)"Mwambao heißt an der Küste gelegen. Deshalb wurde die Schule so genannt. Die Regierung richtet bei uns zwar die Schulen ein, baut aber oft keine Gebäude für den Unterricht. Das war hier einfach eine Ruine. Jetzt haben wir ein zweistöckiges Schulhaus. Und das ist sehr modern im Vergleich zu dem, was die Regierung normalerweise baut."

Während Tansanier von ihrer noch funktionierenden Eisenbahnlinie, die deutsche Kolonialisten einst ins Landesinnere legten, stolz als einer Errungenschaft sprechen, werden hierzulande eher Erinnerungen an Hitlers Autobahnbau wach. Abdallah Ulimwengu:

"Die jungen Tansanier wissen nicht viel über die koloniale Vergangenheit. Das liegt daran, dass die Briten damals ein eigenes Schulsystem einführten. Die hatten gar kein Interesse daran, dass wir uns an die Vergangenheit erinnern sollten. Daher wissen die meisten auch nichts darüber. Für mich ist die ganze Kolonialzeit einfach Vergangenheit, ein Teil der Geschichte. Für die jungen Tansanier ist das kein Thema mehr, vergessen. Aber ich selbst finde Geschichte deswegen spannend. Und zwar ganz ohne Ressentiments, weil wir nur mit ihr verstehen, wohin wir heute gehen müssen."

Die Kolonialzeit sei Geschichte, kein Thema mehr, so sieht der Fremdenführer Abdallah Ulimwengu das. Dann schaut er hinüber auf seine Gäste, die gerade aus der halb verfallenen Stadtvilla treten. Die Sonne wirft ihre Strahlen durch den Filter, den das Blätterdach der Palmen über ihnen aufspannt. Die Besichtigung Bagamoyos geht weiter.

Tansanischer Historiker kritisiert Umgang mit Kolonialzeit

Von Tansanias Alltag aus betrachtet erscheint der Streit rund um die Gedenkstätte im fernen Hamburg wie eine sehr akademische, sehr deutsche Angelegenheit. Und so ist es vielleicht auch kein Zufall, dass es ein emeritierter Geschichtsprofessor in Daressalam ist, der genau dort einhakt. Kapepwa Tambila sitzt in der Cafeteria der Universität vor den Toren der Stadt. Ein weißhaariger Herr über 70, der auch in der Hitze nie ohne Anzug aus dem Haus geht:

"Ich unterscheide mich nicht viel von jenen Deutschen, die unsere gemeinsame Geschichte als problematisch bezeichnen. Denn die Beziehungen zwischen Kolonisierern und Kolonisierten waren stets sehr ungleich. Das gilt für deutsche Kolonialherren ebenso wie für britische, französische, belgische und italienische. Sie alle drückten Gebieten, die ihnen nicht gehörten, ihre Regeln auf – und das gegen den Willen derer, die dort lebten. Ich will, dass man diese Kolonisierung nicht vergisst. Der sehr gewalttätige Umgang deutscher Schutztruppen mit der afrikanischen Bevölkerung ist bis heute in keiner Weise aufgearbeitet worden."

Ihn störe, wenn Tansanier und Deutsche ohne Bedenken über die gemeinsame Geschichte hinweggingen. Denn Kolonialisierung sei keine Einladung zur Tee-Party gewesen:

"Als Carl Peters, der deutsche Kolonialist, Afrikaforscher und Rassist nach Bagamoyo kam, unterzeichnete er gefälschte Verträge mit einigen der Stammesfürsten hier, die keine Ahnung davon hatten, was sie eigentlich unterschrieben. Mit diesen Fälschungen beanspruchte Peters das Land der Stämme, ohne dafür zu bezahlen. Niemand macht so etwas. So müssen wir das betrachten. Zwar sind die Menschen von damals alle tot, aber Geschichte wird von Historikern bewahrt und muss von ihnen hinterfragt werden. Das ist deren Aufgabe."

Professor Tambila glaubt, dass Europäer noch immer ein verqueres Bild ihrer Kolonialherrschaft in Afrika im Kopf haben:

"1984 wurde ich nach Deutschland eingeladen aus Anlass des Jahrestages der Kongo-Konferenz, in der die Europäer 100 Jahre zuvor Afrika faktisch unter sich aufgeteilt hatten. Da wurde ständig von 100 Jahren Partnerschaft gesprochen. Ich finde, das ist eine sehr unkorrekte Darstellung der Tatsachen."

Er sehe noch viel Nachholbedarf, sagt Historiker Tambila. Fremdenführer Abdallah Ulimwengu hingegen findet, man solle die Geschichte endlich ruhen lassen und sich über ihren Nutzen für die Gegenwart freuen - darüber, dass Touristen die Stätten besuchten, die vor langer Zeit einmal von Bedeutung für das ferne Land in Europa waren. Auf einem kleinen Friedhof direkt am Strand von Bagamoyo stehen einige Grabsteine von Deutschen, die hier Ende des 19. Jahrhunderts beerdigt wurden und nun in Frieden ruhen. Palmen rauschen im Wind, der Strand beginnt gleich hinter dem Mäuerchen, das den Kolonialfriedhof umrandet. Von der Moschee wehen die Gebete des Muezzins herüber.

Auch in Hamburg-Jenfeld sollen endlich Ruhe und Harmonie beim Thema Gedenkstätte einkehren. Nach jahrelangem Hin und Her über Art und Ausstattung des Tansania-Parks wurde dieser kürzlich umgetauft. Im schwerfälligen Sprech der Political Correctness heißt er nun "Geschichtsgarten Deutschland – Tansania. Gedenkort Deutscher Kolonialismus in Afrika":

"Wir haben jetzt einmal 410.000 Euro zur Verfügung gestellt, mit der wir vor allem die wissenschaftliche Aufarbeitung vorantreiben wollen. Und das kann sicherlich erst einmal nur der erste Schritt sein."

Erklärt Enno Isermann, Pressesprecher der Hamburger Kulturbehörde. Laut Senatsbeschluss vom Juli 2014 ist die Hälfte des Betrags für eine Forschungsstelle zu Hamburgs kolonialer Geschichte vorgesehen. Außerdem sind Gelder für ein Tandem-Promotionsstipendium eingeplant, um einen deutschen und tansanischen Doktoranden unter anderem die fehlende afrikanische Perspektive erarbeiten zu lassen, die im heutigen Tansania offenbar kaum jemand vermisst. Die restlichen Mittel stehen für eine Tagung sowie Erhalt und Pflege der Jenfelder Grünfläche und der Askari-Reliefs bereit. Ob das alles über Jahre mit einem Etat von gerade einmal 410.000 Euro gelingen kann, scheint fraglich – obendrein gibt es für die Stadtoberen ...

"Dann gibt es noch andere Aspekte, dass die Landeszentrale für Politische Bildung – auch überfällig – sich auch einmal mit den Straßennamen in Hamburg befasst und guckt, welche koloniale Geschichte steckt dahinter. Müssen wir bei gewissen Straßennamen umdenken? Gerade wir in Hamburg sind auch große Profiteure des Kolonialismus."

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