Vier Jahre russischer Angriffskrieg
"Gigantischer Braindrain" - Diese Folgen hat der Krieg für Forschung und Wissenschaft in der Ukraine

Der russische Angriffskrieg hat massive Auswirkungen auf die Forschung in der Ukraine. Viele Bildungseinrichtungen seien zerstört, sagt Philipp Christoph Schmädeke von Science at Risk im Deutschlandfunk. Tausende Akademiker hätten das Land verlassen oder dienten in der Armee.

    Das Hauptgebäude der Nationalen Technischen Universität Donezk, das durch russische Bombardements zerstört wurde.
    Die Nationale Technische Universität Donezk wurde im April 2025 bei russischen Angriffen getroffen. (picture alliance / Photoshot)
    Schmädeke sprach von einem "gigantischen Braindrain", der das Land treffe. Die verbliebenen Wissenschaftler arbeiteten in der Ukraine unter schwersten Bedingungen. So seien rund 3.700 Bildungseinrichtungen durch russische Angriffe beschädigt oder zerstört worden.

    Beeinträchtigung auch durch psychische Belastung

    Schmädeke und "Science at Risk” haben für eine Studie rund 2.000 Forscherinnen und Forscher in der Ukraine befragt. Das Ergebnis: Etwa 37 Prozent mussten seit Beginn des Krieges ihren Wohn- oder Arbeitsplatz verlassen. Mehr als 50 Prozent gaben an, dass sie durch psychische Belastungen in ihrer Arbeit beeinträchtigt seien, etwa, weil Angehörige oder Kollegen getötet oder schwer verletzt wurden.
    "Es gibt keinerlei Planbarkeit", so Schmädeke. Auch sei das Budget für Bildung und Forschung in der Ukraine wegen des Krieges deutlich geschrumpft. Dennoch bemühe sich die Ukraine, eine neue Generation auszubilden, die das Land "irgendwann tragen und führen kann".

    Internationale Forscher würdigen Widerstandskraft

    Die Forschungsorganisation "Science Europe" lobte in einer Stellungnahme die Widerstandsfähigkeit ukrainischer Forscher. Die Universität Münster betonte, die Forschung in der Ukraine gehe auch unter extremen Bedingungen weiter. So habe etwa die Universität Charkiw unmittelbar nach Beginn des russischen Großangriffs ihre Lehre in Kellerräume verlegt.

    Auswirkungen auch auf die Forschung in Deutschland

    Die Folgen des russischen Angriffskrieges sind nicht nur in der Ukraine zu spüren. "Mit dem Krieg hat sich alles verändert“, sagte Regina Elsner, Professorin für Ostkirchenkunde und Ökumenik an der Universität Münster, im Deutschlandfunk. Ein Austausch mit russischen Forscherinnen und Forschern sei seither kaum noch möglich.
    Moskau betrachte Wissenschafts- und Kulturaustausch inzwischen als "Waffe", betonte Elsner. Russische Forscher, die nicht staatskonform agierten, riskierten Verfolgung und Verhaftung. Zugleich versuche die russische Führung, auch die Wissenschaftsfreiheit in anderen Ländern zunehmend einzuschränken, etwa, indem sie westliche Organisationen und Forscher als "extremistisch" oder zu "unerwünschten Personen" erkläre.

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    Diese Nachricht wurde am 24.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.