
Kinder in der Ukraine litten häufig an emotionalem Stress. Laut dem Hilfswerk UNICEF hat jedes fünfte Kind dort seit Kriegsbeginn einen nahen Angehörigen oder Freund verloren. Lietmeyer erklärte zudem, die Schulbildung etwa werde immer wieder unterbrochen, etwa durch Luftalarme, die Energiekrise und häufige Ortswechsel. Sie betonte, es gebe zwar noch immer eine hohe Spendenbereitschaft für Hilfsorganisationen wie World Vision Deutschland, allerdings nehme sie auch eine gewisse Müdigkeit in der Unterstützung wahr.
Verschleppt, verstümmelt, getötet
Die Lage von Kindern in der Ukraine ist nach wie vor extrem schwierig. Tausende von ihnen wurden - viele auch schon seit der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 - nach Russland verschleppt und als "Waisenkinder" zur Adoption an russische Familien freigegeben. Die ukrainische Regierung bezifferte ihre Zahl im vergangenen Jahr auf rund 20.000. Das Humanitarian Research Lab der US-Universität konnte nach eigenen Angaben mehr als 8.400 Kinder identifizieren, die systematisch dauerhaft oder vorübergehend in Einrichtungen in Russland und zum Teil auch in Belarus gebracht wurden. Zum damaligen Zeitpunkt seien lediglich etwas mehr als 1.200 Kinder in die Ukraine zurückgekehrt, hieß es in einem Bericht vom März 2025.
Wie das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF betont, sind nach vier Jahren Krieg noch immer rund 2,6 Millionen Kinder vertrieben. Fast 1,8 Millionen von ihnen sind mit Verwandten ins Ausland geflohen, mehr als 791.000 innerhalb des Landes auf der Flucht. Eine aktuelle Umfrage von UNICEF zeigt, dass ein Drittel aller Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren mindestens zweimal vertrieben wurde. Als häufigster Grund für die Flucht wurden Sicherheitsbedenken genannt.
Nach UNICEF-Angaben wurden seit Februar 2022 mehr als 3.200 Kinder in der Ukraine getötet oder verletzt, mit zuletzt erneut steigenden Opferzahlen. Zudem wird mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet, sodass die Zahl möglicherweise höher liegt.
Angst vor einer "verlorenen Generation"
UNICEF wies darauf hin, dass in der Ukraine mehr als 1.700 Bildungseinrichtungen beschädigt oder zerstört wurden. Deshalb könne jedes dritte Kind nicht regelmäßig am Präsenzunterricht teilnehmen. Man setze bei der Hilfe deshalb auf den Ausbau digitaler Angebote, um möglichst viele Kinder vor Lernrückständen zu bewahren. Vier Jahre Krieg dürften nicht zu einer "verlorenen Generation" führen, warnte UNICEF. Die für dieses Jahr geplante humanitäre Hilfe in Höhe von 350 Millionen US-Dollar sei allerdings noch "deutlich unterfinanziert", beklagte das Kinderhilfswerk in einer Mitteilung zum Jahrestag des Kriegsbeginns.
Diese Nachricht wurde am 24.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.




