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StartseiteForschung aktuellCO2-Ausstoß im dritten Jahr stabil 14.11.2016

Global Carbon Project 2016CO2-Ausstoß im dritten Jahr stabil

Ein ökonomische Wachstum bedeutet üblicherweise auch einen verstärkten CO2-Ausstoß. Schon 2014 und 2015 stellte der Forschungsverbund Global Carbon Project fest, dass der Ausstoß kaum gestiegen war. Dank eines abgeschwächten Wirtschaftswachstums in China bleiben die Emissionen auch 2016 niedrig. Schon im nächsten Jahr könnte Indien den Trend aber wieder umdrehen.

Volker Mrasek im Gespräch mit Arndt Reuning

Rauch kommt aus Schornsteinen in Jilin-Stadt im Nordosten Chinas. (Ding Dong, dpa picture-alliance)
Der globale CO2-Ausstoß bleibt im dritten Jahr in Folge stabil (Ding Dong, dpa picture-alliance)
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Arndt Reuning: Herr Mrasek, wie schauen denn die neuen Zahlen aus?

Volker Mrasek: Ganz ähnlich! Nach den Daten aus dem Global Carbon Project wird 2016 das dritte Jahr in Folge sein mit globalem CO2-Ausstoß von etwas mehr als 36 Milliarden Tonnen. Damit sind die Emissionen des wichtigsten Treibhausgases aus menschlichen Quellen im dritten Jahr nahezu unverändert. Im vergangenen Jahrzehnt gab es noch regelmäßig ein Plus von circa drei Prozent pro Jahr, seit 2014 aber nun praktisch keinen Anstieg mehr. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Man hat den Eindruck, als ob weltweite Kohlendioxid-Emissionen endlich den Gipfel erreicht haben oder zumindest ein Plateau und nicht noch weiter steigen.

Reuning: Woran liegt das? Die Welt verbrennt doch noch immer eifrig Öl, Kohle und Erdgas.

Mrasek: Richtig, das tut sie, aber nicht mehr in so starkem Maße! Vor allem nicht in China! China ist der weltgrößte Klimasünder und mittlerweile für fast ein Drittel der globalen CO2-Emissionen verantwortlich, und es gab lange diese Meldungen: "Jede Woche nehmen die Chinesen ein neues Kohle-Kraftwerk ans Netz!" oder "In einem Jahr so viele Kraftwerke, wie es in ganz Europa gibt!" Das scheint inzwischen anders zu sein: Das Wirtschaftswachstum Chinas hat sich in den letzten Jahren abgeschwächt und der Kohleverbrauch Chinas geht seit 2012 zurück. Der CO2-Ausstoß ging 2015 um 0,7 Prozent zurück und wird 2016 voraussichtlich noch einmal um 0,5 Prozent zurückgehen. Der zweitgrößter Klimasünder sind die USA. Auch dort ist der Kohleverbrauch 2015 und 2016 rückläufig, weil das Land mehr Erdgas fördert und verbraucht. Dadurch geht ebenfalls der CO2-Ausstoß zurück. 2015 sogar um 2,5 Prozent.

Unklare Zukunftsaussichten durch Indien und die USA

Reuning: Bleibt das jetzt so? Was sagen die Forscher da?

Mrasek: Die sind eher skeptisch, ob es so bleiben wird, denn es gibt auch ganz andere Entwicklungen. In Indien zum Beispiel wächst der Kohlendioxid-Ausstoß jährlich um sechs Prozent und die Regierung hat das Ziel, die Kohle-Produktion im eigenen Land bis Ende des Jahrzehnts zu verdoppeln. Der Trend wird also anhalten. Die Sorge der Forscher: Selbst wenn USA, China und die EU tendenziell weniger Treibhausgase ausstoßen, könnte Indien das mit weiter steigenden Emissionen wettmachen. Wobei auch von anderen Schwellen- und Entwicklungsländern erwartet wird, dass sie mehr Treibhausgase produzieren werden. Außerdem ist gar nicht so sicher, dass der Kohle-Verbrauch der beiden weltgrößten Klimasünder weiter kontinuierlich fällt: Wenn Chinas Wirtschaft wieder stärker wächst, könnte auch wieder mehr Kohle verfeuert werden. In den USA hat Donald Trump angekündigt, dass er die taumelnde Kohle-Industrie unterstützen wolle, sobald er Präsident ist. Es ist zwar fraglich, ob er den Zug der Zeit aufhalten kann, weil auch in den USA immer mehr Wind- und Solarenergie in die Elektrizitätserzeugung Einzug erhält. Aber wenn das so wäre, würden die CO2-Werte sicherlich wieder steigen.

Reuning: Ein Fachjournal veröffentlicht die Studie heute, einige der Autoren haben die Ergebnisse aber auch heute auf dem Weltklimagipfel in Marrakesch vorgestellt? Warum?

Mrasek: Aus zweierlei Gründen. Erstens: Als Motivationsschub für die Regierungen: Seht her, die Emissionen steigen, zumindest im Augenblick, nicht weiter. Wir sollten jetzt dafür sorgen, dass das auch so bleibt. Zweitens: Als Mahnung an die Regierungen: Damit es dazu kommt, müsst Ihr noch mehr tun. Denn auch das haben die Forscher ausgerechnet: Wenn nur die Klimaschutzmaßnahmen ergriffen, die die Staaten bis heute zugesagt haben, wird der CO2-Ausstoß wieder steigen: um bis zu einem Prozent pro Jahr bis zum Jahr 2030. Dann hätten wir doch noch nicht den Gipfel beim Kohlendioxid-Ausstoß erreicht, dann wären die jetzigen Jahre nur eine vorübergehende Verschnaufpause auf dem Weg zu noch höheren Emissionen.

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