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"Gold Record" von Bill CallahanLieder in Heizdecken

Der US-amerikanische Musiker Bill Callahan veröffentlichte bereits letztes Jahr ein umfangreiches Album mit intimen Geschichten über seine Familie. Nun macht er dort weiter, wo er aufgehört hat – mit musikalischen Folk- und Country-Stories über Freunde, Nachbarschaft und Zweisamkeit.

Von Frank Sawatzki

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Bill Callahan mit Akustikgitarre auf einer Bühne (imago images / PA Images)
Bill Callahan hat nach nur einem Jahr ein neues Album veröffentlicht (imago images / PA Images)
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Was gibt es Schöneres, als jeden Montag mit einem neuen Bill-Callahan-Song aufzuwachen? Immer wieder montags veröffentlichte der Singer-Songwriter zuletzt ein Stück seines Albums und jetzt, wo alle Titel beisammen sind, dürfen wir die Songsammlung komplett genießen. "Gold Record" heißt die Platte, und der Sänger hat direkt einmal einen Golden Oldie aus seinem eigenen Werk neu aufgenommen, in "Let's Move To The Country" bewirbt er geradezu das Familienleben auf dem Lande in ausgeruhten, warmen Gitarrenklängen.

Schlüsselloch der Callahans

Callahan lebt in Austin, Texas. Er hat mit seiner Frau einen fünfjährigen Sohn, ganz bald wird wieder Nachwuchs erwartet. Man ist versucht, das Album als Blick durch das Schlüsselloch der Callahans zu lesen. Doch der Sänger denkt in größeren Dimensionen.

"Was heißt es, ein Mensch zu sein? Ich nähere mich auf 'Gold Record' verschiedenen Aspekten dieser Frage, mit verschiedenen Charakteren, realen als auch erfundenen, mit liebevollen Beschreibungen ihrer Existenzen. Ich erzähle dabei auch vom Leben in Familien. Die Perspektive, die ich suche, ist aber weiter gefasst als meine persönliche."

Dem Musikerkollegen Ry Cooder hat Callahan gleich einen kompletten Song gewidmet. Im Text geht es um Ry Cooder selbst, der zusammen mit Wim Wenders und den Musikern des Buena Vista Social Club Kuba befreit. Callahan preist auch die musikalischen Verwandlungskünste des Gitarristen. Die waren ihm eine Inspiration bei der Suche nach dem Umgang mit amerikanischen Musiktraditionen.

"Auf dem Album sind definitiv Einflüsse der Folk- und Country-Musik zu hören, ich bringe sie nur in neue Formen, ganz speziell im Ry-Cooder-Song. Das war der Versuch, viele verschiedene Genres in einen Song einfließen zu lassen, wie Cooder das auf seinen Platten macht."

Explodierende Tauben

Und dann hat auch noch der "Man In Black" seinen großen Auftritt auf "Gold Record". Als Johnny Cash begrüßt Bill Callahan seine Zuhörer gleich im ersten Song des Albums. Und ist die Verblüffung darüber gerade verflogen, beginnt er die Geschichte von einem Mann zu erzählen, der Frischvermählte in einer weißen Limousine durch Texas fährt. Was auch seine humorvollen Seiten hat, wenn die Mägen der Tauben, die den Hochzeitsreis gefressen haben, explodieren. Callahan verabschiedet sich mit den Worten "Sincerely L. Cohen". Wie Leonard Cohen das in seinem Song "Famous Blue Raincoat" getan hatte.

"Ich hatte gar nicht geplant, über Johnny Cash zu schreiben. Das Cash-Intro und das Cohen-Outro schossen mir irgendwann einfach durch den Kopf."

Callahan erschließt sich sein Land durch die Linse seiner Musiktraditionen und Helden. Aber die Helden, denen er in seinen Liedern begegnet, können auch Menschen von nebenan sein. "Gold Record" ist ein altmodisches Storyteller-Album geworden, das in jeder Zeile erstrahlt, die Callahan mit seiner wärmend sonoren Stimme vorträgt.

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