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Google-MedienförderungVom Gegenspieler zum Partner

Google fördert europäische Medienhäuser mit Millionenzuschüssen - wie genau, zeigen Recherchen des Internetportals netzpolitik.org. Der Konzern versuche, die Medienlandschaft nachhaltig zu beeinflussen, sagte Netzexperte Ingo Dachwitz im Dlf.

Ingo Dachwitz im Gespräch mit Michael Borgers | 01.10.2018

Der Aktienkurs der Google-Mutter Alphabet
Hinter Google steht seit 2015 der Mutterkonzern Alphabet. (dpa / Richard Drew/)
In seiner "Digital News Initiative" hat Google Medien in 28 europäischen Ländern mit Millionenbeträgen gefördert. Die meisten Zuschüsse sind dabei an klassische Unternehmen gegangen. Das hat das Internetportal netzpolitik.org festgestellt. Dessen Experten haben recherchiert, welche Initiativen der Internetriese mit seinem Innovationsfond konkret unterstützt hat.
Geld vor allem für technische Projekte
"Das Ziel der Initiative oder des Förderfonds ist es, Innovationen und die Zukunft des Journalismus zu fördern", sagte Ingo Dachwitz von netzpolitik.org im Dlf. Dabei gehe es nicht um Inhalte, sondern um technische Infrastruktur für den journalistischen Alltag, zum Beispiel ein neues Content-Management-System oder Datenanalyse-Projekte.
In drei Jahren seien rund 150 Millionen Euro geflossen. Zusätzlich habe Google in die Aus- und Weiterbildung von Medienschaffenden investiert. Nach Angaben des Konzerns seien in den so genannten "News Labs" in Europa schon bis zu 20.000 Journalisten fortgebildet worden. Außerdem bemühe sich Google um Dialogformate, um mit den Medienunternehmen ins Gespräch zu kommen.
Wogen glätten nach dem Urheberrechtsstreit
Dachwitz vermutet, dass Google mit dem Fonds eine große PR-Kampagne fährt, um sich mit den europäischen Medienorganisationen gut zu stellen. Auseinandersetzungen unter anderem zum Urheberrecht hatten zuletzt für Streit zwischen dem Konzern und den Verlagen gesorgt.
Mit der Imagekampagne scheint der Internetriese durchaus Erfolg zu haben. "Man sieht, dass Google inzwischen von den großen Tech-Plattformen unter Journalistinnen und Journalisten oder Medienorganisationen die Angesehenste ist", sagte Dachwitz. "Der Ärger konzentriert sich überwiegend auf Facebook."
Große Transparenz bei den meisten Verlagen
Eine Eins-zu-Eins-Berichterstattung erkaufe sich Google dennoch nicht, sagte Dachwitz. In der Regel funktioniere die Trennung zwischen Redaktion und Verlag in europäischen Medien gut. Viele Verlage gingen mit der Förderung durch Google außerdem transparent um.
"Es ist eher so, dass Google so ein Teil des europäischen Medienzyklus oder der Medienbranche wird und sich so ein bisschen unersetzlich macht – einerseits durch die Förderung, andererseits finanzieren sie auch Journalismusforschung", sagte Dachwitz.
Google gibt die Richtung vor
Er beobachtet, dass der Datenkonzern den Journalimus durch sein Engagement verändert. Google entscheide durch seine Initiative mit, dass Innovationen vor allem technischer Natur seien und es weniger um Inhalte und Erzählformate gehe. Dachwitz sieht diesen Ansatz kritisch: "Man muss sich natürlich auch mal anschauen: Sind das die Innovationen, die wir brauchen, oder krankt die Medienlandschaft nicht gerade an ganz anderen Punkten, nämlich dass es strukturelle Finanzierungsprobleme gibt?"