
Danach brauche es eine internationale Behörde für deren Überwachung und einen Sanktionsmechanismus, sollten der Schutzgebietsstatus gebrochen werde. Bergbau-Unternehmen etwa müsse bei der Ausbeutung der Tiefsee einen Riegel vorgeschoben werden. Die Einigung sei ein Zeichen, dass die Ozeane in einer Krise seien, betonte Kaiser (Audio-Link). (Das gesamte Interview mit Martin Kaiser können Sie hier nachlesen.)
Die Umweltstiftung WWF Deutschland erklärte, ein Ziel des Vertrags sei auch gewesen, Gerechtigkeit zu schaffen. Vor allem die Länder des globalen Südens sollten profitieren, sagte Meeresbiologin Schacht im Deutschlandfunk. Dabei geht es etwa um den Zugang zu Ressourcen oder auch Ernährungssicherheit. Schacht verwies darauf, dass die Tiefsee ein enormes Reservoir an Biodiversität vorhalte. "Es gibt bereits viele Nutzungsinteressenten, weil man dort seltene Erden oder Metalle vermutet. Und natürlich werden biotechnologische Anwendungen an Bedeutung gewinnen, etwa für die Pharma- oder Kosmetikbranche."
Das Hochsee-Abkommen werde all dem mit Blick auf den globalen Süden Rechnung tragen müssen, bilanzierte die WWF-Expertin.
Das Hochsee-Abkommen werde all dem mit Blick auf den globalen Süden Rechnung tragen müssen, bilanzierte die WWF-Expertin.
Bundesregierung sagt schnelle Umsetzung zu
Die Bundesregierung will das erste weltweite Abkommen zum Schutz der Hochsee rasch umsetzen.Umweltministerin Lemke sprach von einem überwältigenden Verhandlungserfolg. Mit dem Schutz der Ozeane würden auch die Menschen geschützt. UNO-Generalsekretär Guterres bezeichnete die Einigung als Sieg für den Multilateralismus.
Die US-Vize-Staatssekretärin für internationale Umweltangelegenheiten, Medina, sagte dem Sender CNN, das Hochsee-Abkommen werde helfen, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Weltmeere zu erhalten.
"Beschlüsse können nicht mehr blockiert werden"
Auch aus der Forschung kam Lob: Der Wissenschaftler Stefan Hain vom Alfred-Wegener-Institut, das sich der Polar- und Meeresforschung widmet, sprach von einem großen Erfolg. Der Schutz der Hohen See, die 64 Prozent der Weltmeere ausmache, habe endlich ein Zuhause gefunden. Wichtig sei, dass etwa bei der Einrichtung von Schutzgebieten nun Entscheidungen mit Drei-Viertel-Mehrheit getroffen werden könnten. Somit könnten Beschlüsse nicht mehr durch ein oder zwei Staaten blockiert werden.
Text noch nicht veröffentlicht
Die UNO-Staaten hatten 15 Jahre lang über den Vertrag verhandelt. Gestern gab es eine Einigung.Der Vertrag muss noch formell beschlossen werden. Der genaue Text wurde bisher nicht veröffentlicht. Das Abkommen soll die Einrichtung von Meeresschutzgebieten in internationalen Gewässern ermöglichen. Außerdem sollen Staaten verpflichtet werden, ihre wirtschaftlichen Projekte, Expeditionen und andere Aktivitäten in den Weltmeeren auf ihre Umweltverträglichkeit zu prüfen.
Weitere ausführliche Informationen zum Abkommen können Sie in diesem Beitrag lesen.
Diese Nachricht wurde am 06.03.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
